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Heimatfreunde Bebelsheim präsentierten ihre neue Broschüre

Heimatfreunde Bebelsheim : Eine neue Broschüre der Heimatfreunde

Das Werk befasst sich mit „Sitten und Gebäuchen“ im Bliestal. Es ist bereits der neunte Band des rührigen Vereins zur Bebelsheimer Geschichte.

Erntedank, ein Brauchtum, das in früheren Zeiten vor allem in ländlichen Gegenden einen Höhepunkt der Brauchtumsfeste darstellte, wurde in diesem Jahr in Bebelsheim wiederbelebt. Der Verein der Heimatfreunde hatte die Dorfgemeinschaft gebeten, einen Erntedanktisch mitzugestalten. Aus rund 20 Haushalten wurden reichlich Ernte-Erträge zur Verfügung gestellt. Passend zu dem Anlass stellte der Verein auch die neue Schrift vor, deren Inhalt den Sitten und Gebräuchen gewidmet ist. Die 2. Vereinsvorsitzende Patrica Uth begrüßte im Archivraum rund 70 Gäste, darunter Landrat Theophil Gallo, Bürgermeisterin Maria Vermeulen, Ortsvorsteher Bertram Nagel und Pfarrer Joachim Voss. Letzterer segnete in einer kleinen Feierstunde den Erntedanktisch, musikalisch begleitet von Egon Kiefer und Hans Thiel. In den aufgestellten Spendenboxen wurde gesammelt für die Hochwasseropfer im Ahrtal mit dem anschaulichen Ergebnis in Höhe von 400 Euro, das nun an entsprechende Stelle in Marienthal weitergeleitet wird.

Anschließend stellte Patricia Uth die bislang erschienenen Veröffentlichungen der Heimatfreunde im Rahmen der „Bebelsheimer Geschichte“ vor. Über Inhalt des neuen Bandes informierte der Autor Arno Soffel. Er machte darauf aufmerksam, dass die Vielzahl der vorliegenden Überlieferungen aus der Pfarr- und Schulchronik, aber auch aus vielen festgehaltenen Notizen und Erzählungen der Dorfältesten, die man diesbezüglich schon vor 30 Jahren interviewt hatte, stammten. „Schon zu Beginn unserer Vereinsarbeit vor 30 Jahren erhielten wir jede Menge Unterlagen, unter anderem auch von Willi Herter, zur Bebelsheimer Geschichte und zum Bebelsheimer Brauchtum. Nachdem uns die Pfarrchronik zur Verfügung gestellt wurde und wir auch Zugriff auf die frühere Schulchronik von Lehrer Zettler hatten, war es klar, dass wir ein umfangreiches Thema dem Brauchtum widmen können“, so Soffel seine Ausführungen. Der Autor betonte, dass man beim Studieren der Broschüre auf so manchem Artikel stößt, der mit Sicherheit bei der Leserschaft Erstaunen hervorrufen wird: „Wie Katharina Simon in einem Interview aus dem Jahr 1992 berichtete, durfte das Mädchen früher nicht heiraten, wenn sie es nicht schaffte, an einem Tag einen großen Kübel Wäsche zu waschen, einen Backofen voll Brot zu backen und ein Manns-Hemd zu nähen“, gab Soffel eine Leseprobe zum Besten. Auch über das Entstehen des verschiedenen Brauchtums informierte der Autor ausführlich und sagte abschließend: „So können wir heute nicht direkt bestimmen, was morgen Brauchtum ist. Entscheidend ist vor allem die regelmäßige Wiederholung einer gemeinschaftlichen Handlung, die somit zu einem Ritual werden kann.“

Die 72-seitige Veröffentlichung beschreibt im ersten Teil „Sitten und Gebräuchen aus dem Familienleben“ und „Brauchtum zu öffentlichen Anlässen“ (wie Taufe, Geburt, Kindheit), aber auch berufliche Tätigkeiten wie das Hutflechten, Weben und Handarbeiten, Maien und Freien-Brauchtum werden beschrieben; Hochzeitsbräuche, auch Krankheiten und die Sterbe-Bräuche finden Erwähnung. In Bebelsheim bekannte Bauernregeln sind ebenfalls notiert.

Den zweiten Teil widmet der Autor dem Brauchtum im Jahreslauf: Neujahr, Dreikönig, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Firmung, Johannistag, Margarethenfest und andere. Man sieht an der Zusammenstellung, dass viele Bräuche mit kirchlichen Festen eng verbunden waren, sind und bleiben. Aber auch Bräuche wie das „Schlemmbe“, der Ausrufer mit der Dorfschelle, die Bannbegehung und Grenzsteinwanderung, das „Laabrecht“, die Sonnwendfeier und die Hausschlachtungen werden unter die Lupe genommen. Das neu entfachte Brauchtum aus den 2000er Jahren wird ebenfalls beschrieben mit den abgehaltenen Brunnen- und Brauereifesten.

Die Heimatfreunde würden es laut Soffel sehr begrüßen, wenn nicht nur altes Brauchtum gelebt oder wiederbelebt, sondern neue Gepflogenheiten geschaffen würden. Also neue und zeitgemäße Etikette geschaffen würde, die im Laufe der Jahre zum „Brauchtum“ des 21. Jahrhunderts werden könnte.

Landrat Theophil Gallo lobte das Engagement der Heimatfreunde und betonte, dass der Saarpfalz-Kreis sehr gerne die Vorbereitungsarbeiten und Druckkosten finanziell unterstützt habe. Zu den Gratulanten gesellten sich auch Bürgermeisterin Maria Vermeulen, Pfarrer Joachim Voss, der Bebelsheimer Ortsvorsteher Bertram Nagel und der 1. Vorsitzende des Mandelbachtaler Verkehrsvereins Manfred Pfeiffer.

 Ein Foto aus der neuen Broschüre der Heimatfreunde: „Ratzebuwe“ in Bebelsheim in den 1960er Jahren.
Ein Foto aus der neuen Broschüre der Heimatfreunde: „Ratzebuwe“ in Bebelsheim in den 1960er Jahren. Foto: Helmut Bartscherer

Die Broschüre kostet 6,50 Euro und ist während der Öffnungszeiten des Archivraumes der Heimatfreunde (montags 19 bis 22 Uhr, Kaiserstraße 86, Bebelsheim) erhältlich. Gegen Versandkostenaufschlag kann die Schrift auch verschickt werden: Bestellung unter: HeimatfreundeBebelsheim@outlook.de oder Telefon (0 68 04) 99 40 80 (Nachricht auf Anrufbeantworter mit Namen, Adresse und Telefon-Nummer).