Einsätze nach Unwetter: 307 Einsatzstellen im ganzen Stadtgebiet

Einsätze nach Unwetter : 307 Einsatzstellen im ganzen Stadtgebiet

Die St. Ingberter Feuerwehr hat eine Bilanz ihrer Einsätze nach dem Unwetter in der Nacht zum 1. Juni gezogen.

(red) Die Feuerwehr hat eine abschließende Bilanz der Einsätze gezogen, die nach der Gewitterfront mit Starkregen erforderlich waren, die in der Nacht von Donnerstag, 31. Mai, auf Freitag, 1. Juni, über St. Ingbert gezogen war. Innerhalb weniger Stunden fielen nach Angaben des Landesamtes für Umwelt und Arbeitsschutz (LUA) über 107 Liter Regen auf den Quadratmeter. Die Schäden in der Stadt sind immer noch zu sehen und die Aufräumarbeiten sind voll im Gange.

Am Donnerstag, 31. Mai, um 23.54 Uhr erfolgte der erste Alarm für den Löschbezirk in Hassel in der Schulstraße wegen einem umgestürzten Baum. Da weitere Einsätze gemeldet wurden, erfolgte um 0:08 Uhr ein Gesamtstadtalarm für alle Löschbezirke in St. Ingbert. Zusätzlich kam das THW zur Führungsunterstützung zum Einsatz. In allen Ortsteilen waren zu diesem Zeitpunkt bereits Straßen überflutet, Keller standen unter Wasser, teilweise stand das Wasser bis zu zwei bis drei Meter hoch. Eine Tiefgarage in der Innenstadt lief ebenfalls komplett mit Wasser voll. Die Fahrzeuge in dieser Tiefgarage konnten nicht gerettet werden.

Die starken Wassermengen konnte das Kanalsystem nicht mehr aufnehmen. In den tiefergelegenen Straßen blieben Fahrzeuge im Wasser stecken und mussten von Abschleppwagen geborgen werden. Der Bereich Poststraße - „Schmelzer-Parkplatz“ und Parkplatz zur Großbach – war zwischenzeitlich eine komplette Seenlandschaft. Hier stand das Wasser fast einen Meter hoch in den Straßen. Die heftigsten Schäden waren in der Ludwigstraße, wo ein ganzer Straßenzug unter Wasser stand und im Bereich Pfarrgasse/Dammstraße. Die Wucht des Wassers hatte dort Fahrzeuge teilweise übereinander gestapelt und gegen Wände gedrückt. Auch dort stand das Wasser bis zu zwei Meter hoch.

In Kellern schwammen Öltanks auf und drohten auszulaufen. Diese mussten unter speziellen Bedingungen abgepumpt werden. Neben eindringendem Wasser in Gebäude, mussten zudem Bäume von Fahrbahnen beseitigt, Kanaldeckel wieder eingesetzt oder Hindernisse von den Straßen geräumt werden. Weiterhin lösten aufgrund der Wetterlage mehrere Brandmeldeanlagen in der Stadt aus. Die Brandalarme konnten nach der Erkundung jedoch nicht bestätigt werden. Die Feuerwehr in St. Ingbert wurde von weiteren Einsatzkräften mit Fahrzeugen aus dem Saarpfalz-Kreis und aus dem Kreis Neunkirchen unterstützt.

Die Pumparbeiten dauerten den ganzen Tag bis in die Abendstunden an. Am Freitagabend, 1. Juni,  um 17.45 Uhr konnte die örtliche Befehlsstelle der Feuerwehr in St. Ingbert wieder aufgelöst werden. Diese Befehlsstelle richteten die ersten Einsatzkräfte im Gerätehaus St. Ingbert in der Nacht zu Freitag umgehend ein, nachdem abzusehen war, dass sehr viele Einsätze in St. Ingbert abzuarbeiten sind. Nach 20 Stunden konnte Einsatzleiter und Wehrführer, Jochen Schneider, die Kräfte aus den umliegenden Landkreisen wieder in ihre Heimatorte schicken. Innerhalb der 20 Stunden arbeiteten die ehrenamtlichen Helfer 307 Einsätze im gesamten Stadtgebiet ab. Davon waren 226 Einsatzstellen in St. Ingbert, 27 in Hassel, 26 in Oberwürzbach, 20 in Rentrisch und neun in Rohrbach.

Infolge des Unwetters kam es Freitagabend und Samstag noch zu weiteren sieben Einsätzen für die Feuerwehr St. Ingbert Mitte und zwei weiteren Einsätzen für die Feuerwehr Oberwürzbach. Dass diese Unwetternacht extrem war, zeigte sich, da viele Bürger direkt bei der Feuerwehr St. Ingbert, in den Gerätehäusern oder bei der Polizei St. Ingbert anriefen. Da es in dieser Nacht ein großes Notrufaufkommen im Saarland gab, waren die Notrufleitungen überlastet. Viele Bürger meldeten die Einsätze persönlich im Gerätehaus.

Auch die Feuerwehr selbst muss Schäden am Gerätehaus in St. Ingbert und an Privatfahrzeugen der Feuerwehrleute beklagen. Beim Eintreffen der ersten Feuerwehrleute nach dem Alarm, musste festgestellt werden, dass massiv Wasser im Dachbereich der Küche eindrang. Dieses Wasser sorgte eine Etage tiefer für das Einstürzen der Zwischendecke. Hier stellten die Kräfte lediglich Auffangwannen auf. Der Beseitigung des Schadens erfolgte erst am darauffolgenden Morgen. Bei der Anfahrt zum Gerätehaus kam es zudem zu Schäden an mindestens zehn Privatfahrzeugen von Feuerwehrleuten durch eindringendes Wasser und umherfliegende Gegenstände auf den Straßen.

Einsatz der Feuerwehr im Starkregen. Foto: Alex Weber/Feuerwehr St. Ingbert
Vor diesen Garagen bildete das Regenwasser einen kleinen See. Foto: Alex Weber/Feuerwehr St. Ingbert
Die überflutete Ludwigstraße in St. Ingbert. Foto: Alex Weber/Feuerwehr St. Ingbert
Unter der Gambrinus-Apotheke war ein Lagerkeller geflutet. Foto: Alex Weber/Feuerwehr St. Ingbert

Alleine die Gesamt-Feuerwehr St. Ingbert leistete mit 121 Kräften und 18 Fahrzeugen einen Gesamtzeitaufwand von 2013 Stunden (inklusive Aufräumarbeiten zur Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft). Trotz der schlimmen Lage bei allen Einsätzen kamen keine Personen zu schaden! In Oberwürzbach war zwar eine eingeschlossene Person durch eindringendes Wasser im Keller gemeldet worden, diese Meldung konnte jedoch nicht bestätigt werden. Lediglich einige Feuerwehrleute trugen kleinere Blessuren davon.

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