Am Bahnhof wird groß gefeiert

150 Jahren Bahnanschluss widmet man in St. Ingbert am 10. Juni ein Fest. Der Stadtrat beschloss das aber nur denkbar knapp.

Mit einem großen Fest sowie vielen Einzelveranstaltungen wird die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke bis zum Bahnhof St. Ingbert und des Industriegleises zum Eisenwerk gefeiert werden, die sich im Juni zum 150. Mal jähren. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend beschlossen. Höhepunkt beim Fest im Bahnhofsgebäude und auf dem Bahnhofsvorplatz am Samstag, 10. Juni, sollen dabei Fahrten mit einer Dampflok vom Typ 58 311 sein, die für rund 10 000 Euro von den Ulmer Eisenbahnfreunden, Sektion Karlsruhe, bereitgestellt wird. Die Lok wird mit drei Waggons für 240 Personen im Pendelverkehr viermal zwischen St. Ingbert und Homburg unterwegs sein.

Das Budget für das Jubiläum "150 Jahre Eisenbahnanschluss" sieht 28 500 Euro Ausgaben sowie 8600 Euro Einnahmen vor. Die Entscheidung, diese Summen im Zuge der bald anstehenden Haushaltsberatungen zu berücksichtigen, fiel im Stadt aber denkbar knapp aus. Die große Jubiläumsfeier fand 19 Befürworter, 18 Stadtratsmitglieder lehnen sie ab, zwei enthielten sich.

Dominik Schmoll von "Wir für St. Ingbert" zeigte sich erfreut, dass es doch noch gelungen sei, ein attraktives Programm für das Bahnhofsfest auf die Beine zu stellen. Auf seine Nachfrage hin versicherte Andrea Kihm, die Leiterin der städtischen Kulturabteilung, die Zeit bis zu dem Festtag reiche für die nötige Werbung. Geplant sind am 10. Juni neben den Dampflok-Pendelfahrten ein Kinderprogramm mit einer Mini-Lok und dem Auftritt einer Musikkapelle. Am Abend spielt eine Band auf, gegen 23 Uhr wird der Bahnhof mit Licht und Ton illuminiert und die Feier mit einem Höhenfeuerwerk enden. Solch ein Programm war auch die nötige Attraktion für die CDU, für die Markus Monzel meinte: "Wir wollen keine abgespeckte Version, das Bahnjubiläum repräsentiert schließlich St. Ingbert."

SPD und UCD formulierten hingegen ihre Bedenken gegen einen großen Festtag. Sven Meier (SPD) plädierte angesichts einer "Größenordnung, die nicht angemessen ist" dafür, die freiwilligen Leistungen der Stadt doch auf jene Veranstaltungen zu begrenzen, die bereits zuvor geplant waren oder schon stattgefunden haben. So sind unter anderem ab Juni in der ehemaligen Bahnhofsgaststätte Ausstellungen mit Fotos, Bahnexponaten und Briefmarken sowie eine Sonderpostfiliale und im Jahreslauf mehrere Vorträge vorgesehen. Zusammen mit anderen kleineren Veranstaltungen kostet das rund 8000 Euro. Dass dieser Betrag genügen würde, fand auch Michael Trittelvitz (UCD). Der Antrag, nur die Einzelprojekte zu veranstalten und die Lok wegzulassen, wurde jedoch mit 19 zu 15 Stimmen abgelehnt.

Noch klarer formulierte die Familien-Partei ihre Kritik an den Feiern zum historischen Bahnanschluss. Das Fraktionsmitglied Susanne Baumann befand die Veranstaltung lieblos vorbereitet und sagte: "Ein solches Vorhaben braucht keiner." Auch Andreas Gaa (FDP) hatte angesichts der städtischen Haushaltslage kein Verständnis, so viel Geld auszugeben. Der Antrag der Familien-Partei, das Bahnhof-Event komplett zu streichen, fand im Stadtrat aber nur sieben Befürworter. 18 Stadträte lehnten diese Fundamentalkritik ab., zwölf enthielten sich.