Als Ayrault in Brandenburgs Wohnzimmer saß

Als Ayrault in Brandenburgs Wohnzimmer saß

St. Ingbert. Über Jean-Marc Ayrault stand dieser Tage viel geschrieben. Die Medien haben die Verbundenheit des neuen französischen Premierministers mit Deutschland hervorgehoben. Besonders im Saarland ist die Freude groß, ist er doch hier ein gern gesehener Gast. Der ehemalige St

St. Ingbert. Über Jean-Marc Ayrault stand dieser Tage viel geschrieben. Die Medien haben die Verbundenheit des neuen französischen Premierministers mit Deutschland hervorgehoben. Besonders im Saarland ist die Freude groß, ist er doch hier ein gern gesehener Gast. Der ehemalige St. Ingberter Oberbürgermeister Winfried Brandenburg (SPD) kann einen ganz persönlichen Beitrag dazu leisten, welcher Natur der sozialistische Regierungschef ist. Brandenburg berichtet, die Städtepartnerschaft zu Saint Herblain, die 1981 unter seinem Amtsvorgänger Hellenthal (CDU) verwirklicht wurde, sei auf Initiative der St. Ingberter Sozialdemokraten entstanden. Die CDU habe dem Projekt damals nicht allzu offen gegenübergestanden, da die französische Kommune tiefrot gewesen sei.In Brandenburgs Wohnung, der damals Fraktionschef der Genossen im Stadtrat war, habe es ein erstes Treffen mit Ayrault auf St. Ingberter Boden gegeben. Zuvor habe eine Vordelegation das Terrain in der späteren Partnerstadt abgesteckt. Auf St. Ingberter Boden hat sich der spätere Verwaltungschef dem westfranzösischen Gast mit Respekt genähert. Brandenburg: "Die entscheidende Frage von mir an Ayrault war bei dem Vortreffen, ob er die Partnerschaft auch bei einer knappen Mehrheit im St. Ingberter Stadtrat mittragen würde." Der Bürgermeister sagte zu. Brandenburg: "Die SPD-FDP-Koalition unter Hellenthal hatte mit 26 Sitzen eine Stimme Mehrheit im Rat. Bei der Abstimmung waren dann 40 dafür." Also doch eine satte Mehrheit, wie es bei einem solchen Projekt auch wünschenswert ist. Hellenthal selbst habe für die Sache in seinen Reihen geworben, berichtet Brandenburg.

Über die Jahre lernte der Ex-Verwaltungschef den Franzosen, der als Deutschlehrer eine besondere Beziehung zum Nachbarland unterhielt, besser kennen. Auch später noch, berichtet Brandenburg, als Jean-Marc Ayrault erster Bürger der Stadt Nantes und damit in enger Verbindung zu Saarbrücken stand, habe es immer wieder Begegnungen gegeben. Einmal habe sich Ayrault eine Auszeit genommen im Wochenendhäuschen der Brandenburgs im Bliesgau - ohne Strom, aber mit fließendem Wasser. Als geradlinigen Mann beschreibt der St. Ingberter den neuen französichen Premier, als zuverlässig, nüchtern analysierend und den Menschen zugewandt.

Ein tieferes Verständnis fürs Saarland billigt Brandenburg ihm allemal zu: "Er ist kein Zentralfranzose, sondern stammt aus der Peripherie mit bretonischen Wurzeln. Die Randlage des Saarlandes und die Mischbevölkerung der Region sind ihm vertraut."mbe