An dunkle deutsche Zeit erinnern

Stolpersteine werden bald auch in St. Ingbert an die Verschleppten und Ermordeten der Nazi-Diktatur erinnern. Der Künstler Gunter Demnig ist im August in St. Ingbert. Dann werden die ersten acht Steine verlegt. Weitere sollen folgen.

Erna Kahn, Paul Kahn, Klara Kahn, Jakob Ammann, Herta Löb, Bruno Löb, Inge Löb, Ruth Löb. Acht Namen, acht St. Ingberter, acht Menschen, die während der Diktatur des Nazi-Regimes aus ihrem Lebensumfeld gerissen wurden. Sechs davon starben in den Konzentrationslagern Auschwitz, Dachau und Sachsenhausen. Nur Erna und Klara Kahn gelang die Flucht in die Vereinigten Staaten. Diese acht Namen werden an vier verschiedenen Stellen der Stadt, in der Kaiserstraße, in der Wittemannstraße und der Spieser Landstraße als Erinnerungssteine in das Straßenpflaster eingebracht am Dienstag, 19. August. Das teilte jetzt die Stadtverwaltung bei einer Pressekonferenz mit.

Eine Mahnung sind sie, die "Stolpersteine " des Künstlers Gunter Demnig . Die Gräuel der Nazi-Zeit, Verschleppung und Ermordung von Millionen Juden, politischen Gegnern oder anderen dem damaligen Unrechtregime unliebsamen Menschen werden mit ihnen im Straßenbild sichtbar. Es gibt sie mittlerweile in einer Vielzahl deutscher Städte und im Ausland. Die Gedenksteine sind groß wie Pflastersteine, die Inschrift mit Namen, Geburtsjahr und -ort sowie wenigen Daten zum späteren Schicksal steht auf einer Messingoberfläche. Privatpersonen haben die Steine - jeder kostet 120 Euro - finanziert. Stadtarchivar Dieter Wirth hat mittlerweile schon eine Reihe Namen von St. Ingberter Bürgern zusammengetragen, die von den Nazis verfolgt worden waren. Er rechnet mit 50 oder mehr, derer mit einem Stolperstein gedacht werden müsste. Mit der Aktion im August soll ein Anfang gemacht werden, wenn sich weitere Spender finden, wird es weitere Stolpersteine geben. Marika Flierl, Leiterin der St. Ingberter Volkshochschule, möchte das Projekt im Rahmen der Erwachsenenbildung begleiten. Im Umfeld der Verlegung der Steine will sie Veranstaltungen auf die Beine stellen. An Vorträge, Diskussionen oder auch literarischen Abenden denkt sie da. Das Thema liege der Bevölkerung am Herzen.

Den Anstoß für das Verlegen der Stolpersteine haben Anfang vergangenen Jahres die Grünen gegeben. Sie forderten eine aktive Auseinandersetzung mit dem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat Stolpersteine schon in über 1000 Städten und Orten im In- und Ausland verlegt. In der Region liegen sie in Blieskastel, Gersheim und Niedergailbach.

Die Finanzierung der Stolpersteine läuft über Spenden. Wer sich beteiligen möchte, kann auf das städtische Konto bei der Kreissparkasse Saarpfalz, DE81 5945 0010 1010 5002 45, SALADE51HOM, einen Betrag überweisen. Auf der Überweisung soll unbedingt die Buchungsstelle "2.5.25.01/7052.681800 Stolpersteine " vermerkt werden.