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100-Tage-Bilanz von Oberbürgermeister Ulli Meyer in St. Ingbert

Kostenpflichtiger Inhalt: Erste Erkenntnisse als St. Ingberts OB : „Ich spüre persönliche Verantwortung“

Oberbürgermeister Ulli Meyer zieht die Bilanz seiner ersten Monate im Amt. Viel Nähe braucht auch Zeit.

Gut zwölf Wochen ist Ulli Meyer als St. Ingberter Oberbürgermeister im Amt. Zeit für eine erste Bilanz. Im Gespräch mit unserer Zeitung will der 46-Jährige aber nicht nur die Liste von ersten Erfolgen und Plänen abhaken. Es geht mehr um persönliche Eindrücke an den ersten Amtstagen. Was hat sich verändert, was habe ich schon gelernt?

Vier deutliche Unterschiede zu seinen früheren Tätigkeiten hat sich der neue Rathauschef notiert. Sein jetziges Amt stehe für eine besondere Nähe zu den Bürgern, eine unmittelbare Wirkung getroffener Entscheidungen, einer intensiven Kommunikation auf lokalpolitischer Ebene sowie einer nicht zu unterschätzenden persönlichen Verantwortung.

25 Jahre in der Kommunalpolitik und zehn Jahre als Ortsvorsteher waren ein gutes Rüstzeug, sagt Meyer. Seit Oktober erlebe er aber noch einmal eine „höhere Intensität“ im Umgang mit den St. Ingbertern. „Auf der Straße werde ich von Bürgern noch mehr wahrgenommen, kurz mehr gegrüßt.“ Auch die direkte Ansprache nach dem Motto „Herr Meyer, ich hab da mal…“ seien jetzt Alltag. Mal gehe es um eine Grünanlage, mal um den Straßenverkehr, mal um eine gute Idee. Weil er sich als „Fürsprecher der Bürger gegenüber der Verwaltung“ sehe, nehme er solche Anregungen gerne mit. „Ich mache aber keine schnellen Zusagen, ohne das Thema auch verwaltungsintern mit meinen Mitarbeitern angesprochen zu haben“, stellt der OB klar.

Das Gespräch ist jetzt bei der Stadtverwaltung. Auf die lässt Ulli Meyer nichts kommen. „Ich habe im Rathaus eine gute, motivierte Mannschaft vorgefunden und Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“ Auch deshalb habe er dort nur wenige personelle Veränderungen vorgenommen. Die Wirtschaftsförderung ist neu aufgestellt, die Themen Kindergärten und Bildung als neue Stabsstelle organisiert. Auch die Stelle eines neuen Stadtpressesprechers, der spätestens mit dem Ausscheiden von Peter Gaschott gebraucht wird, sei inzwischen ausgeschrieben. „Der künftige Leiter der städtischen Öffentlichkeitsarbeit wird sich auch um das Stadtmarketing kümmern“, kündigt der OB an.

Dass Entscheidungen, die er jetzt in St. Ingbert treffe, nochmals deutlich näher an seine Person gerückt seien als zuvor im saarländischen Finanzministerium verdeutlicht Meyer an zwei Stichworten: Erweiterung von abat+ und Baumwollspinnerei. Bei letzterer deutet der OB im Übrigen an, dass er intensiv an einer Lösung für die schier endlose Dauerbaustelle arbeite – auch im Kontakt mit Privatinvestor Werner Deller. Die aktuellen Überlegungen für die Baumwollspinnerei lassen sich so zuspitzen: Entweder Deller oder die Stadt übernehmen das Projekt komplett, um den Stillstand zu beenden.

Mit seinem Amt im St. Ingberter Rathaus hat Ulli Meyer aber auch einige Aufgaben sozusagen geerbt. Einen Sitz im Präsidium des saarländischen Städte- und Gemeindetags etwa oder Aufsichtsratsposten wie den bei den Stadtwerken. Lebhaft erzählt er auch vom Berlin-Besuch im Januar, als die saarländischen Bürgermeister in der Hauptstadt „SOS – Saarland ohne Schulden“ funkten. „Das war ein wichtiges Signal für die Solidarität in der kommunalen Familie.“

Hier wie da sieht sich Meyer gut vernetzt. Als stellvertretender Kreisvorsitzender und Mitglied im Landesvorstand der CDU, im deutschen Städtetag, mit den weiter gepflegten Kontakten in die Landesregierung oder in der kommunalen Nachbarschaft. „All diese Kontakte will ich im St. Ingberter Interesse weiter nutzen.“

Als jüngstes Beispiel für die persönliche Verantwortung, die ein Oberbürgermeister spürt, nennt Ulli Meyer das Orkantief „Sabine“. „Das lässt einem keine Ruhe, da bin ich selbstverständlich auch mal nachts um eins bei den Kameraden in der Feuerwache.“ Zur ersten Erkenntnis im bürgernahen und verantwortungsvollen Job zählt aber auch, dass vieles spürbar zeitintensiver ist als noch vor Jahresfrist als Staatssekretär im Finanzministerium. „Weil ich alle Vorgänge erledigt haben will, die tagsüber auf meinem Schreibtisch landen, sitze ich oft noch um 22 Uhr im Rathaus.“ Von einem Oberbürgermeister könnten die St. Ingberter das aber auch erwarten.