In Mandelbachtal sagt Bürgermeister Tussing Adieu

Der Bürgermeister sagt Adieu : Den Terminstress wird er nicht vermissen

Noch-Bürgermeister Gerd Tussing kehrt in wenigen Tagen der Gemeinde Mandelbachtal den Rücken. Ein Rück- und Ausblick.

Gerd Tussing wirkt entspannt und locker wie schon lange nicht mehr. Wir treffen den scheidenden Bürgermeister an seinem Lieblingsplatz, der Josefskapelle in Erfweiler-Ehlingen. Das Ergebnis der Stichwahl vom Pfingstsonntag sei schon ein Schock für ihn gewesen, berichtet Tussing. Mittlerweile habe er sich jedoch damit abgefunden, ab  Oktober kein Bürgermeister mehr zu sein, gesteht das Noch-Gemeindeoberhaupt. Vor allem die Anspannung der letzten Monate sei nun abgefallen. Er habe schon am ersten Wahlabend gespürt, dass da „nichts mehr zu gewinnen“ sei, blickt der ehemalige Polizeihauptkommissar zurück.

Die Probleme mit der Wasserversorgung und den Finanzen hätten womöglich dazu beigetragen, dass die Wähler mehrheitlich für Maria Vermeulen (SPD) votierten. Der ein oder andere Bürger habe ihm womöglich auch die Quittung für eine private Angelegenheit verpasst, meint der CDU-Politiker. Er hätte den sieben Jahren gerne noch zehn weitere folgen lassen wollen, so der 53-Jährige. „Das ist ein Knochenjob. Das glaubt man zu Beginn nicht. Man hat vorher keine Vorstellung von dem Job“, blickt er auf den Start 2012 zurück. Man sei schnell in einem Hamsterrad eines Zwölf-Stunden-Tages einer Sieben-Tage-Woche. Die Schuldenbremse mit massiven Einsparungen und Steuerhöhungen habe ihm viele schlaflose Nächte bereitet, sagt er sichtlich betroffen, sehr ernst und nachdenklich.

Es habe immer große Herausforderungen in seiner Amtszeit gegeben: Sei es die temporäre Schließung des Saals Niederländer in Ormesheim oder die Diskussionen um die Flächennutzungsplanung Windkraft in Bliesmengen-Bolchen. Zehn Prozent Personal habe man bei der Gemeindeverwaltung eingespart, so der Noch-Rathauschef. „Da fallen oft harte Worte. Da muss man dann durch“, sinniert Gerd Tussing. Auch müssten Entscheidungen oft schnell getroffen werden. Zum Überlegen bleibe da manchmal nicht viel Zeit. Auch, wenn man die Angelegenheit gegebenenfalls im Nachhinein anders sieht. Und dann kämen die Besserwisser mit ihren Vorwürfen.

Er selbst habe auch Fehler gemacht. Vielleicht sei er manchmal zu unkritisch und zu wenig politisch gewesen. Die Kapelle hier sei sein Zufluchtsort. Der Glaube helfe ihm. Das Radfahren unterstütze ihn beim Nachdenken. Manchmal frage er sich auch, was seine Eltern an dieser oder jener Stelle gemacht hätten. Mit Krafttraining hält der Mann sich fit. Zurzeit absolviert er – trotz Urlaub  Termine, sieht sich auf Abschiedstour und will einigen Menschen „Danke“ sagen. Probleme mit dem Loslassen habe er keine. Auch wenn er mit seiner Nachfolgerin manche Termine gemeinsam wahrnimmt.

Was seine Zukunft anbelangt, so sei er nach allen Seiten hin für Angebote offen. Er würde gern, nach einer Auszeit bis zum Jahresende, wieder arbeiten. Etwas im sportlichen Sektor oder eine Tätigkeit im Sicherheitsbereich könne er sich gut vorstellen. Doch zuerst fährt er mal in Radurlaub.

Was er seiner Nachfolgerin rät? „Sie soll sich vor dem extremen Terminstress hüten“, sagt der 53-Jährige ganz freundschaftlich. Gerd Tussing hofft - ganz bodenständig - darauf, dass die Dörfer eine Zukunft haben und dass die momentane Einigkeit im Gemeinderat auf Dauer Bestand hat. „Ich will die Zeit nicht  missen. Es war mir eine Ehre“, sagt der künftige Bürgermeister a. D. am Ende schon etwas sentimental und beinahe wehmütig. Sein ausdrücklicher Dank gilt allen, die ihm in seiner Amtszeit unterstützt haben.

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