Alexander Funk verteidigt den Wahlkreis

Alexander Funk verteidigt den Wahlkreis

Zwiespalt, Zufriedenheit und Fassungslosigkeit – so war das Reaktionen-Spektrum der heimischen Bundestagskandidaten von Grünen, FDP und Linken auf das Wahlergebnis. Gemeinsam haben sie eines: Bundespolitik wird in der nächsten Legislaturperiode ohne sie gemacht.

Deutschland hat gestern gewählt, Rohrbach hat gewählt und Helmut Heib auch. Foto: Oliver Bergmann. Foto: Oliver Bergmann

Finanzminister und CDU-Kreischef Stephan Toscani würde die Stimmen am liebsten selbst auszählen, so wie er in vorderster Reihe im St. Ingberter Ratskeller steht und konzentriert nach Zwischenständen fragt. Neben ihm steht Alexander Funk, der oberste Knopf am weißen Hemd ist offen.

Der Wahlkreis 299 ziert sich, auch um kurz vor 20 Uhr zittern die Christdemokraten noch um das Ergebnis der Erststimmen. Wenige Minuten später steigt Funk dann auf einen Stuhl und zeigt sich den gut 100 CDU-Sympathisanten. Die Menge tobt und lässt ihn durch ihr rhythmisches Klatschen zunächst gar nicht reden. Als es dann etwas leiser wird, sagt Funk: "Ich bin unglaublich dankbar, dass ich den Wahlkreis nochmal für vier Jahre in Berlin vertreten darf."

Es war lange eine Zitterpartie, und auch Toscani sorgte sich um das Ergebnis. Dass es schwierig würde mit dem Wahlkreis 299, das betont nicht nur der Finanzminister. Schließlich hatte Funk ihn erst vor vier Jahren der SPD mit Astrid Klug nach jahrzehntelanger Dominanz abgejagt. Um so erleichterter ist der 39-Jährige, als ihm das Direktmandat nicht mehr zu nehmen ist. Er wisse, wem er den Sieg zu verdanken habe, sagt Funk und erinnert an den Einsatz seiner Wahlhelfer, an Spender und sein Team in Berlin. Von einem phänomenalen Ergebnis für die CDU spricht er wenige Minuten später, während die Parteifreunde zu feiern beginnen. Er wolle weiter im Haushaltsausschuss bleiben und für solide Finanzen kämpfen: "Wir dürfen nicht auf Pump leben." Zugleich verspricht er, sich dafür einzusetzen, dass auch im Saarland Geld vom Bund ankommt.

Enttäuschung bei der SPD

Gegen 20 Uhr zeichnete sich gestern Abend ein Ergebnis ab, mit dem der SPD-Bundestagskandidat David Lindemann im Vorfeld nicht gerechnet hatte: Er muss den Wahlkreis 299 für die SPD verloren geben. Als bekannt wird, dass auch die Mittelstadt St. Ingbert mit 43,6 Prozent CDU-Stimmen (gegenüber 34,1 Prozent SPD-Stimmen) mit starker Mehrheit für Funk gestimmt hat, ist für David Lindemann klar, dass er diesen Vorsprung nicht mehr würde aufholen können.

Sein Wahlkampfteam ist enttäuscht, denn es hatte sich sehr für David Lindemann ins Zeug gelegt. Vor allem Astrid Klug, die vor vier Jahren ihr Mandat an die CDU verloren hatte, hatte sich sehr gewünscht, dass die SPD diesmal den Wahlkreis wieder zurückholen möge: "Wir haben so viel dafür getan, aber die CDU war auf Bundesebene einfach zu stark." Vater Clemens Lindemann, Landrat des Saarpfalz-Kreises, ist die Anspannung deutlich anzumerken. Trotz erheblicher Verbesserungen für die Sozialdemokraten sei gegen die bundesweit starke CDU kein Sieg zu erringen gewesen, sagt er. David Lindemann selbst trägt seine Niederlage mit Fassung: "Schade, wir haben alle so gekämpft, doch trotz unseres Engagements war es nicht zu schaffen." Ein Trost für ihn persönlich: In vielen Kommunen habe er für die SPD ein deutlich besseres Ergebnis eingefahren als die SPD auf Bundesebene. David Lindemanns berufliche Zukunft liegt vorerst in Mainz, beim Umweltministerium des Landes Rheinland-Pfalz. Fassungslosigkeit bei Thorsten Eich: Der 30-jährige FDP-Kandidat aus St. Ingbert musste zwei Mal hinsehen, um zu realisieren, dass seine Partei am gestrigen Sonntag aus dem Bundestag geflogen ist. "Nach den jüngsten Umfragen war eine andere Prognose zu erwarten", sagte Eich. Gegen 19 Uhr hegte er noch Hoffnung, dass sich das Ergebnis zugunsten seiner Partei verbessern würde, weil darin unter anderem die Stimmen der Briefwähler noch nicht erfasst waren. "Aber die Hochrechnungen haben die Prognose bestätigt." Auch das persönliche Ergebnis (1,4 Prozent der Erststimmen) hellte die Stimmung nicht auf. Seine Partei erzielte im Wahlkreis 3,8 Prozent der Zweitstimmen.

Deutlich besser ist die Stimmung beim St. Ingberter Wahlkreiskandidaten der Grünen, Markus Schmitt (47). Das Ergebnis aus seiner Heimatstadt stellte ihn zufrieden. "5,1 Prozent der Zweitstimmen", erfuhr Schmitt durch unsere Zeitung, "sind ordentlich." Zwar wolle man immer etwas mehr holen, doch sei das ein besseres Ergebnis als bei der Landtagswahl vor einem Jahr. "Man sieht", sagte Schmitt, "dass die Fehler in Berlin gemacht wurden, nicht in der Region." Zu den Fehlern zählte Schmitt vor allem die Koalitionsäußerungen der grünen Spitzenkandidaten. Die eigene Zufriedenheit stellte Schmitt, der den Abend auf der zentralen Wahlparty der Grünen in Saarbrücken verbrachte, aber schnell hinten an: "Für uns geht es darum, dass es Markus Tressel nach Berlin schafft."

Die Direktkandidatin der Partei Die Linke im Wahlkreis 299, Yvonne Ploetz, sprach gestern Abend trotz Verlusten gegenüber 2009 von einem "großartigen Ergebnis" für ihre Partei, wenngleich es auch "noch besser hätte laufen können". Die 28-Jährige aus Bliesdalheim freute sich besonders, dass die Linke nach letzten Hochrechnungen als dritte Kraft vor den Grünen lag. Ihre eigenen Wahlchancen bei dieser Bundestagswahl als Direktkandidatin hatte sie bereits im Vorfeld der Wahl realistisch eingeschätzt. Die Politikwissenschaftlerin hatte einen anderen Aspekt als wichtig erachtet: Auch in Wahlkampfzeiten brauchten die anderen Kandidaten das soziale Gewissen der Linken, das ihnen über die Schulter schaue.