Mann der festen Überzeugungen

Sie waren über lange Jahre hinweg mit großem Engagement für ihren Ort unterwegs, haben vieles bewirkt: die ehemaligen Ortsvorsteher im Blies- und Mandelbachtal. Nach der Kommunalwahl vom Mai dieses Jahres haben sie nicht mehr kandidiert. Wir ziehen Bilanz ihres langjährigen Wirkens. Heute: Stephan Schepp-Weyrich aus Wolfersheim.

Er ist SPD-Mitglied seit 1982, unter anderem war er Vorsitzender des Juso-Stadtverbandes Blieskastel und Kreisvorsitzender der Jusos sowie 19 Jahre Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Wolfersheim . Mitglied im Wolfersheimer Ortsrat war er von 1986 bis 2014, Ortsvorsteher von 1994 bis 2014, also satte 20 Jahre. Stephan Schepp-Weyrich hatte bei der Kommunalwahl im Mai dieses Jahres nicht mehr kandidiert, was er lange vorher bereits angekündigt hatte. Was die Politik betrifft, habe er feste Überzeugungen: Grundsätzlich sei er der Auffassung, dass die Politik, insbesondere auf kommunaler Ebene, den Bürgern dienen müsse, nicht einer Partei und schon überhaupt nicht persönlichen Interessen oder Lobbyisten . "Politisches Engagement darf kein Selbstzweck sein. Partei- und Behördeninteressen sind dem Ganzen unterzuordnen. Man muss morgens in den Spiegel gucken können." Wo sieht der 56-Jährige die größten Erfolge in seiner Amtszeit als Ortsvorsteher des 500-Seelen-Dorfes? "2004 hat Wolfersheim die Goldmedaille auf Bundesebene beim Wettbewerb ,Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft' sowie im gleichen Jahr den europäischen Dorferneuerungspreis gewonnen", so Schepp-Weyrich stolz. Weitere Erfolge sieht der zweifache Vater im Anschluss von Wolfersheim an die Kläranlage, den Ausbau der Ortsdurchfahrt ("ein Megaprojekt"), das Neubaugebiet mit Dorfplatz, den Um- und Ausbau der alten Milchsammelstelle zum Dorftreff, den Neubau des Feuerwehrhauses mit Dorf- und Bouleplatz und die Neugestaltungen der örtlichen Laufbrunnen. Weiterhin fallen ihm unter anderem noch ein: die Brunnengestaltung an der Kirche und die Platzgestaltung vor der Brennerei, die Gründung des Obst- und Gartenvereins Wolfersheim und der Erhalt der örtlichen Brennerei sowie die Rad- und Fußwege in Richtung Bliesdalheim und Blickweiler, die Dorfpartnerschaft mit Mirabel aux Baronnies in der Provence und Sanierungen am Dorfgemeinschaftshaus. "Wichtigstes Projekt war die Dorferneuerung, das heißt die Wiederherstellung und der Erhalt der ortstypischen Bausubstanz sowie des Landschaftsbildes mit dem Ergebnis eines harmonischen Orts- und Landschaftsbildes." Aktuell die größte Herausforderung für ihn sei es gewesen, Öffentlichkeit im Hinblick auf den Kalkschotterabbau auf dem Hanickel und die Verhinderung einer Erweiterung um weitere 30 Hektar herzustellen.

Die größte Enttäuschung für ihn sei es gewesen, dass "Politik und Lobbyisten im Zusammenspiel mit Behörden hinter den Kulissen Fakten schaffen". Auch das Geschachere um Posten und Pöstchen und berufliche Vorteile, was im Saarland zuweilen den Eindruck von Selbstbedienung vermittele, finde er als "großes Ärgernis". Hat der langjährige Ortsvorsteher Wünsche an die Politik? "Eine grundlegende Flächen- und Gebietsreform von Städten und Gemeinden zu größeren Verwaltungseinheiten sowie Landkreisen und Bundesländern. Wir können uns eigenständige Bundesländer von der Größe des Saarlandes - knapp eine Million Einwohner, Tendenz fallend - nicht mehr leisten. Ein Regierungsbezirk Saar mit zwei, maximal drei Landkreisen wäre völlig ausreichend."

Was macht Schepp-Weyrich, der seit Ende 2013 im Vorruhestand ist, mit der vielen Freizeit? Zunächst einmal wolle er die freie Zeit einfach genießen. "Dann wird man sehen. Ausschließen sollte man im Leben halt nix, denn bekanntlich ist ja nichts unmöglich", so der ehemalige Leiter im Bereich Personalwirtschaft der RAG an der Saar. Und es ist mehr Zeit für Frau Andrea, die Hobbys Kickboxen und Krav Maga, die Motorradfahrten mit der Kawasaki und das Schnapsbrennen.