Jetzt geht es in die Praxis

Quasi auf den letzten Drücker hat der Biosphären-Zweckverband Bliesgau seinen „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ verabschiedet. Für Energiespar- und ökologische Erzeugungsmaßnahmen können jetzt bis Ende 2016 erhebliche Bundeszuschüsse fließen.

Im Mai 2012 überreichte der damalige Bundes-Umweltminister Norbert Röttgen (CDU ) dem damaligen St. Ingberter Oberbürgermeister Georg Jung (CDU ) in Berlin die Urkunde zum "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz ". Weder Röttgen noch Jung sind noch im Amt. Der Masterplan ist aber noch im Rennen, wenn auch knapp. Etwa zwei Monate nach der Urkunden-Übergabe unterschrieben im St. Ingberter Rathaus die meisten Biosphären-Bürgermeister einen Projektvertrag zum Masterplan. Die Ziele des Masterplans sind ehrgeizig, die finanzielle Unterstützung durch den Bund aber auch beträchtlich. Bis 2050 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 95 Prozent und der Energiebedarf gegenüber 1990 um die Hälfte sinken. Der Bund fördert vier Jahre lang Modellregionen. 19 Kommunen im Bundesgebiet stehen insgesamt 9,5 Millionen Euro zur Verfügung. Der Eigenanteil der Gemeinden liegt für die Biosphäre bei 20 Prozent. Allerdings macht der Bund, der die Leitung des Modellprojektes an einen Träger in Jülich vergeben hat, auch zeitliche Vorgaben. Eigentlich wollte man den Masterplan bereits im Juni vorliegen haben und verlängerte eher missmutig den Abgabetermin bis Ende September. Jetzt ist es gelungen. Einstimmig hat die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Bliesgau vor einigen Tagen im Rathaus der Gemeinde Mandelbachtal in Ormesheim den "Masterplan 100 Prozent Klimaschutz " verabschiedet. Einen entsprechenden Bericht hatte das Saarbrücker Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES), das in der Region bei vielen Energie- und Klimaschutzprojekten im Geschäft ist, bereits Anfang Juli nach mehrmonatigen intensiven Diskussionen in einem eigens gegründeten regionalen Klimaschutzrat den kommunalen Gremien vorgelegt. Das Projekt ist Teil der nationalen Klimaschutzinitiative und wird mit Mitteln des Bundesumweltministeriums sowie des saarländischen Innenministeriums unterstützt. Die Laufzeit erstreckt sich bis Ende 2016 und sieht ab Herbst die Umsetzung erster Maßnahmen des Masterplans vor. Neben einer umfangreichen und erstmaligen Analyse der Energieverbräuche in der Biosphärenregion in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität benennt der Masterplan die sehr ehrgeizigen Einsparziele in den einzelnen Sektoren. Um bis 2050 den Energieverbrauch zu halbieren und gleichzeitig die Treinhausgas-Emissionen um 95 Prozent zu reduzieren, müssen der Stromverbrauch um etwa 60 Prozent, der Wärmeverbrauch um 70 Prozent und der Bedarf für Mobilitätsverbräuche um zehn Prozent sinken. Der Strombedarf soll bis 2050 komplett, der Wärmebedarf größtenteils aus erneuerbaren Energieträgern stammen. Die Mobilität soll weitestgehend über Elektromobilität auf Grundlage erneuerbarer Energien erfolgen. Schwerpunkte möchte die Biosphäre in den kommenden Jahren in die energetische Sanierung der privaten und öffentlichen Gebäude, in den flächendeckenden Ausbau von Ladesäulen für Elektroautos, in den Bau von Solaranlagen und in den moderaten Ausbau der Windenergie legen. Der Blieskasteler Stadtteil Breitfurt soll zum Beispiel zum Bioenergie-Dorf mit einer zentralen Wärmeversorgung über Solarthermie und Hackschnitzel entwickelt werden.

Allein mit Zuschüssen für das Masterplan-Projekt werden diese Ziele nicht zu erreichen sein. Das macht auch der derzeitige Vorsteher des Biosphären-Zweckverbandes, der Gersheimer Bürgermeister Alexander Rubeck klar: "Wenn wir die weitreichenden Klimaschutzziele in unserer Region erreichen wollen, die sich letztlich aber an den Vorgaben des Bundes orientieren, dann benötigen wir auch finanzielle Hilfe des Bundes etwa für ein Gebäudesanierungsprogramm sowohl für Wohnhäuser als auch für die öffentlichen Gebäude."

Mehr Infos bei Klimaschutzmanager Hans-Henning Krämer, Tel. (0 68 94) 1 37 38, E-Mail: h.kraemer@biosphaere-bliesgau.eu.

Die zum Teil erheblichen Unterschiede in den Gemeinden der Biosphäre beim Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamt-Energieverbrauch oder etwa dem Stromverbrauch sind natürlich durch unterschiedliche Grundvoraussetzungen bedingt. Mehrere Großunternehmen in St. Ingbert lassen zum Beispiel den Stromverbrauch in der Mittelstadt enorm anwachsen. So verbraucht ein großer Automobilzulieferer in St. Ingbert mehr Strom als eine der beiden Bliestal-Gemeinden Gersheim oder Mandelbachtal mit wenig stromintensiver Industrie oder Gewerbe insgesamt.