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Annemarie Pachel ist evangelische Pfarrerin von Hassel und Rohrbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Neue Seelsorgerin in Hassel und Rohrbach : Start mit Hindernissen und Hoffnungszeichen

Ein Jahr war die Pfarrerstelle in der Evangelischen Kirchengemeinde Hassel und Rohrbach nach dem Weggang von Alexander und Elisabeth Beck vakant. Seit 1. März ist sie mit Annemarie Pachel neu besetzt.

Annemarie Pachel ist 28 Jahre alt und seit Anfang März die neue evangelische Pfarrerin von Hassel und Rohrbach. Mit Elan trat sie die Stelle an und wurde jäh ausgebremst. Denn auch auf ihre Arbeit hat die derzeitige Ausgangsbeschränkung wegen des Corona-Virus Auswirkungen. „Habe ich in meiner ersten Arbeitswoche noch die Presbyter kennengelernt, bestand meine zweite Tätigkeit in der Absage von vorher vereinbarten Terminen“, bedauert Annemarie Pachel ihren holprigen Start.

Doch die junge Frau ist eine Optimistin und freut sich schon auf jenen Tag, an dem ein wenig Normalität in ihre Gemeinde und die Stadt einkehrt. Wer ist die Neue, wie beurteilt sie die bisher in der Gemeinde geleistete Arbeit, und wie geht es mit ihr als Pfarrerin weiter? Aufgewachsen ist sie in der Südpfalz, in einem kleinen Dorf im Bienwald in der Nähe von Wörth am Rhein. 2011 ging sie zum Studium an die Ostsee, nach Greifswald. „Die Fakultät hat mit ihrem familiären Umfeld geworben, das gefiel mir“, erzählt sie über ihre theologischen Anfänge. Drei Jahre verbrachte sie dort, bevor sie im Winter 2014 nach Estland ging. „Mich hat es immer schon in die Ferne gezogen und dort konnte ich vier Monate lang ein anderes Land und die Leute kennenlernen. Das war toll.“ Besonders das mittelalterliche Tallinn hat sie beeindruckt, und mit dem Bus erschloss sie sich unternehmungslustig die Gegend. Nach diesem Auslandssemester ging es zurück in die Heimat, diesmal nach Mainz. Das erste Staatsexamen legte sie 2017 ab, ihr Vikariat führte die junge Frau nach Eppstein-Flomersheim in der Nähe von Frankenthal. „Dann habe ich mir überlegt, was ich als erste Pfarrstelle haben möchte. Ich bin bis dahin nie groß aus der Rheinebene heraus gekommen, doch das Gebiet der evangelischen Kirche der Pfalz ist ja noch ein bisschen größer als nur die Pfalz“, sagt sie auf die Frage, warum sie sich auf die Stelle im Saarland beworben hat. Bisher kannte sie diese „Ecke“ nicht.

Im Sommer 2019 ist sie dann die freien Pfarrstellen abgefahren, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Die Ausschreibung für Hassel und Rohrbach habe sie sehr angesprochen, denn „da hat man gemerkt, dass da Leute sind, die sich engagieren und Freude daran haben, was auszuprobieren“. Diese habe den Eindruck vermittelt, dass da Leute mit „Spaß an der Gemeindearbeit“ sind. „Ich habe hier eine gut ausgebaute Jugendarbeit vorgefunden. Das hat mich fasziniert. Es gibt sogar eine Kirchenband, und die Familien- und Kinderkirche ist auch sehr engagiert. Alle Gemeindemitglieder sind dahinter und fragen sich, was Kirche heute ausstrahlen soll“, erzählt sie jetzt schon voller Freude über die Gemeinde, die sie bisher noch gar nicht gut kennenlernen konnte. Einige Monate verbrachte Annemarie Pachel kurz vor ihrem Dienstantritt in der Saarpfalz auch in der United Reformed Church in Cambridge. „Nach deutschem Maß ist das eine Art Freikirche“, beschreibt sie diese englische Kirche, von wo sie Impulse und Ideen mit ins Saarland brachte. „So hat die Willkommenskultur dort eine hohe Wertigkeit. Die Leute werden an der Kirchentür begrüßt und es gibt andere Gottesdienstformen. Auch über Weihnachten war ich da und habe einige Traditionen mitgekriegt. Vielleicht kann man davon hier etwas übernehmen. Mir hat ebenso gefallen, dass da Allerheiligen ein anderes Gewicht hat als bei uns.“ All das fand die Pfälzerin spannend und genau so könnte es nun in Hassel und Rohrbach weitergehen. „Wichtig ist mir, über den Tellerrand zu schauen und gute Dinge zu adaptieren. Mir ist vor allem die Ökumene wichtig“, sagt sie zu einigen ihrer Werte. Noch sei nicht genügend Zeit gewesen, mit den Menschen in dieser Ecke der Saarpfalz in Kontakt zu kommen, aber beim Einkaufen werde sie schon angesprochen. „Ich fühle mich hier bereits gut aufgehoben und wurde mit offenen Armen begrüßt. Ich bedauere aber, dass so gute Dinge wie der gemeinsame Senioren-Mittagstisch am Mittwoch oder die Proben des Kirchenchores, die wichtig für das Soziale und die Gemeinschaft sind, derzeit nicht stattfinden können.“ Denn das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Gemeinde sei weiterhin stark spürbar. Doch es ist nicht ihre Art zu resignieren. „Derzeit mache ich mir viele Gedanken, was man nach Corona machen und wie ich den Kontakt zu den Gläubigen halten kann. So habe ich versucht, auf der Homepage eine Gebetsecke aufzubauen, wo man seine Gedanken niederschreiben kann.“ Außerdem habe sie eine Kurzpredigt erstellt, die geistliche Impulse gibt. Konzeptarbeit auch mit den Ehrenamtlichen sei nun in einer Zeit gefragt, wo jeder versuche, seinen eigenen Weg zu finden, mit der jetzigen Krise umzugehen. Sie sei voller Zuversicht, denn die Kurve flache ab und es gebe viele kleine Hoffnungszeichen dafür, dass „wir das zusammen schaffen“. Wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben oder gelockert werden, wolle sie mit offenen Ohren durch ihre Gemeinde gehen, zuhören, Bedarf erkennen und ein Gespür dafür bekommen, „was die Gemeinde umtreibt und was unsere Kirche dazu beitragen kann“.

Alleinkämpfer sei sie nicht, denn sie habe im Vikariat die Arbeit im Team schätzen gelernt. „Je mehr mitmachen, desto bunter wird das Bild und umso besser erreicht man die verschiedensten Personenkreise. Auf diese Arbeit freue ich mich, und ich habe richtige Lust loszustarten. Ich bin voller Energie“, sagt die neue Pfarrerin mit spürbarer Vorfreude. Und was macht sie, wenn sie nicht gerade im Pfarrbüro oder der Kirche ist? In der Freizeit liest und puzzelt sie gern, fährt Ski und erkundet auf Reisen verschiedene Gegenden.