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Anwohner pflegen Blumenbeet am Staffelweg in St. Ingbert

Bürger zeigen Gemeinschaftssinn : Kleines Beet bringt große Freude

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die glücklich machen. So wie das kleine Fleckchen Erde mit seinen Sonnenblumen, das sich am Staffelweg an der Stelle befindet, wo er auf die Albert-Weisgerber-Allee trifft.

Gerade in den vergangenen wolkenverhangenen regnerischen Tagen scheinen die gelben Blüten den Niederschlag einfach wegzulachen. Nicht nur Autofahrer erfreuen sich an diesem kleinen Blumenbeet, auch die Anwohner. Gerhard Sauders Schlafzimmerfenster beispielsweise liegt in dieser Richtung und er sieht „wie diese Ecke durch die Jahreszeiten hindurch immer wieder anders erblüht“. Für ihn sei das urbar gemachte Stück ehemaliger Wildwuchs ein Hingucker und ein Ausdruck des Gemeinsinns, weil sich Anwohner liebevoll darum kümmern.

Der Literaturwissenschaftler, der auch den bildenden Künsten und damit Albert Weisgerber als bekanntestem Maler St. Ingberts zugetan ist, formuliert es so: „Wer als Fremder zum ersten Mal - von der Autobahn kommend - die Albert-Weisgerber-Allee hinunterfährt, fühlt sich meist zu Bewunderung hingerissen. In allen Jahreszeiten ist sie so ansehnlich in allen Schattierungen von Grün, dass sie dem Namensgeber Weisgerber zur Ehre gereicht. Wer allerdings umgekehrt nach dem Hochhaus in die Kurve fährt, die zur Ensheimer Straße führt, muss seit einigen Monaten höllisch aufpassen, um die enge Fahrbahn mit parkenden Wagen links und rechts unbeschädigt hinter sich zu bringen.

Ein Trost: Vor Beginn der Kurve leuchtet in diesen Wochen eine Insel mit zahlreichen Sonnenblumen. Anwohner des Staffelwegs, deren Garagen an der Albert-Weisgerber-Allee liegen, bepflanzen seit Jahren ein kleines Stückchen Erde mit Frühblühern und Sommerblumen. Jetzt stehen die prächtig leuchtenden Sonnenblumen wie ein großer Blumenstrauß auf diesem Fleck Erde. Viele Fußgänger und Autofahrer werden diese Gabe eines Stückchens blühender Natur, um das sich einige Familien kümmern, dankbar wahrnehmen. Ein liebenswürdiges Beispiel für Gemeinsinn in St. Ingbert. Weisgerber hätte sich gefreut.“

Die „Garagengemeinschaft“ habe sich aber nicht nur ums Bepflanzen gekümmert, wie Sauder mit großer Zufriedenheit und Freude wahrgenommen hat, sondern in den Sommermonaten auch ums Gießen. Früher sei das eine ungepflegte Hundewiese gewesen, „wo sich die Leute aufgehalten haben, um ihren Lieblingen den Stuhlgang zu erlauben“. Wahrscheinlich wurden sie noch durch eine Spenderbox mit Kottüten dazu animiert, dort ihre Hunde das große Geschäft verrichten zu lassen. Wie die Anwohner, die das Beet pflegen, beobachtet haben, wird seit der Bepflanzung weniger davon Gebrauch gemacht.

An dieser Stelle habe vor mehr als zehn Jahren eine Eiche gestanden, die aus Sicherheitsgründen weg musste. Es gab nicht viele Alternativen bei der Bepflanzung, weil die Wurzel im Erdreich verblieb. „Da konnten wir also nur was Kleines hinsetzen“, sagt eine der Anwohnerinnen. „Ich habe Spaß an Gartenarbeit und das Stückchen macht kaum Arbeit. Wir wollten es hier einfach nur ein wenig nett und keine Wildnis haben. Es ist schön, wenn da etwas Grün ist.“ Deshalb seien einige Nachbarn aktiv geworden, haben gesät, hin und wieder was aus dem eigenen Garten angesiedelt. Wenn es dann anwuchs, war die Freude darüber groß.

Gerade die unterschiedlichen Bodendecker vermehren sich so gut, dass das Beet immer wieder anders aussieht und in steter Änderung begriffen ist. Außerdem hat diese blühende Ecke noch eine Nebenwirkung, ist sie doch nicht nur Augen- sondern auch Bienenweide.

„Es werden doch immer mehr Steine in der Stadt. Da muss man ja auch was für die Insekten machen. Und sind die Sonnenblumen abgeblüht, haben auch die Vögel noch was davon“, sagt eine der Damen mit dem grünen Daumen.