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Ommersheim: Ein Wachrütteln mit klarer Kante

Ommersheim : Ein Wachrütteln mit klarer Kante

Auf dem CDU-Kreisparteitag richtete der frühere Landtagsabgeordnete Günter Becker scharfe Worte an seine Partei.

„Von seiner Sorte braucht die Partei dringend mehr Leute. Es ist traurig, dass er nichts mehr macht“, sagte ein Parteimitglied am Samstagnachmittag beim CDU-Kreisparteitag in der Saarpfalz-Halle im Gespräch mit unserer Zeitung (wir berichteten). Der Rentner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, meinte damit den bisherigen Kreispartei-Vize und früheren Landtagsabgeordneten Günter Becker. Der hatte auf seine bekannt deutliche und markante Art und Weise Kritik am Erscheinungsbild der Bundes-CDU geübt.

„Der Kontrast zu anderen Parteien verschwindet. Wenn das passiert, können wir einpacken!“, rief Becker den Delegierten zu. Die Union müsse wieder an Profil gewinnen, so der frühere Rechts- und Innenpolitiker. Dazu zähle auch ein Nein beim Familiennachzug für Flüchtlinge. Diese wären, wenn sie etwa über sichere Drittländer einreisten, als Ausländer anzusehen und müssten auch als solche behandelt werden, so der Niederwürzbacher weiter. Die in Sulzbach geplante Salafisten-Moschee lehnt Becker alleine deshalb ab, weil man sich weigere, Frauen die Hand zu geben. An dieser Stelle war ein Bravo-Ruf zu hören.

Auch müssten sich die Christdemokraten überlegen, wieso die AfD überhaupt gewählt wird. „Wir müssen uns Gedanken machen, was wir verkehrt machen“, rief Becker seinen Parteifreunden zu. Nach seiner Rede war es auffällig ruhig im Saal. Man hatte den Eindruck, als wäre man froh, dass einerseits jemand den Mut hatte, etwas Heikles offen anzusprechen. Eine Diskussion kam indes nicht auf. Dafür erhielt Becker starken Beifall und wegen seines Abschiedes nach 20 Jahren in verschiedener Funktion an der Parteispitze Standing Ovations. In die gleiche kritische Kerbe schlug Bert Zilles. Das CDU-Mitglied aus dem gastgebenden Ortsverband Ommersheim vermisste eine Aufarbeitung des Ergebnisses der Bundestagswahl. Dies sei bis heute nicht erfolgt. „Der Wähler fühlt sich nicht ernst genommen“, bilanzierte Zilles. Man sei bei der Homo-Ehe auffällig schnell gewesen und schiebe dringendere Fragen vor sich her.

Er registriere eine „notorische Einsichtsresistenz“ bei der Bundes-Parteispitze. Seine Lösungsvorschläge: Ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild, die befristete Wiedereinführung von Grenzkontrollen sowie „eine tabulose Analyse“ der beiden letzten Wahlen. Hier war der Applaus zurückhaltender, wurde aber auch mit einem Bravo-Ruf goutiert. Auch der Ommersheimer Ortsvorsteher Stephan Piorko (CDU) hielt sich mit Kritik nicht zurück. Es graue ihm bereits davor, wenn er in der letzten Zeit die Frage nach seiner Parteizugehörigkeit mit CDU beantworten müsse. „Man kriegt Wut, wenn man sieht, dass nichts passiert“, tat er seinen Unmut über die Haushaltsnotlagen der Kommunen kund.

Schon jetzt müsse er etwa um Glühbirnen für die Mehrzweckhalle betteln. Es sei kein Wunder, wenn die Wähler den Christdemokraten davon laufen würden. „Es ist Zeit für Taten. Die Basis trägt die CDU, nicht die CDU die Basis“, rief er in Erinnerung und hielt dafür großen Applaus.