Als die Saarpfalz zu Bayern gehörte

Die Einflüsse der 100-jährigen Zugehörigkeit der Region zum Bayrischen Königreich werfen ihre Schatten bis in die Gegenwart. Mit einer interessanten Ausstellung beleuchten Martin Baus und Jutta Schwan diesen Teil unserer Geschichte.

Was haben viele Bauwerke des Homburger Universitätsklinikums, die Kirche St. Michael, der Glockenturm in Altstadt, die protestantische Kirche in Niederbexbach und zahlreiche andere Gebäude im Saarpfalz-Kreis gemein? Sie entstammen alle aus einer Zeit, als die Saarpfalz zum Königreich Bayern gehörte, also zwischen 1816 und 1918. Mit einer aufwändigen Ausstellung haben sich nun Martin Baus von der Siebenpfeiffer-Stiftung und die Kunsthistorikerin Jutta Schwan in zahlreichen Fotografien dieser Zeit aus bauhistorischer Sicht gewidmet, die so entstandene Schau "100 Jahre bayrische Saarpfalz - Eine fotografische Zeitreise" soll nun auf ihrer ersten Station einer Tour durch den Saarpfalz-Kreis zweieinhalb Monate lang im Galerie-Bereich des Landratsamtes einen Einblick in diese weiß-blaue Vergangenheit geben.

Am Rande der Ausstellungseröffnung am Dienstagabend ließ Martin Baus ein bisschen hinter die Kulissen blicken. "Es geht auch darum, zu zeigen, dass der Saarpfalz-Kreis eine andere Geschichte hat als der Rest des Saarlandes." Dies sei, da war sich Baus sicher, vielen noch immer bewusst, und das weit über das Feiern von Oktoberfesten hinaus. "Was dabei eine große Rolle spielt sind die familiären Erfahrungen - weil die Großväter oft als Untertanen des bayerischen Königs geboren wurden und als solche auch im Ersten Weltkrieg gedient haben. Diese Geschichte hat sich noch bis in die 1950er und 1960er Jahre als erzählte Erinnerung gehalten." Über diese Mund-zu-Ohr-Vergangenheit hinaus gibt es auch heute noch den einen oder anderen, deutlich sichtbaren Hinweis auf die bayrische Geschichte des Saarpfalz-Kreises, am augenscheinlichsten auch in Kirkel. Denn dort gibt es, per Ortsschild ausgewiesen, den "Bayerischen Kohlhof". Zu eben dem hatte Martin Baus am Dienstagabend eine kleine Anekdote zu erzählen. So hätte er vor Jahren vom Heimatverein aus Oberammergau, "und das ist jetzt wirklich tiefstes Bayern", die Nachfrage erhalten, warum es im Saarland eben einen "Bayerischen Kohlhof" gebe. "Dem Verein habe ich damals die ganze Geschichte aufgeschlüsselt. Und dort war man ganz fasziniert davon, dass man im Saarland und ganz nah an den Kohlegruben plötzlich Bayern hat." Doch was hat es für den Saarpfalz-Kreis tatsächlich bedeutet, einmal zu Bayern gehört zu haben? Martin Baus: "Es hat bis heute die Konsequenz, dass der Saarpfalz-Kreis als früherer Teil der bayerischen Pfalz zum Bistum Speyer beziehungsweise zur protestantischen Landeskirche der Pfalz gehört. Und auch bei der Energieversorgung kann man die Geschichte heute noch nachvollziehen, die Pfalzwerke sind hier noch einer der Hauptenergieversorger." In der Zeit habe sich der Saarpfalz-Kreis selbst unter bayerischer Regierung als viel liberaler gezeigt als der preußisch geführte Teil des Saarlandes. "Und man hat hier davon profitiert, dass München eine lange Zeit eine sehr avantgardistische Stadt war, was Kunst, Literatur und Geisteswissenschaften anging." War es also eine gute Zeit? Martin Baus: "Ein schwierige Frage. Ich denke, es ist, wie es ist."

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Auf einen Blick Die Wander-Ausstellung "100 Jahre bayrische Saarpfalz - Eine fotografische Zeitreise", die Festrede zur Vernissage am Dienstagabend hielt Roland Paul, der frühere Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, bietet auf zahlreichen Foto-Schautafeln Einblicke in die bauhistorische Vergangenheit aus der Zeit der bayerischen Regierungszeit. thw