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Alt-OB von St. Ingbert Brandenburg erinnert sich an seine Einbürgerung

Einbürgerung in St. Ingbert : Saarländer zu werden war nicht billig

St. Ingberts Alt-Oberbürgermeister Winfried Brandenburg blickt zurück. Seine Einbürgerung kostete 30 000 Franken.

Anfang Juni 1945 kam ich aus Hinterpommern mit meinen Eltern im Großelternhaus in der Ensheimer Straße in St. Ingbert an. Die amerikanischen Soldaten wurden in diesen Tagen durch die französische Armee ersetzt. Das waren meine ersten Eindrücke von St. Ingbert, wie sich die Jeeps durch die Trümmer der gesprengten Brücke in der Bahnhofstraße wanden.

Zu Herbstbeginn 1945 sollte ich eingeschult werden, aber ich wollte nicht. Meinem Vater erklärte ich: „Ich will nicht in die Schule gehen, ich will immer dumm bleiben.“ Der väterliche Wille setzte sich aber durch. Wir waren etwa 65 Kinder in der ersten Klasse. Mit einigen von ihnen tausche ich noch heute bei Klassentreffen Erinnerungen aus. Es werden allerdings immer weniger. Zu den Gesprächen gehört dann oft der Austausch darüber, welcher unserer Lehrer am meisten und härtesten geschlagen hat. Aber an den einen oder anderen Lehrer habe ich auch heute noch angenehme Erinnerungen, auch, weil sie mir den Weg über die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium geebnet haben. Dort begann ich 1949 zusammen mit etwa 60 Schülern in der ersten Klasse, die damals noch Sexta hieß.

Etwa zur gleichen Zeit, genau am 11. August 1949, wurde ich zusammen mit meinem Vater durch die Einbürgerungsurkunde, unterschrieben vom damaligen Staatssekretär im Innenministerium, Edgar Hector, zum Saarländer. Das war nicht billig. 30 000 Franken musste mein Vater dafür bezahlen. Das war damals viel Geld. Ich war in Berlin geboren und die Tatsache, dass meine Mutter 1902 in St. Ingbert geboren worden war, verhalf mir nicht zur saarländischen Staatsbürgerschaft. Trotz aller Freundlichkeit der saarländischen Regierung Frankreich gegenüber galt nicht das französische Abstammungsrecht, das mich als Sohn einer Saarländerin zum Saarländer gemacht hätte, sondern das Recht des Geburtsortes. So wurde ich erst 1949 zum Saarländer.

Als Angehöriger eines selbständigen Staates mit eigener National- und Olympiamannschaft, einer festen Grenze zum „Reich“, das hinter Homburg begann und mit eigenen Briefmarken, die mich noch heute faszinieren. Der Brief nach Zweibrücken kostete damals 30 Franken, der nach Algier, das zum gemeinsamen Wirtschaftsraum zu Frankreich gehörte, nur die Hälfte.

In der Schule wurde im Klassenbuch nach drei Kategorien unterschieden: Saarländer, Franzosen und Ausländer, zu denen auch die deutschen Klassenkameraden gehörten. So wurde im Unterbewusstsein Nationalismus gefördert, der 1955 bei der Abstimmung über die Selbständigkeit des Saarlandes zum „Nein“ führte, was mich dann 1957 vom Saarländer wieder zum Deutschen machte, diesmal kostenlos. Vielleicht bin ich deshalb dem Internationalismus so nahe.