Grenzsteinwanderung der Heimatfreunde Bebelsheim war ein voller Erfolg

Heimatfreunde : Alte Zeichen für friedliches Nebeneinander

Die erste Grenzsteinwanderung der Heimatfreunde Bebelsheim nach zehn Jahren war ein voller Erfolg.

Nach zehnjähriger Pause organisierten die Bebelsheimer Heimatfreunde erneut eine Grenzsteinwanderung. Während der Wanderung erzählten die Wanderführer Wissenswertes über Grenzsteine, aber auch über den Brauch der Bannbegehung, der bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts im jährlichen Veranstaltungskalender der oberen Schulklassen festgeschrieben war. Der Vereinsvorsitzende Herbert Hartz begrüßte die rund 30 Mitwanderer, bevor die Wanderung mit lauten Glockenschellen startete. Bis zum Wittersheimer Kulturlandschaftszentrum Haus Lochfeld nutzte man die ausgebaute Wegstrecke, die fast parallel zur nahe gelegenen eigentlichen Banngrenze führt, bevor man auf die ersten Grenzsteine stieß. Die Wanderführer wiesen darauf hin, dass in der Antike zunächst aller Besitz Gemeineigentum war. Erst als die Jäger und Sammler sesshaft wurden, entstanden bäuerliche Kulturen und damit das Bestreben nach persönlichem Besitz. Dann mussten Lösungen her für ein friedliches Nebeneinander und man setzte Grenzzeichen. Die Babylonier, Griechen und nicht zuletzt die Römer setzten Grenzsteine, um Ländereien voneinander abzugrenzen.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg bis weit ins 19. Jahrhundert war es ein dörflicher Brauch, jährlich eine sogenannte Bannbegehung durchzuführen, die jedes Mal eine erneute Besitzergreifung des umgangenen Landes darstellte. Dies dürfte wie folgt abgelaufen sein: Auf den Ruf der Glocke versammelten sich die Dorfbewohner, und unter Trommel- und Pfeifenklang wurden die Bannwege abgeschritten; an die Grenzsteine steckte man einen frischen Buchenast. Die Wanderführer betonten, dass man aufpassen solle, damit es nicht wie vor 200 Jahren geschehe: Demnach soll es beim Aufeinandertreffen der Banngänger zweier benachbarter Dorfgemeinschaften häufig zu Wort- und Faustgefechten gekommen sein. Heutzutage stellt die Bannbegehung eine friedliche Familienwanderung dar, bei der auch diejenigen, die noch kein „Laabrecht“` haben, mitgehen dürfen. Bei den Banngängen in früherer Zeit wurde nämlich oft den nicht gebürtigen Einwohnern, die nun 20 oder 25 Jahre lang hier sesshaft waren das Recht verliehen, Laub im Wald (als Ersatz für das kostbarere Stroh als Streu fürs Vieh) zu sammeln.

Interessant waren auch die Ausführungen an den historischen Steinen, die in der Umgebung meist aus dem 18. Jahrhundert stammen, dass bis zur Einführung des Grundbuches die Grenzgerichte über die Grenzzeichen wachten. Sogenannten „Lohen“ (Grenzsteinbeigaben, die in die Grube des Steines versenkt wurden) waren nur den Feldgeschworenen bekannt. Letztere mussten zuvor einen feierlichen Schweige-Eid ablegen. Der Aufbau eines Grenzsteines wurde genauestens beschrieben, ebenso der Grenzverlauf. Durch den technischen Fortschritt seien Grenzsteine nach und nach bedeutungsloser geworden. Es sei dennoch sehr schade, dass so mancher Grenzstein nicht mehr auffindbar ist oder sogar entwendet wurde. Solch Frevel wurde vor Jahrhunderten hart bestraft. Unter anderem wurde der Beschuldigte bis zum Kopf eingegraben, der ihm darauf abgepflügt wurde. Daran sei ersichtlich, welchen wichtigen Stellenwert in früheren Kulturen die Grenze besaß.

In Bebelsheim sind mittlerweile von den Heimatfreunden 57 Grenzsteine registriert, allerdings dürften es bei einem Grenzumfang von etwa 15 Kilometern und der nachgewiesenen Aufstellung der Steine in Sichtweite beziehungsweise bei jedem Abknicken der Grenze einst weitaus mehr gewesen sein. Die Grenzstein-Wanderer diskutierten beim anschließenden Grillfest noch angeregt über das frühere Ritual der „Bannbegehung“. Im nächsten Jahr will der Veranstalter eine weitere Strecke entlang der Bebelsheimer Banngrenze vorbereiten.

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