Frauenchor sorgt für Gänsehaut

„Classic meets Pop“, so war der Konzertabend des Chors Coloured Voices mit einem sinfonischen Orchester überschrieben. Von John Rutter bis Coldplay spannten sie den Bogen der dargebotenen Lieder. Zeitweise konzertierten 50 Musiker.

Wenn man ein Konzert des Chores Coloured Voices besuchen möchte, ist ein Faktor von enormer Bedeutung: Man muss früh da sein, wenn man einen Sitzplatz kriegen will. So war es auch am letzten Sonntag in der Pfarrkirche St. Paulus: Trotz zusätzlicher Stühle war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt. Etliche Besucher mussten gar stehen. Wer diese Hürde genommen hatte, wurde mit Seltenem belohnt. Im 21. Jahr seines Bestehens schlug der Frauenchor (Leitung: Frank Huppert) einen breiten Bogen. "Classic meets Pop" war der Abend umschrieben. Dabei setzten die farbvollen Stimmen zum dritten Mal auf den gemeinsamen Auftritt mit einem sinfonischen Orchester. Das sei "eine enorme Erweiterung der Klangfarbe", meinte Moderatorin Kathrin Mischo treffend.

Die etwa 40 Musiker waren nicht die einzige Ergänzung. Auch etwa zehn Männer verstärkten den Chor phasenweise. Die Frauen überließen dem Orchester die Eröffnung und marschierten dann zu "For the beauty of the earth" von der Pforte zum Altar. Wieder einmal ein John Rutter-Titel. Der Komponist ist von Anfang an ein treuer Weggefährte des Chors. Einen großen Applaus erhielt Maksym Malkov für sein Oboe-Solo. Er und das Orchester hatten sich "Gabriel's Oboe" aus dem Film "The Mission" ausgewählt. "Hymn" von Barclay James Harvest ist nicht zwangsläufig ein Titel, den man bei einem solchen Konzert erwartet. Auch die weiblichen Stimmen sind - vor allem in der Kombination mit den dominierenden Streichern - für das Lied ungewohnt, aber durchaus passend. Der Chor erreichte bereits 30 Minuten nach Konzertbeginn mit diesem Titel den Gänsehautfaktor.

Lang anhaltender Applaus

Gerade bei diesem Lied schienen die Frauen angesichts der strahlenden Gesichter viel Spaß gehabt zu haben. Das Publikum dankte mit einem langen Applaus. Bei "Fire in your heart" spiegelten sich in der Dämmerung nicht nur die bunten Kirchenfenster am Altar, sondern vor allem die bunte Stimmenvielfalt. "Nessun dorma" ist, spätestens seit Pavarotti das Lied zu neuem Leben erweckte, kein Geheimtipp mehr. Doch es passte in diesen nicht alltäglichen Abend. Als "Skyfall" zu Ende war, gab es für die Titelmusik zum James-Bond-Film die ersten Begeisterungsrufe. Zu "Conquest of Paradise" kamen dann auch die Herren des Verstärkerchors auf die Bühne, ehe Stefan Lang (Orgel) bei "Jerusalem" sein Solo hatte. Sibylle Florsch (Sopran) überzeugte bei "Londonderry Air" ebenso wie bei "Ev'ry time I feel the Spirit". Bei letzterem hatte auch Klarinettistin Antonia Uerschels ihren eigenen Auftritt. Mit den "Coldplay Classics", darunter auch "Viva la Vida", überraschten die Sänger abermals, ehe das Publikum mit stehenden Ovationen Zugaben forderte.