Musikverein Ommersheim Wie Blechbläser mit einem Holzbläser gute Musik machen

Ommersheim · Der bekannte Klarinettist Helmut Eisel war zu Gast beim Herbstkonzert des Musikvereins Ommersheim. Das Publikum war begeistert.

Helmut Eisel (Mitte) trat mit den Großen Orchester des Musikvereins Ommersheim, hier mit dem Dirigenten Stefan Weber (links), auf.

Helmut Eisel (Mitte) trat mit den Großen Orchester des Musikvereins Ommersheim, hier mit dem Dirigenten Stefan Weber (links), auf.

Foto: Jörg Martin​

Wer Mark Bauer kennt, weiß um seinen besonderen Humor. Der Musiker moderiert die Konzerte des Großen Orchesters des Musikverein Ommersheim. So auch am vergangenen Sonntagabend, als er die Besonderheit dieser Aufführung erläuterte. Der Verein war nämlich dem Vorschlag seines Dirigenten nachgekommen. Stefan Weber wollte einen Profi-Musiker einladen, um gemeinsam mit dem Orchester aufzutreten. Eigentlich hatte man im Vorfeld auf einen Trompeter oder einen Posaunisten gehofft, verriet Bauer. Als dann klar, war, dass es auf den Ausnahme-Klarinettisten Helmut Eisel hinauslief, wären die Gesichter lang geworden, so Bauer scherzend. Denn Holzblasinstrumente wären unter den Blechbläsern verpönt. „Wir haben die Vorurteile schnell aus der Weltgeschafft“, konnte Marc Bauer die Konzertbesucher in der Saarpfalz-Halle beruhigen. Beim gemeinsamen Auftritt spürte man davon nämlich nichts. Im Gegenteil.

„Er spielt nicht einfach. Er erzählt Geschichten“, hatte der Conférencier den Musiker angekündigt, nachdem das Orchester zunächst noch „Into the Empire“ alleine gespielt hatte. Es kommt nicht von ungefähr, dass Helmut Eisel sein Programm seit Langem „Talking Clarinet“ betitelt. Er lässt das Instrument buchstäblich reden. So auch bei „Two Sides of Jerusalem“, einer Eigenkomposition, mit der er schon lange vor der aktuellen Situation im Mittleren Osten die Konflikte und den stellenweise über die Konfessionen hinweg unkonventionellen und positiven Umgang thematisiert. Ins Bildhafte begab sich Eisel anschließend, als er „Three Times Blood“ spielte. Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk von Fritz Neuböck, welches dieser für die Taubertaler Bläsertage komponierte. Grundlage sind drei Bilder des jungen Ebenseer Malers Stefan Fechtner mit den Titeln „Eisblut, Erdenblut und Sonnenblut“. Stellenweise wirkte das Stück so, als hätte es auch afrikanische Klänge. Vielleicht auch, weil die Musiker Teile davon selbst sangen. Dem Publikum gefiel es, wie man am Applaus feststellen konnte.

„Hot and Cool“ (heiß und locker), ebenfalls ein Eigengewächs aus dem Hause Eisel, hat der Saarbrücker einer Workshop-Teilnehmerin gewidmet, die ihre Umwelt, insbesondere die Männer, in ihren Bann zog und so für sich gewann. Es basiert auf einem Wechselspiel. So auch in Ommersheim, wo Helmut Eisel regelrecht mit seiner Klarinette und dem Saxophon von Simon Hartz kommunizierte. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass es nicht das einzige Instrument des Orchesters war, mit dem Eisel Kontakt aufnahm. Sein langjähriger Partner Stefan Engelmann, der ihn an diesem Abend ebenfalls begleitete, sorgte nicht nur bei diesem Stück für die passende Unterstützung am Kontrabass. Die Begeisterung des Publikums ließ nicht lange auf sich warten. Eine Stimmung, die sich auch bei „Armenian Dances“ (Alfred Reed), einem Klassiker und gleichzeitig ein klanggewaltiges Werk, hielt. Die Bravo-Rufe! waren den Musikern sicher. Zu Abschluss gab es „Babsis Freilach“. Ein Stück, dass der Klezmer-Musiker Helmut Eisel seiner Frau gewidmet hat. Freilach ist auf Jiddisch ein fröhliches Stückchen im Zweiviertel-Takt. Diese Fröhlichkeit übertrug sich nicht nur auf das Große Orchester des Musikvereins, sondern auch auf das Publikum. Das stand auf, applaudierte und wollte Zugaben, die auch prompt gegeben wurden. Hier erzielte Eisel eine besondere Wirkung, als er die Bühne verließ und in den ersten Sitzreihen spielte. Das Orchester steuerte zum Abschluss noch ein Queen-Medley bei. Im ersten Teil des Abends waren das Schülerorchester HalbStark und das Jugendorchester LautStark, beide unter der Leitung von Nikolaus Burgard, aufgetreten und hatten Kostproben ihres Könnens zum Besten gegeben.