Kritik an Bebauungsplänen: Anwohner sind strikt gegen eine Bebauung

Kritik an Bebauungsplänen : Anwohner sind strikt gegen eine Bebauung

Ortsvorsteher Ulli Meyer lud am Mittwoch zu einer Bürgerversammlung und informierte über ein mögliches Bauvorhaben im Südviertel.

So eng wie an diesem Mittwochabend bei der Bürgerversammlung, in der es um die Bebauung des Geländes gegenüber der Südschule ging, hatten die Bewohner des Südviertels noch nie zusammen gestanden. Und das sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Aus der Zeitung hatten die mehr als hundert Anwohner, die sich auf Betreiben von Ortsvorsteher Ulli Meyer auf dem Schulhof trafen, vor einigen Woche erfahren, dass der Grünfläche zwischen Fidelishaus, Schule und Spielplatz Pulvermühle eine Bebauung droht. Und dies will keiner, der in diesem Bereich wohnt, wie bei dem Treffen deutlich wurde.

Zu Beginn stellte der Ortsvorsteher die Pläne vor, die jedem per Kopie noch einmal an die Hand gegeben wurden. Er erläuterte die drei von den Planern favorisierten Bebauungsvarianten mit Einfamilien- und Reihenhäusern, aber auch höheren Gebäuden, bei denen zwischen 58 und 105 Wohneinheiten entstehen könnten. Deren Erschließung würde über die St. Fidelis-Straße, wahlweise über die Tulpenstraße, erfolgen.

Bereits das erboste die Anwohner. Keiner konnte sich vorstellen, dass ein zusätzlicher Baustellenverkehr über die ohnehin schon stark frequentierte, schmale Straße an der Südschule funktionieren würde. „Wir sollten bei uns in der Rosenstraße mal nicht mehr halb auf dem Gehsteig parken, sondern so, wie es richtig ist auf der Straße. Dann kommt kein Auto mehr aneinander vorbei“, so eine ältere Dame, „was soll das erst mit einem Neubaugebiet verkehrstechnisch werden?“. Für Rettungsdienste sei es jetzt schon zu eng. So wie sie dachten alle der Anwesenden.

Und auch die Natur spielte bei der Diskussion eine große Rolle. Vereine würden auf die Grünfläche ausweichen, wenn es in der Turnhalle zu heiß werde oder sie belegt sei. Kinder, Jugendliche und Erwachsene spielen dort — auch während des Ortstermins — Fußball oder mit dem Frisbee. Viele lassen seit Generationen dort Drachen steigen.

Die Schule nutzt dieses naturbelassene Refugium mit Streuobstbäumen vor ihrer Haustür für den Unterricht und als Zuhause für die Bienenvölker. Die Schulleiterin der Südschule, Stephanie Zwing, nannte die Entwürfe absurd. Schon jetzt sei der Schulweg für die Kinder unübersichtlich und deshalb gefährlich. Auch andere Kenner des Viertels sind der Meinung, dass die Pläne wohl jemand gemacht haben müsse, der die Situation nicht kenne. „Da legen sie in der nicht weit entfernten Albert-Weisgerber-Allee mit viel Getöse eine Bienenwiese an und im gleichen Atemzug wollen sie hier alles zubetonieren“, hieß es beispielsweise aus der Menge heraus. „Ich verstehe es nicht. Für wen soll denn dort gebaut werden? Als wir vor 20 Jahren hergezogen sind, hatte St. Ingbert noch 43 000 Einwohner, jetzt sind es 37 000.“ Ein Anwohner sprach im Namen der Bewohner des benachbarten Seniorenheimes, die es mit ihren Rollatoren gerade noch bis zur Grünfläche schafften und sich an dieser und dem aktiven Leben darauf erfreuen.

Peter Buhmann, Sprecher der Bürgerinitiative „Pfuhlwiese“, rief die Bewohner des Südviertels dazu auf, gemeinsam etwas gegen die beiden geplanten Bebauungen zu unternehmen. Unterschriftenlisten gegen die Pläne auf der Freifläche an der St.Fidelis-Straße machten auf der Versammlung die Runde, wurden aber vorher schon unter den Anwohnern verteilt. „Das waren zum großen Teil unsere Kinder, die ebenfalls dafür kämpfen“, sagte eine Mutter, „die spielen oft dort, haben sich sogar Buden gebaut.“ Die Parteimitgliegder der Bündnis 90/ Die Grünen lehnen die Pläne ab, wie aus einer vorab veröffentlichten Pressemitteilung hervorging. Die wild gewachsene Parklandschaft trage zum Charme und Charakter der Stadt bei, die sich immerhin mit dem Titel Biosphärenstadt schmücke, wie es Rainer Keller, der Vorsitzende der St. Ingberter Grünen, formulierte. Für derlei Pläne solle man die vorhandenen Baulücken oder Brachflächen in der Innenstadt nutzen. Allerdings sehe er derzeit glücklicherweise keinen politischen Willen bei Rat und Verwaltung, die Pläne umzusetzen, die er lediglich für reine Machbarkeitsstudien im Rahmen der Erstellung des neuen Flächennutzungsplanes halte.

Mit der CDU werde es ebenfalls keine Bebauung an dieser Stelle geben, wie die Stadtratsmitglieder Frank Luxenburger und Markus Monzel klarstellten. Und mit den Anwohnern sowieso nicht, wie spätestens seit dieser Versammlung klar ist. „Werben Sie mit Ihren Argumenten gegen die Bebauung“, sagte Ulli Meyer am Ende des Treffens, nach dem die Diskussion noch lange nicht zu Ende war. „Bei sachlicher Diskussion werden sie auch gehört,“ so Meyer weiter.

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