Vom Feinkostladen in die Apotheke

Wittersheim. "Ja, das ist Salbei, aber nicht der wilde, sondern die kultivierte Pflanze. Das macht aber gar nichts": Spontan und auf die ihm ureigene unnachahmliche Art unternahm Willi Hammer den Streifzug durch die Bliesgau-Botanik

Wittersheim. "Ja, das ist Salbei, aber nicht der wilde, sondern die kultivierte Pflanze. Das macht aber gar nichts": Spontan und auf die ihm ureigene unnachahmliche Art unternahm Willi Hammer den Streifzug durch die Bliesgau-Botanik. Das Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld in Wittersheim war Schauplatz der Natur-Tour, und der ehemalige Lehrer für Biologie und Chemie am Homburger Mannlich-Gymnasium hatte für jedes Gewächs am Wegesrand ein Bonmot parat. Eingeladen zu der pflanzenkundlichen Begehung, die binnen zwei Stunden etwa 100 Meter "weit" führte, hatte ein gemischter Kreis von Veranstaltern: Federführend der Altstadter Naturschutzbund, die saarpfälzische Kreisvolkshochschule, der Alpenverein Zweibrücken und Haus Lochfeld. Mit bester Bellevue auf die sonnenbeschienen Terrassen des Bliesgaus, erläuterte der pensionierte Studienrat erst einmal dessen geologische Formation, den Muschelkalk. "Das ist eigentlich eine irreführende Namensgebung. Denn der Begriff erweckt den Eindruck, als ob Muscheln den Boden prägen würden. Dem ist aber überhaupt nicht so." Vielmehr seien es sogenannte Seelilien, die massenhaft aus jenen fernen Zeiten übrig sind, als der Bliesgau noch von einem flachen Meer überflutet war. "Und um es noch verwirrender zu machen. Seelilien waren keine Pflanzen, sondern Tiere, Trochiten. Und es gedeihen hier Pflanzen, nach denen man beispielsweise im Buntsandstein des Homburger Raumes vergeblich sucht." Die erste derartige Spezies, die den Teilnehmern ins Auge stach, war der Mittlere Wegerich, der sich auf kalkhaltige Wuchsorte spezialisiert hat. Wildgemüse und Heilkräuter gab es in Hülle und Fülle zu sehen: Sauerampfer, Beinwell, ein kunterbunt blühendes Potpourri verschiedener Schafgarben, Ysop, Herzgespann, Spießmelde, Odermennig - gleichermaßen als Apotheke wie als Feinkostladen erwies sich das Anschauungsareal. "Hundsärsch" identifizierte dann ein Kenner den knorrigen Baum mit seinen sonderbaren Früchten, aus denen der eine am liebsten Schnaps, andere eher Gelee herstellen. Und neben diesem Mispelbaum gab es einen Maulbeerbaum zu bewundern, der schon seit der Zeit der alten Römer in Weinbergen gepflanzt wird, weil er den Trauben gut tut. Reben standen den botanischen Wanderern daneben in Reih und Glied Spalier und versprechen mit ihrer reichen Klotzlast eine üppige Lese im Herbst. bam