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Orchesterverein Ormesheim probt wieder im Saal Niederländer

Musiker achten auf Abstand : Ungeteilte Freude über die erste Probe

Der Orchesterverein Ormesheim musizierte wieder im Saal Niederländer. Das Hygiene-Konzeptmacht die Sache nicht einfach.

„Das Problem hatten wir vor der Corona-Pause auch schon mal an der Stelle“, bemerkte Bernhard Stopp am Donnerstagabend. Es klinge einiges noch nach Orchester, meinte der Dirigent schelmisch zuvor im Saal Niederländer. Der Orchesterverein Harmonie Ormesheim (OHO) hatte sich dort zu seiner ersten Probe nach der viermonatigen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie zusammengefunden (wir berichteten). Die „Stolperstelle“ in der Ouvertüre „Das Land des Lächelns“ trugen die Musiker, genau wie ihr Dirigent, mit Schmunzeln und Fassung.

Vielmehr freuten sie sich, nach so langer Zeit, wieder proben zu können. „Hast du geübt?“, fragte eine Frau bei den Blechbläsern ihren Kollegen nebenan. „Ja, aber irgendwie nicht so richtig“, flüsterte der und grinste. „Ich habe es letzten Sonntag ohne Noten probiert. Es ging. Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, gab auch Tobias Walle offen gegenüber unserer Zeitung zu. Wegen des erforderlichen Mindestabstands sind die Musiker im ganzen Saal verteilt, verriet der OHO-Vorsitzende. Die acht Spuckschutz-Wände, die vor den Querflötenspielern platziert wurden, wirkten irgendwie befremdlich. Das hatte was von Call-Center oder Telefonzentrale; nur ohne Fernsprecher. Die Holzbläser sind wegen der Schlitze in den Instrumenten nicht betroffen. Hier entweichen die Aerosole auf diesem Weg, hat Stopp zuvor erklärt.

Der ein oder andere Musiker hat seinem Instrument einen Nylonstrumpf oder eine Socke über den Schalltrichter gezogen. Hier soll der Austritt von Kondenswasser verhindert werden. Strümpfe passen bei den oft recht großen Blasinstrumenten nicht, weshalb man auch Einkauftaschen umgekehrt darüber stülpt. Auf dem Boden befanden sich neben den Notenständern Geschirrhand- und Papiertücher. Auch sie sollen die Verbreitung des ausgetretenen Kondenswassers verhindern, wenn die Instrumente abgestellt werden. Nach 30 Minuten muss eine Zwangspause eingelegt und der ganze Saal durchlüftet werden, so sieht es das Hygienekonzept vor, das fünf Minuten später von Tobias Walle präsentiert wird.

Für die Musiker sei alles nicht einfach. Es gelte, die Nachbarn akustisch zu finden, die zum jeweiligen Instrument gehören, auch, wenn diese nun wegen der Abstände und der neuen Sitzordnung weiter weg sind, hatte Bernhard Stopp zuvor die Situation beschrieben. Es bedürfe einer Auffrischung. Zwar dürfe nicht jeder Ton auf die Goldwaage gelegt werden. Dennoch habe er zu viele falsche Klänge festgestellt. Es sei nicht immer ein Tanzen beim dem Stück auszumachen. Dafür mehr ein Poltern, bilanzierte der Orchester-Chef (seit 1991) gegenüber seinen Schützlingen. Stopp forderte die OHO-Musiker auf, doch mehr Eleganz denn Schwerfälligkeit an den Tag zu legen. „Ich freue mich riesig. Zumal ich bei der letzten Probe Mitte März verhindert war. Bei mir ist es deshalb noch länger her“, meinte Armin Henn gegenüber unserer Zeitung in der Pause. Man habe die gewohnten Stimmen nicht um sich. Es sei aber alles machbar, so der Bariton-Spieler, der auch die Trennwände für die Querflöten gebaut hat.

 Wann der OHO wieder ein Konzert spielen kann, sei derzeit unklar, so Walle. „Klassik im Dorf“ und das Herbstkonzert musste man im 40. Jahr des Vereinsbestehens absagen. Dafür wird man nun in zwei Teilen CD’s mit „Im Land des Lächelns“ aufnehmen und produzieren. Weltweit sei dies die erste Blasmusik-Aufnahme des Lehár-Stückes, versicherte Bernhard Stopp. Auch sei „Auf Sicht fahren“ die derzeitige Devise, da man nicht planen könne. Sabine Kirsch (energis) überreichte dem OHO den mit 300 Euro dotierten Preis „Watt für deinen Verein“, den man mit dem Konzept „Klassik im Dorf“ im März gewonnen hatte. Das mit 1000 Plätzen geplante Konzert wurde auf 2021 verschoben.

„Es darf wieder geprobt werden“, freute sich auch Bürgermeisterin Maria Vermeulen (SPD). „Man kriegt so ein bisschen Gänsehaut“, lobte auch Christine Streichert-Clivot (SPD) das Orchester. Die Kulturministerin hofft auf eine schwache zweite Welle, wenn es diese denn gibt.