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Zu wenig Bauland in der Gemeinde Mandelbachtal

Alle acht Ortsvorsteher sind sich einig in der Bauland-Frage : „Bauwillige gehen hier Klinken putzen“

Die Vision von der Planungsfreiheit: Große Nachfrage, kaum Angebot auf dem Bauland-Markt in Mandelbachtal.

Wenige freie Baugrundstücke, keine Neu-Erschließungen. Baulücken stehen wegen utopischer Kaufpreise oft dem Markt nicht zur Verfügung. Andere freie Baugrundstücke werden nicht verkauft. Der ehemalige Wittersheimer Ortsvorsteher Helmut Kihl sprach davon, dass Grundstücke „gehortet“ würden. Unsere Zeitung sprach mit den Mandelbachtaler Ortsvorstehern und fragte sie nach den Perspektiven, die Menschen haben, die sich in Mandelbachtal gerne ein Haus für sich und ihre Familie bauen würden.

„Bauwillige gehen hier Klinken putzen.“ Michael Abel, Ortsvorsteher in Erfweiler-Ehlingen, sieht wenig Perspektiven für Menschen, die es in den Bliesgau zieht. Wer hier sein Haus bauen oder ein Gebäude kaufen will, hat schlechte Karten. „Wir haben eine riesige Nachfrage. Von Menschen aus der Gegend, aber auch von Städtern, die sich hier niederlassen wollen. Es hat sich herumgesprochen, dass wir eine sehr gute Infrastruktur haben und es sich hier gut leben lässt. Vor knapp zwanzig Jahren haben wir das letzte Baugebiet erschlossen, seither ist nichts Neues dazugekommen. Was von privater Hand auf den Markt kommt, ist entweder direkt weg oder so teuer, dass es dem Markt de facto nicht zur Verfügung steht“, berichtet der Ortsvorsteher. Dabei hat er in seiner Gemeinde Areale im Blick, die sich für eine Erschließung eignen würden. „Im Ortsrat ist Konsens, dass wir einen neuen Landesentwicklungsplan brauchen, der uns Gestaltungsmöglichkeiten gibt.“ Abel plädiert auch entschlossen für die Grundsteuer C, die die Vorratshaltung von Grundstücken weniger attraktiv macht.

Bertram Nagel, Ortsvorsteher in Bebelsheim, berichtet ähnliches. „Alle Leerstände, die es in Bebelsheim in den vergangenen Jahren gab und die zu auch nur einigermaßen erträglichen Preisen auf dem Markt waren, sind verkauft worden. Städter fragen immer wieder nach, die sich in Bebelsheim ein Haus bauen oder kaufen wollen. Es ist so gut wie nichts frei.“ Dabei berichtet er durchaus, dass in den vergangenen Jahren einige Bebelsheimer ihrem Ort den Rücken gekehrt haben, aber der Andrang von außerhalb ist massiv. „Sehr gerne würden wir neue Baugrundstücke in Bebelsheim ausweisen. Michael Flieger, Ortsvorsteher in Habkirchen, berichtet konkret von drei bis vier aktuellen Anfragen für Bauland in Habkirchen. „In öffentlicher Hand haben wir schon lange nichts mehr. Was auf dem Markt ist, ist nicht bezahlbar.“ Im Ortsrat selbst wurde offiziell noch nicht über den Bauland-Mangel gesprochen, doch er sieht bei allen Mandatsträgern den Wunsch, mehr Gestaltungsraum in der Gemeinde zu haben. Dabei hat Flieger vor allem junge Familien im Auge, denn: „Wer eine halbe Million Euro für einen Bauplatz ausgeben soll, wo soll der das Geld hernehmen, um ein Haus darauf zu stellen?“ Preisgünstiger Wohnraum sei das, was am dringendsten gebraucht werde. Da sieht er die Herausforderungen der Landespolitik.

Die Landesregierung wiederum hält die Fäden in den Gemeinden in der Hand über den „Landesentwicklungsplan Siedlung“. Der regelt die Möglichkeiten, die kommunale Parlamente beim Umgang mit ihren Flächen haben. Der derzeit gültige Landesentwicklungsplan spricht eine klare Sprache zugunsten der Entwicklung und Verdichtung der Dorfkerne, gegen Flächenverbrauch in den Außenbereichen. Die Ortsvorsteher drängen daher einhellig in Richtung eines Landesentwicklungsplans, der ihnen wieder Gestaltungsmöglichkeiten, auch in der Fläche, gibt.

So auch Andreas Greß in Heckendalheim. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir hier ganz nah am Flughafen, an der Autobahn, an urbanen Zentren sind. Und herrlich idyllisch auf dem Land wohnen. Die Nachfrage nach Grundstücken in Heckendalheim ist enorm.“ Er berichtet von sieben Baugrundstücken auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Zins, die von einem privaten Investor erschlossen wurden. „Die waren sofort weg. Zu nicht gerade niedrigen Preisen.“ Im Ort ist es wie überall im Gau – wenige freie Lücken, die faktisch nicht verkäuflich sind: „Wir brauchen dringend einen neuen Landesentwicklungsplan.“

In Bliesmengen-Bolchen wurde 2014 das jüngste Baugebiet erschlossen, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Willi Lagaly. „Im Ortsrat sind wir uns einig, wir wollen Platz für weitere Menschen schaffen. Es gibt viele, die gerne in ihrem Dorf bleiben und hier ihr Haus bauen wollen, es gibt auch Nachfrage von außerhalb. Wir brauchen einen Landesentwicklungsplan, der uns Möglichkeiten gibt, und wenn es nur die Erweiterung des Baugebiets Oberwiese ist.“ Rainer Barth, jahrelang Ortsvorsteher in Ormesheim, wünscht sich vor allem für die Zukunft Spielraum in Richtung des früher bereits angedachten Baugebiets „Steinacker 3“, aber auch in der Nähe der Umgehungsstraße. „Im Dorf haben wir 20, 30 Baulücken, aber keiner verkauft. Und das, was auf dem Markt ist, kann sich keiner leisten“, führt er aus. Ganz wichtig für ihn: Die Steuer auf Baulücken muss kommen.

Stefan Piorko in Ommersheim ist in der glücklichen Situation, dass auf der Ziegelhütte auf einem Hektar Fläche zehn Wohneinheiten entstehen können. „Das ist nicht genug für die Zukunft, aber es ist ein Signal“, so der Ortsvorsteher. Der Satzungsbeschluss fehlt noch, dann kann die Erschließung auf den Weg gebracht werden.

Im Ortsrat ist man sich einig, dass für die Zukunft mit Maß und Ziel, aber auch mit Weitsicht auf den starken Zustrom von Menschen reagiert werden soll, die von außerhalb in den Gau ziehen wollen. „Wir wollen keine Zersiedlung unserer dörflichen Strukturen, aber wir wollen Entwicklungsmöglichkeiten“, fasst er zusammen.

Bliesmengen-Bolchen: Das Dorf entwickelt sich. Im Baugebiet Oberwiese sind viele schöne neue Häuser entstanden. Der Ortsvorsteher wünscht sich eine Erweiterung des Baugebiets. Foto: Peter Gaschott

Einigkeit also, dass die Landesregierung den Dörfern den Zugriff auf Flächen ermöglichen sollte, die zu Bauland werden können. Einigkeit ebenfalls, dass es dabei vor allem um preisgünstige Baumöglichkeiten gehen sollte, mit denen man junge Familien mit Kindern ansprechen kann. Stefan Piorko: „Hier geht es um unsere Zukunft.“ Und Michael Abel aus Erfweiler-Ehlingen wirft ein, er sei fassungslos, dass einer der großen Grundstückseigentümer, der partout nichts hergeben will, die katholische Kirche sei. „Hier wäre eine gute Gelegenheit, soziale Verantwortung an den Tag zu legen.“