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Musiker Roland Ro Gebhardt aus Bexbach über Leben in der Corona - Pandemie

Leben in der Corona-Pandemie : Kultur und Künstler brauchen derzeit immer einen Plan B

Spendengelder statt Gage, Konzerte im Internet statt live auf der Bühne. Das ist derzeit die Situation für viele Musiker. Wir sprachen mit Musiker Roland Gebhardt aus Bexbach.

Die Kultur hat es schwer in diesen Tagen. Die zweite Corona-Welle kam nicht überraschend, das macht die Situation aber nicht leichter. Viele Kulturschaffende sind derzeit mit ihrer Kunst reduziert auf eine Art Online-Existenz, wie es der in Bexbach lebende Musiker Roland Gebhardt beschreibt. In den vergangenen Monaten seit dem Lockdown im März hat der in Bexbach lebende Musiker Ro Gebhardt, Jazz-Gitarrist, Komponist und Arrangeur, der auch Unterricht gibt und am Institut für Musikwissenschaft der Uni Saarbrücken lehrt,  so ziemlich alle Formen dieser Online-Existenz ausprobiert und durchexerziert. Vom Videoschnitt, um die eigenen Musikvideos auf Youtube und Co. besser rüberzubringen über Online-Unterricht bis hin zum Online-Konzert, das die Zuhörer dann per Stream aus dem heimischen Wohnzimmer verfolgen konnten.

Online-Konzerte statt live auf der Bühne, Spendengelder statt Gage - die Bilanz der vergangenen Monate ist ernüchternd: „Ein Online-Konzert hören sich die Leute schon mal an, aber mehr eben auch nicht. Eine Dauerlösung oder gar ein Ersatz für richtige Konzerte ist das keinesfalls“, sagt Gebhardt. „Es ist ein Notnagel.“ Von der emotionalen Seite mal ganz abgesehen, dass ein Feedback über Chat nicht dasselbe ist wie auf der Bühne zu stehen. „Es fehlt die Interaktion mit dem Publikum, die Spontaneität, das ist kein Dialog mehr mit den Zuhörern, sondern ein Monolog“, sagt der 57-Jährige, der mit Leib und Seele Musiker ist.

Und auch wenn es heißt, dass Applaus des Künstlers Lohn und Brot sei – damit sieht es wie erwähnt  spärlich aus (siehe oben) – so kann man als Berufsmusiker die finanzielle Seite doch nicht außer Acht lassen. Wertschätzung besteht eben auch in monetärer Anerkennung für das Geleistete. „Offen gesagt, mit Musik-Veröffentlichungen im Internet verdient man wenig bis gar nichts“, sagt Gebhardt.

Als Reaktion auf die digitale Entwicklung durch Corona, damit die Zuhörer „überhaupt noch etwas von unserer Kunst mitnehmen können“, veröffentlicht er regelmäßig Videos auf seinem Youtube-Kanal. Aber selbst wenn ein Video auf Youtube oder Facebook ganz gut geklickt werde, bleibe an Verdienst kaum etwas hängen. Die Nutzer seien nicht gewöhnt, für Musik auf sozialen Plattformen zu zahlen, und das werde sich wohl auch nicht ändern.

Ein großer Posten seien die fehlenden Gema-Einnahmen, erklärt Gebhardt. Die Gema ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Nutzer von bei der Gema registrierten Werken – hauptsächlich Hersteller von Bild- oder Tonträgern, Rundfunk- und Fernsehsender, Veranstalter von Live-Musik, Straßenfesten oder Weihnachtsmärkten  – müssen bei der Gema die Nutzungsrechte gegen eine Gebühr erwerben. Das dadurch eingenommene Geld wird dann von der Gema nach Abzug einer Verwaltungsgebühr an die Berechtigten, also die Urheber und Verlage, ausgezahlt. Gibt es aber keine Veranstaltungen, fließen auch keine Gema-Einnahmen.

Da seien auch die Überbrückungshilfen bislang nicht wirklich eine Hilfe gewesen: Ein Zuschuss zur Deckung von Betriebskosten ist eher ungeeignet für Leute, die keinen Betrieb, keine Lagerhalle, keine Maschinen und weiteres haben, deren Produkt aus ihnen selbst und ihrer Kunst besteht und denen seit Monaten schlicht Einnahmen fehlen. Der Sommer mit einigen Konzerten in kleiner Besetzung habe etwas abgefedert. Aber insgesamt fehle bis heute fast ein ganzes Jahr an Einnahmen aus Konzerten und Gema. 

Roland Gebhardt ist dankbar um die halbe Stelle, die er am Institut für Musikwissenschaft der Uni Saarbrücken hat, und um seine Musikschüler. „Es gibt genug Musikerkollegen, die beziehen mittlerweile Hartz IV, bemühen sich um andere Jobs – wenn sie denn überhaupt welche finden – oder müssen Kredite aufnehmen und sich verschulden, um die Zeit zu überbrücken.“  

Deutschland gelte ja als Kulturnation, als Land der Dichter und Denker, „aber in der Corona-Pandemie  wurde die Kultur so radikal beschnitten, dass manches, was jetzt weg ist, auch nicht mehr wiederkommen wird“, sagt Gebhardt.  Das sei umso härter, als sich viele Veranstalter Gedanken gemacht und tragfähige Hygienekonzepte entwickelt hätten. Künstler, Veranstalter, Catering-, Licht- und Tonfirmen seien gleichermaßen am Kämpfen. „Und wenn ich sehe, dass mein Sohn mit 30 Kindern im Klassenraum in der Schule sitzt, aber ich darf keinen Ensembleunterricht mit vier bis sechs Leuten machen, das finde ich nicht verhältnismäßig“, sagt er. 

Die zugesagten „Novemberhilfen“ mit dem fiktiven Unternehmerlohn (siehe Hintergrund) könnten für etwas Luft sorgen. „Sonst bleibt uns das Hoffen auf einen Impfstoff, und dass dann in absehbarer Zeit wieder Veranstaltungen stattfinden können.“

Bis dorthin heißt es immer einen Plan B parat haben. So wie für das geplante Konzert am 12. Dezember in der Gebläsehalle in Neunkirchen, veranstaltet von der Neunkircher Kulturgesellschaft. Wenn es denn wie geplant über die Bühne gehen kann - je nachdem, wie sich die Corona-Lage entwickelt. Sollte es nicht stattfinden, gibt es eine Alternative: Es wird an dem Abend gefilmt und der Stream wird dann am 23. oder 24. Dezember als „Weihnachtsspecial“ ausgestrahlt.

Auf dem  Youtube-Channel von Ro Gebhardt werden regelmäßig neue Videos hochgeladen: ab 27. November, jeweils freitags, 11., 18., 25., 31. Dezember. Es spielen Ro Gebhardt, (57, Gitarre) und sein Sohn Alec Gebhardt,  (13, Bass). Zum Reinschauen, frei nach Robert Schumanns „Kinderszenen: Hasche-Mann“: „El Picador“  https://youtu.be/3AhgeP17oDA