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Peter-Josef Staut aus Rohrbach ist seit 66 Jahren Fastnachter

Fastnachter in St. Ingbert und Homburg : Peter-Josef Staut ist seit 66 Jahren Fastnachter

Der Rohrbacher war über Jahrzehnte in vielen Funktionen dem närrischen Brauchtum in St. Ingbert und in Homburg verbunden.

„Die ganze Familie bei uns war närrisch“, blickt Peter-Josef Staut zurück. Wenn der 81-jährige Fastnachter das sagt, dann offenbart sein Gesicht ein Strahlen, das man nur kennt, wenn der Betroffene von Kopf bis Fuß für seine Leidenschaft brennt. Doch damit nicht genug. Staut ist nämlich seit 66 Jahren in der saarländischen Fastnacht aktiv. „Sechs mal elf“ muss es korrekterweise bei den Narren heißen.

Angefangen hatte der Rohrbacher 1955 bei der Dengmerter Narrenzunft (DNZ) als Gardist. Paul Kleefisch war damals DNZ-Präsident. Der Rohrbacher Julius Pfeifer, damals als Literat bei der DNZ tätig, gewann Staut für den Karneval. Und Gardist war eine Aufgabe, die heute der Ehrengarde des Karnevalsvereins ähneln würde. Da drängt sich die Frage auf, wieso er nicht einem der beiden Rohrbacher Karnevalsvereine beitrat? „Na, die gab es damals noch gar nicht“, sagt er. Und das wieder mit dem ihm ins Gesicht geschriebenen Lächeln. Peter-Josef Staut arbeitete damals beim früheren Rohrbacher Unternehmen Heckel. Dort lernte er Erich Hein kennen, mit der er beim St. Ingberter Männergesangverein Josefstal seiner Sangesleidenschaft als zweiter Bass nachging. Hein erkannte das Talent Stauts. Und so kam es, dass er quasi „abgeworben“ wurde und fortan bei der Homburger Narrenzunft (HNZ) sein närrisches „Unwesen“ trieb. 1961 startete er seine Karriere als Büttenredner und Mitglied bei den Schlosssängern. Er blieb dort ein halbes Jahrhundert. „Ich hätte nie gedacht, dass Homburg einmal mein närrisches Zuhause wird“, gibt er offen zu.

Mit vielen anderen HNZ-Aktiven war er 30 Jahre Mitglied beim Schmierentheater. Das war den mittelalterlichen Truppen nachempfunden, die damals von Stadt zu Stadt zogen. Das Besondere: Ein Darsteller erzählt die Geschichte, und die anderen stellen mimisch die Erzählung dar. „Zum Brüllen komisch war das damals“, sagt der Rohrbacher, sinniert, lächelt, und dann kommen ihm die Geschichten in den Sinn. Mit Stolz erinnert er sich an die Rolle des Christian von Mannlich von Schloss Karlsberg, die er über zehn Jahre verkörperte. Herzog Karl-August von Zweibrücken überreichte ihm hierzu gar den Orden. Auch seine übrigen Aufgaben, sei es im Elferrat (47 Jahre), im Vorstand (33 Jahre) oder als Zeremonienmeister, hat er - trotz aller Gaudi - ernst genommen. Dabei käme es auf viel Hintergrundarbeit, Fingerspitzengefühl und auf Details sowie auf Menschenkenntnis im Besonderen an, so Staut. Ob er die Zeit nicht vermisst, wollten wir wissen. „Und wie! Nur mit 80 setzt man sich nicht mehr in den Elferrat“, erklärt er. Und dann wird er fast ein wenig wehmütig. Die Bütt fehle ihm, gibt er offen zu und gerät direkt ins Schwärmen. „Die Büttenrede macht man zu Hause fertig. Und dann ist man auf der Bühne mutterseelenallein. Die Scheinwerfer, die vielen Leute, es ist heiß“, beschreibt er die Situation im Rampenlicht. Bei der Premiere lachen die Leute nicht oder nicht an den Stellen, auf die man gesetzt hat. „Das macht einen unsicher. Da kommt man ins Schwitzen und muss es überspielen“, blickt er zurück und strahlt wieder.

Dankbar sei er im Rückblick vor allem seiner vor zehn Jahren verstorbenen Frau Ursula. Sie habe ihn immer unterstützt. Auch wenn sein Wirken in der Kreisstadt mit Aufwand, den er gerne in Kauf nahm, verbunden war. „Vorstandssitzungen, Proben, Auf- und Abbau – da war man nicht nur einmal pro Woche in Homburg“, berichtet Staut. Anerkennung erfuhr er auch 2015, als er den Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval von dessen jetzigem Präsidenten Klaus-Ludwig Fess erhielt. Beim BDK war er zudem sieben Jahre lang Jury-Mitglied für die Gardetanz-Meisterschaften. Sein Zuhause zieren aber auch der Goldene Orden des Verbands Saarländischer Karnevalsvereine und den VSK-Orden für die deutsch-französische Zusammenarbeit. „Ein alter Narr ohne Fastnacht ist wie Bier ohne Schaum. Da laufen mir die Tränen die Backen herunter“, kommentiert er die aktuelle Corona-Zwangspause.