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9. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis vom 21. Oktober bis 16. November

Hozpiztage im Saarpfalz-Kreis : Das Leben ist nicht immer fair

Am kommenden Montag beginnen die 9. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis. Eine Reihe von Veranstaltungen sind geplant.

Wie wollen wir sterben? Ist das überhaupt die richtige Frage? Oder sollte man sich eher fragen: Wie wollen wir leben? Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hospiz- und Palliativdienstes zu Gast in unserer Redaktion sind, dann wird es immer auch ein bisschen philosophisch. Kein Wunder, wenn man von den „letzten Dingen“ spricht. Allerdings, und darauf legen alle Wert, nicht mit Leichenbittermine, sondern mit einem Lächeln auf den Lippen.

Es sei gerade für Familien, die einen lieben Menschen verlieren werden, eine Erleichterung, auch mal wieder über den normalen Alltag oder über nette und lustige Dinge zu sprechen. „Auch für die betroffenen Menschen selbst ist es eine Erleichterung, dass nicht ständig ihr Leiden oder die Frage, wie es ihnen gehe, im Mittelpunkt steht“, sagt Elisabeth Vogelgesang, die sich schon seit vielen Jahren eherenamtlich für den Hospiz- und Palliativberatungsdienst engagiert.

Gabriele John-Neumann, langjährige Mitarbeiterin des Caritas-Zentrums Saarpfalz und Koordinatorin des Hospizdienstes, findet dass „die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit dafür sorgt, das Leben mit anderen Augen zu sehen“. Sie lebe bewusst, sei nicht zu Streit aufgelegt und versuche, jeden Tag als wertvoll anzunehmen.

Christa Abel vom Vorstand des Hospizvereins hat gelernt, „das Lebensende als ein Stück Normalität“ anzunehmen. Es gebe einen Anfang und auch ein Ende, das sei vielen Menschen im Alltagsstreß oft nicht bewusst.

Am kommenden Montag, 21. Oktober, beginnen die 9. Hospiztage im Saarpfalz-Kreis. Bis Samstag, 16. November, geht es in verschiedenen Veranstaltungen um das Thema „Ist das Leben fair?“. Die Schirmherrschaft hat Landrat Theophil Gallo übernommen. Haupt-Veranstalter ist der Ökumenische Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz.

„Ist das Leben fair?“ ist natürlich eine provokante Frage - dessen sind sich die Verantwortlichen beim Hospiz- und Palliativdienst durchaus bewusst. „Man kann diese Frage jedem stellen“, sagt Jürgen Grötschel, der 1. Vorsitzende des Hospizvereins Saarpfalz, „man muss dafür nicht am Lebensende angelangt sein.“ Was bedeute überhaupt fair? „Gerechtigkeit ist eines der großen Themen, die derzeit dirkutiert werden“, sagt Gabriele John-Neumann, „doch was bedeutet Gerechtigkeit, wenn das Schicksal entscheidet?“ Ist es fair, mit 16 Jahren an Krebs zu sterben? Oder im Krieg geboren zu werden? Oder im Leben Dinge getan zu haben, die nicht fair waren und die man vor dem Ende noch gerne in Ordnung bringen möchte? „Am Lebensende angelangt, ziehen viele Menschen Bilanz. Vielleicht war das Leben nicht immer fair, und es stellt sich die Frage, was noch getan werden kann, wenn nichts mehr zu machen ist“, sagt Grötschel.

Oft sei die letzte Lebensphase eine besonders intensive Zeit. Belanglosigkeiten haben keinen Raum mehr, und die gemeinsamen Stunden mit den Angehörigen sind kostbar. Letzte Dinge können noch gesagt, geregelt und vielleicht sogar geklärt werden. Schwerkranke und Sterbende gut zu begleiten - auch bei diesen Fragen -, ist die Aufgabe der Hospizarbeit. In diesem Jahr bietet die Veranstaltungsreihe den Besuchern die Möglichkeit, sich dem Thema Sterben zu nähern und Ängsten entgegenzuwirken. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern ist es dem Hospizdienst ein Anliegen, Hilfen aufzuzeigen und zugänglich zu machen. Auch sind immer ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Hospiz- und Palliativdienst willkommen, auch wenn sie neben dem Beruf nur ein paar Stunden erübrigen können, „wir freuen uns über jedes Engagement“, sagt Mechthild Bastian-Bayer, die für den Hospizdienst speziell Altenpflegeheime betreut, „es ist eine sinnvolle Arbeit“.

Und Stefanie Rung, die Diakonie und Hospizdienst koordiniert, findet es wichtig, dass man mit den Patienten und den Angehörigen „noch einmal die schönen Momente gemeinsam durchgehen kann“, damit sich auch Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit einstellen kann, denn wer dankbar sei, sehe das Ende nicht mit Bitternis, sondern gelassen und angstfrei.

Bei den Hospiztagen können Interessierte einen Überblick über die Angebote gewinnen und Einblicke in die palliative Arbeit gewinnen.

Das Programm der 9. Hospiztage:

Montag, 21. Oktober: „Über das Sterben reden“, Vortrag mit Professor Sven Gottschling, um 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Forums in Homburg. Den musikalischen Rahmen gestalten Franz Vogelgesang und Frank Berger.

Freitag 25. Oktober: Filmabend um 19 Uhr Kinowerkstatt in St. Ingbert, Pfarrgasse 49 mit dem Titel „All about Time - alles eine Frage der Zeit“.

Mittwoch, 30. Oktober: Informationsveranstaltung „Gut versorgt am Lebensende“ mit dem SAPV-Team des St. Jakobus-Hospizes Saarbrücken von 18 bis 19 Uhr in der Begegnungsstätte des Caritas-Zentrums St. Ingbert in der Kaiserstraße 63.

Mittwoch, 6. November: Lesung mit Max Feigenwinter unter dem Titel „Nimm jeden Tag als Geschenk“ um 18 Uhr in der Pro Seniore Residenz Hohenburg in Homburg, Gerberstraße 18. Anmeldung erbeten unter Tel. (0 68 41) 69 20.

Samstag, 9. November: Seminartag mit Dorothee Neurohr-Gebhardt unter dem Titel „Ist das Leben fair?“ von 9.30 bis 16 Uhr in der Begegnungsstätte des Caritas-Zentrums St. Ingbert in der Kaiserstraße 63.

Anmeldung ist erforderlich unter Telefon (0 68 41) 9 72 86 13 beim Hospizdienst Saarpfalz.

Am Freitag, 6. und Samstag, 7. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr, findet in der Bliesgaufesthalle in Blieskastel eine Benefizveranstaltung mit dem Homburger Frauenkabarett statt, Premiere des neuen Programms. Der Erlös daraus geht zugunsten des Hospizvereins Saarpfalz. Karten gibt es bereits im Vorverkauf unter:

Die Hospiztage stoßen auf großes Interesse, wie die nicht nur die Eröffnung im Homburger Forum vor zwei Jahren zeigte. Vor allem ist das Programm weit gefächert: Lesungen, Vorträge, Seminare, Gottesdienste. Foto: Dieter Schmitt
Christa Abel, Gabriele John-Neumann, Mechthild Bastian-Bayer, Stephanie Rung, Jürgen Grötschel und Elisabeth Vogelgesang waren zu Gast in unserer Redaktion. Foto: Jennifer Klein

www.ticket-regional.de