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Unterwegs zu den Piepmätzen bei Bebelsheim

Heimatfreunde Bebelsheim : Unterwegs zu den Piepmätzen bei Bebelsheim

Vogelstimmenwanderung in Kleingruppen bei den Heimatfreunden: Nabu-Experte Helmut Bartscherer gab auch Erklärungen zu Nisthilfen.

Schon im vergangenen Jahr wurde die von den Bebelsheimer Heimatfreunden fest geplante Vogelstimmenwanderung Opfer der Pandemie. Leider fiel aus gleichem Grund die Veranstaltung auch in diesem Jahr aus. Man suchte nach Alternativen und hatte auch schon bald eine Lösung parat: Mit kleineren Gruppen suchte man die Nisthilfen zur Reinigung auf, eine Gelegenheit, bei der viel Wissenswertes über die heimische Vogelwelt zu erfahren war. Helmut Bartscherer, Mitglied des Naturschutzbundes (Nabu), ist seit vielen Jahren auch bei den Bebelsheimer Heimatfreunden als Wanderführer engagiert. Patrica Uth, 2. Vorsitzende des Heimatvereins, bedauerte sehr, dass nach der Absage der Veranstaltungen im Jahr 2020 auch keine besseren Nachrichten für das laufende Jahr zu vermelden sind. Aber man fand immer wieder Alternativen, um das Vereinsangebot nicht gänzlich einstampfen zu müssen. So plante man kurzfristige Exkursionen: Zwar nicht für die breite Öffentlichkeit, aber kleinere Gruppen aus maximal zwei Haushalten fanden sich nun zusammen, um sich mit dem Hobby-Vogelkundler auf den Weg zu machen zur jährliche Reinigung der künstlichen Nisthilfen So war auch Familie Uth mit Liam und Luca, Vater Stefan, Mutter Bianca und Oma Patricia über drei Stunden lang unterwegs.

Etwa 30 der vom Nabu Bebelsheim aufgehängten 100 Nisthöhlen ging die Gruppe an. Helmut Bartscherer erklärte, warum es wichtig ist, die künstlichen Behausungen jährlich zu reinigen: „Nistkästen sollten im Spätherbst nach der Brut oder im Winter regelmäßig gereinigt werden, um das alte Nest zu entfernen und um Parasiten zu vertreiben. Eine gute Zeit ist Februar/März; so stören die Besucher die Vögel nicht.“ Liam und Luca staunten, als Helmut Bartscherer darauf aufmerksam machte, dass man vor der Reinigung kurz anklopfen sollte. „Dann haben nämlich Siebenschläfer und andere Schlafmützen die Möglichkeit, rechtzeitig das Weite zu suchen.“ Leider hat sich bei der Reinigungsaktion kein solch „Überwinterer“ gezeigt, aber alte, nicht ausgegangene Gelege wurden entdeckt und man erfuhr vom erfahrenen Nabu- und Heimatfreund, welche Vögel welche Einrichtungen zum Nestbau bevorzugen. Die alten Nester müssen allerdings jährlich entfernt werden und grober Schmutz sollte ausgebürstet werden, um Parasiten zu beseitigen.

Das Anbringen von Nisthilfen ist ein wichtiger Beitrag zum Vogelschutz, denn nicht überall finden sich alte morsche Bäume als natürliche Brutstätten. Wichtig ist auch das Anbringen der Nistkästen.

Bartscherer ist erfreut, dass nicht nur die Nabu-Ortsgruppe solche Nisthilfen aufhängt und säubert; auch heute noch bringen viele Privatpersonen in ihren Gärten und Obstbäumen solche Vogelnisthöhlen an. Der leidenschaftliche Naturkundler bekräftigte dabei, dass aber auch die jährliche Reinigung sehr wichtig sei.

Ebenso sollte das Anbringen der Nistkästen an geeigneten Stellen beachtet werden. Nistkästen sollten nämlich in zwei bis drei Meter Höhe aufgehängt werden, und das Einflugloch sollte weder zur Wetterseite (Westen) zeigen, noch sollte der Kasten längere Zeit der prallen Sonne ausgesetzt sein (Süden). Eine Ausrichtung nach Osten oder Südosten sei deshalb ideal.

Nebenbei erklärte er auch die ersten Pflanzen, die nun im Frühjahr zu entdecken sind; vom jetzt sprießenden Bärlauch und Löwenzahn bis zum Gänseblümchen, Schlüsselblume und Buschwindröschen und von den nun aufbrechenden Baumblüten wie Schlehen und Pflaumen. Ebenso wurden die durchwanderten Fluren und die Herkunft ihrer Bezeichnungen erläutert.

Sehr interessiert zeigten sich die Teilnehmer besonders am grellen Platz-Konzert der Piepmätze: Zu hören und vor allem zu sehen waren an dem besonderen Sonntagsausflug Heckenbraunelle, Buntspecht, Rotkehlchen, Wendehals, Blau- und Kohlmeise, Amsel, Singdrossel und Buchfink. Auch der einzige Vogel, der kopfüber den Baumstamm hinunterklettert, konnte beobachtet werden: der blau-orangefarbene Kleiber – auch Spechtmeise genannt – ist mit seiner Färbung unverwechselbar. Zum Schutz der Jungvögel verklebt er sogar den Eingang seiner Nisthöhle mit einem Speichel-Lehm-Gemisch.

Die 2. Vorsitzende der Heimatfreunde, Patricia Uth, hofft, dass im Jahr 2022 wieder eine Exkursion zur heimischen Vogelwelt für alle Interessenten und die breite Öffentlichkeit stattfinden kann, damit nicht nur ihre Enkel Liam und Luca sagen können: „Wir waren mit Helmut unterwegs zu den Piepmätzen. Mensch, das war toll!“