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1300 historische Steine werden zur 16 Meter langen Spielmauer

1300 historische Steine werden zur 16 Meter langen Spielmauer

Die ehemalige Klostermauer neben der Kita St. Franziskus war einsturzgefährdet, aber zum schnöden Abreißen zu schade. Mit Hilfe von Eltern und Kindern wurde am Samstag aus ihren Steinen ein einzigartiges Spielgerät.

. Einst ragte eine Mauer über eine stolze Länge von 94 Metern zwei Meter in die Höhe und trennte das Kloster St. Franziskus vom angrenzenden Kulturhaus. Seit vergangenem Wochenende hat die etwa 100 Jahre alte steinige Grenze jedoch eine neue Bestimmung: Ab jetzt dürfen die Kinder der katholischen Kindertagesstätte St. Franziskus nach Belieben darauf herumklettern und das Außengelände von oben erkunden. Denn mit fleißigem Einsatz von Kindern, Eltern und Kita-Mitarbeitern entstand auf dem Gelände in der Kapuzinerstraße eine Spielmauer.

Mit Arbeitseinsätzen an fünf Samstagen hatten die freiwilligen Helfer erst mal die Vorarbeit geleistet, die Steine mit Wasser gereinigt und vom alten Mörtel befreit. "Das war recht anstrengend", wie Kita-Leiterin Ursula Hornig erzählt. Immerhin galt es, 1300 der ehemaligen Mauersteine sauber zu machen. Dass man die Steine überhaupt nutzen konnte, war möglich, weil der Zahn der Zeit und die Schwerkraft gemeinsame Sache machten und die Mauer einsturzgefährdet war. Flugs funktionierte man diese also um.

Am vergangenen Samstag trafen sich etwa drei Dutzend Helfer, zementierten die Steine auf dem zuvor angelegten Fundament. Über eine Länge von 16 Metern schlängelt sich die Spielmauer durch den Außenbereich, die Breite von 25 Zentimetern ist durch die eigentliche Breite der Steine bereits vorgegeben. An der niedrigsten Stelle ist die Spielmauer 25 Zentimeter hoch, an der höchsten 1,20 Meter. "Somit sind alle Altersstufen bedacht", erklärt Ursula Hornig.

Die Umsetzung der Maßnahme war unter anderem durch eine Spende über 5000 Euro des St. Ingberter Rotary Clubs möglich geworden. Wichtig war dabei: "Die Kinder sollten mitmachen, sollten die Arbeit wertschätzen können", so die Kita-Leiterin.

So fuhren die Kinder mit Mini-Schubkarren kleine Portionen Steine und Sand hin und her, halfen beim Vermessen mit Zollstock und Wasserwaage. Hier legte einer Hand beim Spachteln an, dort zeichnete einer mit dem Zimmermannsbleistift Markierungen. Gleichzeitig wechselten die Erwachsenen mit Schaufeln den Spielsand oder beschnitten mit der Motorsäge einen Pflock. Denn neben dem Errichten der Mauer wurde die Zeit noch genutzt, um das Areal generell auf Vordermann zu bringen. Beispielsweise wurde noch die "Wackelbrücke" erneuert. Gute Stimmung herrschte bei den Bauarbeiten vor. So scherzte man, dass man zwar keine richtigen Handwerker vor Ort habe, sich aber unter den hilfsbereiten Eltern zumindest auch ein Sanitäter befinde - nur für den Fall.

Hauptaugenmerk lag jedoch auf der Spielmauer. Damit dort alles glatt ging, hatte Ralf Bohde vom Ingenieurbüro "Stadt + Natur" den Entwurf angefertigt: "Was könnte für die Kinder interessant sein?" war dabei die Grundfrage, wie er stellte. Schnell flossen Ideen ein, wie etwa einige Steine freizulassen, um eine Art Fenster zu schaffen. Auch ein kleiner Durchgang entstand auf diese Weise, ein weiterer, indem eine große Steinröhre mit verarbeitet wurde. Kleinere Steinröhren und Abflussrohre wurden ebenfalls eingebaut, "so kann man zum Beispiel durchrufen oder etwas verstecken", wie Ralf Bohde erklärte. Zwischendurch wurden noch optisch deutlich unterscheidbare Natursteine eingebaut, "damit das Ganze nicht so streng wirkt".