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Aggressives Hörnchen fällt Menschen an

Aggressives Hörnchen fällt Menschen an

Neuweiler. Am Mittwochvormittag rief Petra Kuhn in der SZ-Redaktion an und erzählte eine fast unglaubliche Geschichte. Sie war in Neuweiler unterhalb der Treppenstufen, die zum Berufsbildungszentrum führen, mit einer Freundin unterwegs, als urplötzlich ein kleines Tier mit buschigem Schwanz hervorschoss und Petra Kuhn attackierte

Neuweiler. Am Mittwochvormittag rief Petra Kuhn in der SZ-Redaktion an und erzählte eine fast unglaubliche Geschichte. Sie war in Neuweiler unterhalb der Treppenstufen, die zum Berufsbildungszentrum führen, mit einer Freundin unterwegs, als urplötzlich ein kleines Tier mit buschigem Schwanz hervorschoss und Petra Kuhn attackierte.Das Tier, so die 55-Jährige, krallte sich in ihrem Arm fest und ließ nicht mehr los. Im Weglaufen, so erzählt sie, sei es ihr dann endlich gelungen, den Vierbeiner abzuschütteln. Die Frau ging zum Arzt, dem die höchst seltsame Attacke nicht fremd war. Nach Angaben der Frau hat der Mediziner innerhalb der letzten drei Wochen schon vier Patienten behandelt, die von dem wilden, unerschrockenen Hörnchen angegriffen worden seien.

Volker Wild, Sprecher des SaarForst Landesbetriebes (SFL), bestätigte indessen auf SZ-Anfrage, dass schon mehrere Menschen in Neuweiler der Angriffslust des Hörnchens zum Opfer fielen. Unter anderem der Sohn eines Kollegen. Dieser Kollege erzählt am Telefon, wie es seinem 15-jährigen Jungen erging: Er war samstags um die Mittagszeit in der Nähe des Sulzbacher Wegs, als das Tier auf ihn zurannte und ihm in den Arm biss - und das gleich sechsmal. Der Junge wurde ins Winterberg-Klinikum verfrachtet und bekam dort eine Tetanus-Spritze. Sein Vater sagt, dass im ersten Moment der Schock für den Jungen größer gewesen sei, als die Verletzungen. Dem 15-Jährigen gelang es trotz allem, von dem Hörnchen ein Bild mit dem Handy zu schießen. Und darauf, so Volker Wild, sei zu erkennen - wenn auch etwas unscharf - dass es sich vermutlich um ein Grauhörnchen und nicht etwa um ein Eichhörnchen handelte. Das Grauhörnchen, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, habe es sich mittlerweile auch in unseren Breitengraden gemütlich gemacht. Es sei recht aggressiv.

Volker Wild jedoch kann die Bevölkerung in einer Hinsicht beruhigen: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sei davon auszugehen, dass das Tier keine Tollwut hat. Wie die SZ bereits vor zwei Jahren berichtete, ist das Saarland tollwutfrei. Möglicherweise, sagt der Sprecher des Saarforst Landesbetriebes, ist der in Neuweiler in Erscheinung getretene flinke Vierbeiner aus einem privaten Gehege ausgebüxt.

Und wie geht's jetzt weiter mit dem bösartigen Pelztier, dem man bestimmt nicht begegnen möchte? Revierförster Hubert Dörrenbächer, der die besagte Gegend sehr gut kennt, hat das Grauhörnchen noch nicht gesichtet. Das Gelände, auf dem es sein Unwesen treibt, gehöre auch nicht zum Saarforst, sondern zum Regionalverband. Dörrenbächer ist skeptisch, was das Einfangen des Tieres angeht. Er empfiehlt aber allen Leuten, wenn möglich das Areal rund ums "Ölpfädchen" zu meiden. Der Pfad, ums ganz genau zu beschreiben, zweigt ab vom Sulzbacher Weg Richtung Kriegerdenkmal.

Das Grauhörnchen (sciurus carolinensis) hat seinen Namen von der Färbung seines Fells. Es variiert zwischen einem hellen Silberton und einem sehr dunklen Grauton. Nüsse, Vogeleier, Samen und Insekten gehören zu seiner bevorzugten Nahrung.