Seniorin spendiert eine massive Bank für den Friedhof in Ormesheim Ruhebank für Friedhof Ormesheim gestiftet Ein schönes Beispiel gelebten Bürgersinns

Ormesheim · Eine Frau handelt – nach schwerem Schicksalsschlag – beispielhaft in der Gemeinde Mandelbachtal.

 Ursula Hecht (Mitte) stiftete der Gemeinde eine Ruhebank für den Ormesheimer Friedhof. Bürgermeisterin Maria Vermeulen (links) bedankte sich bei der Seniorin. Christina Gräßer hatte die Aufstellung der Bank gemeinsam mit dem Gemeindebauhof koordiniert.

Ursula Hecht (Mitte) stiftete der Gemeinde eine Ruhebank für den Ormesheimer Friedhof. Bürgermeisterin Maria Vermeulen (links) bedankte sich bei der Seniorin. Christina Gräßer hatte die Aufstellung der Bank gemeinsam mit dem Gemeindebauhof koordiniert.

Foto: Peter Gaschott/Gemeinde Mandelbachtal/Peter Gaschott

Eine beeindruckende Frau – Ursula Hecht hat eine Menge zu erzählen. Aus der Gegend von Bingen ist sie mit ihrem Mann nach Ormesheim gezogen, die beiden haben dort ein Haus gebaut, und sie sind angekommen. „Ich fühle mich hier zu Hause“, erzählt sie. Und hat doch vieles erleiden müssen in den vergangenen Monaten. Doch der Reihe nach.

Ihr Ehemann Dieter erkrankte an Corona. Es war im Januar. „Er muss sich wohl irgendwo in einem Wartezimmer angesteckt haben. Die Krankheit verlief dramatisch.“ Intensivstation, absolute Isolierung. Dieter Hecht verstarb in der Folge der Corona-Infektion. Auch Ursula Hecht hatte sich angesteckt, doch sie kam wieder auf die Beine. Aber die Trauer sitzt sehr, sehr tief. „Wir waren wir, fast ein Leben lang. Jetzt muss ich lernen, nicht wir, sondern ich zu sein.“ Ursula Hecht und ihre Kinder konnten sich nicht mal vom Familienvater verabschieden. Immer hielten sie zusammen, doch die Corona-Isolation trennte sie zu einer Zeit, in der man als Familie einander am notwendigsten braucht.

Heute besucht Ursula Hecht ihren Mann fast täglich auf dem Ormesheimer Friedhof. Sie ist schlecht zu Fuß, aber der Friedhofsbesuch hat einen festen Platz in ihrem Leben erlangt. Es fiel Ursula Hecht schwer, so lange, wie sie täglich gerne beim Grab ihres Mannes bleiben will, zu stehen. Eine Sitzmöglichkeit war in diesem Bereich des Friedhofs nicht vorhanden. Statt sich darüber zu beschweren, fragte sie bei Bürgermeisterin Maria Vermeulen nach, ob sie denn der Gemeinde eine Ruhebank auf dem Friedhof für jedermann stiften dürfe.

Die Bürgermeisterin war zunächst erstaunt über so viel bürgerschaftliches Engagement – und gleichzeitig begeistert, dass hier jemand auf so selbstverständliche Art statt sich zu beklagen einfach ein Problem lösen will. Christina Gräßer – sie ist bei der Gemeinde zuständig für die Friedhöfe – koordinierte das Aufstellen der großen, soliden Ruhebank, die Ursula Hecht gekauft hatte. Der Gemeindebauhof schließlich fand einen schönen Platz, direkt gegenüber der Grabstätte von Dieter Hecht.

„Für mich ist der Friedhof zu einer Begegnungsstätte geworden. Ich treffe täglich hier Menschen, mit denen ich ins Gespräch komme. Wir sitzen oft gemeinsam auf der neuen Bank, wie eine Gemeinschaft. Und ich kann meinem Mann hier nahe sein.“ Ursula Hecht empfindet es als große Geste der Gemeinde, dass sie hier eine Bank aufstellen lassen durfte. Und die Bürgermeisterin bedankte sich bei der Seniorin, dass sie den Ormesheimer Friedhof mit gelebtem Bürgersinn ein Stückchen schöner gemacht hat.

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