Konsens wird angestrebt

Ommersheim. Das Thema Chancen und Risiken einer Biogasanlage, führte nach gut zwei Stunden sachlichen Austauschs zu dem Konsens: Wir brauchen ein Miteinander, kein Gegeneinander

Ommersheim. Das Thema Chancen und Risiken einer Biogasanlage, führte nach gut zwei Stunden sachlichen Austauschs zu dem Konsens: Wir brauchen ein Miteinander, kein Gegeneinander. Mehr als 100 interessierte Jagdgenossen (Grundbesitzer), Jagdpächter (Jäger), Landwirte und Vertreter aus der Kommunalpolitik waren am Dienstagabend der Einladung der VJE (Vereinigung der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Saarpfalz-Kreis) zu einem Informationsabend in der Saarpfalzhalle gefolgt. Aktuellen Anlass dazu gaben die Pläne der Stadtwerke Bliestal, gemeinsam mit enovos (früher Saarferngas), eine Biogasanlage im Gewerbegebiet an der Bundesstraße 423 zwischen Aßweiler und Erfweiler-Ehlingen zu errichten (wir berichteten). Bernhard Wendel, Geschäftsführer der Stadtwerke Bliestal, erläuterte die Funktion der Anlage und erklärte, dass sie mit in der Region nachwachsenden Rohstoffen beschickt werden soll. Diese bestünden aus etwa 40 Prozent Maissilage, 30 Prozent Grassilage, 20 Prozent Ganzpflanzensilage (grün geerntetes Getreide), zehn Prozent sonstigen Pflanzen und einem Prozent Gülle. "Bei einem Investor, der uns seriös erscheint, ist das Produzieren von Energiepflanzen ein zusätzliches Standbein für die Landwirte", unterstützte Richard Schreiner, Präsident der Landwirtschaftskammer und Vorsitzender des Kreisbauernverbands, die Pläne für den Bau der Biogasanlage. Kritische Worte kamen von Stefan Schwarz (VJE). Der Wandel im Anbau, besonders die Zunahme von Mais, bringe ein erhöhtes Wildschadensrisiko. Das senke die Nachfrage nach solchen Feldrevieren, drücke auf den Preis und senke damit die Einnahmen der Jagdgenossenschaften, die ihre Erlöse traditionell in die kommunale Infrastruktur investierten. Bei einem Maisanbau auf 400 Hektar im Umkreis von 15 Kilometern um die Biogasanlage sei mit einem finanziellen Aufwand von 56 000 bis 124 000 Euro allein für die Wildschadensregulierung zu rechnen, erläuterte Schwarz. "Da läuft kein Hase, da steht kein Reh", stieß Christian Halm von der Vereinigung der Jäger ins selbe Horn. Die dreimalige Mahd im Jahr bei Energiepflanzen, senke auch die Wildvielfalt und damit die Attraktivität der Reviere. Dazu kämen Auflagen wie das Verbot der Fuchsjagd und Einschränkungen in den Kernzonen der Biosphäre. Im schlimmsten Fall könnten die Jagdpächter ganz weg bleiben und Jagdgenossen und Gemeinden auf der Wildschadensregulierung sitzen bleiben, statt Einnahmen aus der Jagd zu erwirtschaften. Willi Motsch, Jagdpächter in Blickweiler, schilderte eindringlich die Grausamkeit, wenn in Folge der häufigeren Mahd, bereits im Mai die Kreiselmäher über die Felder fahren. "Da liegen die Kitze und Fasane im Feld. Die frühe Mahd bringt tausendfachen Tod für alle Bodenbrüter", gab Motsch zu bedenken. "Die Vor- und Nachteile stehen und fallen mit dem Engagement des jeweiligen Jägers und Landwirts", berichtete Christian Glahn, Betreiber der Biogasanlage am Heilbachhof bei Zweibrücken, aus seiner dreijährigen Betriebserfahrung. Waidmännische Jäger und aufgeschlossene Landwirte fänden gute Lösungen. Probleme gäbe es nur in Revieren, wo man von Anfang an negativ eingestellt gewesen sei. Die Probleme mit Schnittzeiten und auch von Biogas unabhängigen Faktoren wie Schutzgebieten und zunehmendem Tourismus, könne man nicht wegdiskutieren, räumte Schreiner ein. Auch Wendel meinte, dass man die Problematik des Wildschweinbestands nicht einfach wegreden könne. Einig waren sich alle Seiten, dass Lösungen her müssen, die man nur im Austausch der Interessen gemeinsamen finden kann und will. "Die frühe Mahd bringt tausendfachen Tod für alle Bodenbrüter"Willi Motsch