Keine Küsse ohne Narrenkappe

Fünf Wochen vor Sessionsbeginn hat Tina Schoen in Ommersheim nachgefragt, ob „Die Sackschisser“ schon ein Prinzenpaar haben. Schwupp war sie selbst die Prinzessin – und ihren Mann ließ sie ungefragt gleich mitkrönen. Sie weiß, wie fastnachtsverrückt er ist.

Wenn die Partnerin spontan - ohne den Lebensgefährten zuvor gefragt zu haben - zusagt, als Prinzenpaar zu fungieren, muss das gegenseitige Vertrauen in der Beziehung mehr als groß sein. So geschehen im Sommer vergangenen Jahres, als Tina Schoen bei Ellen Ruffing, der zweiten Vorsitzenden des Karnevalsvereins "Die Sackschisser" Ommersheim (KVO) war und sich erkundigte, ob es denn "schon" für die neue Session ein Prinzenpaar gäbe. "Schon" bedeutete gut fünf Monate vor der Sessionseröffnung eine ungewöhnliche Frage. Ruffing musste diese verneinen und hatte Sekunden später für die neue Session ein Prinzenpaar.

"Flo hat uns getestet und begutachtet. Fast gecastet.", erklärt die 37-jährige Neu-Prinzessin, die den Eindruck vermittelt, ihr Strahlen nie ablegen zu wollen im SZ-Gespräch. Mit "Flo" meinte sie den KVO-Vorsitzenden Florian Kempf. "Ich wollte ihnen Angst machen", berichtet er rückblickend und grinst dabei. Damit wollte er bei Tina Schoen und ihrem Freund Heiko Weber ein möglicherweise "verklärtes Bild" (Kempf) zurechtrücken und das Interesse auf seine Ernsthaftigkeit prüfen. Doch die Heilpraktikerin und der Konstruktionsmechaniker wollten danach noch immer.

Das Amt bringe keinesfalls etwas Schlimmes mit sich, beruhigte Kempf. Doch man sieht nicht, dass weitaus mehr dahinter steckt, als man im Ort wahrnimmt. Jedes Wochenende sind auch außerhalb Termine, wenn auch freiwillig, zu absolvieren. Teilweise an drei Tagen mehrere hintereinander. Hinzukommt 2016 eine kurze Session. Prinz Heiko I. wird sich deshalb so manchen Montag frei nehmen. Prinzessin Tina I., die Tanzen zu ihrer Leidenschaft zählt, ist da als Selbständige ein wenig flexibler, wird aber auch Ruhetage brauchen. Tipps hat das Paar von früheren Prinzenpaaren bekommen. "Wir wussten nicht, dass man das Zepter nicht aus der Hand geben darf. Sonst wird die Auslöse hinterher teuer", erklärt Heiko Weber lachend. "Und man darf nicht ohne Narrenkappe küssen", pflichtet ihm seine Prinzessin bei.

Neu beim Ommersheimer Paar ist, dass sie neben dem Sackschisser-Pin zusätzlich einen eigenen Pin ausgeben werden. Das Paar kennt sich seit drei Jahren und ist fastnachtsverrückt. Ob Umzüge, PreMaBüBa oder Kappensitzung: Fast überall sind sie normalerweise dabei. Daher war Tina Schoen auch von vornherein klar, dass Lebensgefährte Heiko Feuer und Flamme für die Regentschaft war. "Wenn wir's machen, machen wir's richtig und machen jede Veranstaltung mit, die geht", erklärt der 37-Jährige, der in seiner Freizeit Fußball spielt, die Motivation. "Meine Mama ist die Prinzessin"; freute sich auch die Tochter, die in der KVO-Garde tanzt. Zusammen haben sie drei Kinder, auf die die Eltern des Paares in der heißen Phase der Fastnacht aufpassen werden.

Anfangs hatte er bedenken, ob man sie überhaupt akzeptiert, da beide in Ensheim wohnen. Die verflogen schnell. "Entscheidend ist heute, dass man zum Verein steht und sich damit identifiziert. Nicht, wo man wohnt", sagt KVO-Chef Florian Kempf.