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Ein neues Zuhause für historische Dreschmaschinen in Wittersheim

Und wieder ein Fortschritt in Wittersheim : Ein neues Zuhause für historische Dreschmaschinen

Mit beträchtlicher Eigenleistung und einem finanziellen Zuschuss gelang in Wittersheim ein weiteres dörfliches Projekt.

Stillstand heißt Rückschritt in Wittersheim, mit knapp 600 Einwohnern Mandelbachtals zweitkleinstem Ortsteil. Nach dem gelungenen Freundschaftsplatz, dem Abriss einer früheren Bäckerei, dem Umbau der ehemaligen Schule, der Sanierung der Küche in der Festhalle, dem Beginn der Konzeption eines kultur- und erdgeschichtlichen Kalklehrpfades in und um Wittersheim – erster Themenweg im Biosphärenreservat Bliesgau – „werkelte“ nun der Dorfverein mit seinem Vorsitzenden Christian Schneider nahe der Festhalle Wittersheim.

Entstanden ist mit einem beträchtlichen Eigenleistungsanteil, aber auch mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe Biosphärenreservat Bliesgau (LAG), die zu den Kosten 80 Prozent zuschoss, ein Unterstand für historische Dreschmaschinen.

Gebaut wurde er auf dem jetzigen Multifunktionsplatz des Otto-Regel-Hauses, benannt nach dem früheren Bürgermeister von Wittersheim in den 1960er Jahren. Zu sehen sind zwei aus dem Jahr 1935 stammende Getreide-Dreschmaschinen. Ziel sei es, so führte Ortsvorsteher Wendelin Lonsdorf beim Pressetermin aus, die ausgestellten Dreschmaschinen wieder völlig funktionsfähig zu restaurieren und danach auch „in Betrieb“ zu nehmen. Dazu werden beispielsweise viele Holzteile, Bleche, Achsen, Siebe oder Antriebsscheiben erneuert. Um sie jederzeit der Öffentlichkeit zu präsentieren, wurde ein Unterstand als „Garage“ hergestellt.

Der Blick in die Dorfgeschichte verdeutliche, dass Heinrich Malick, der nahe der Kirche wohnte, die erste elektrische Dreschmaschine besaß. Dementsprechend herrschte während der Erntezeit Hochbetrieb. Da jede Familie zum Eigenbedarf Getreide anbaute, wurde es dort gedroschen. Danach folgten als Besitzer von Dreschmaschinen die Brüder Josef und Jakob Lilpob, die neben der Landwirtschaft auch einen „Spezereienhandel“ betrieben. Besonders waren die Maschinen von Andreas Feibel und Jakob Langenbahn. Sie wurden von Kühen gezogen, denen die Augen verbunden waren. Paul Fries nutzte Pferdekraft, um das Göpelwerk, dem Antrieb für Maschinen, Mühlen, Lastenaufzüge und andere technische Einrichtungen, zu nutzen. Unentgeltlich und ehrenamtlich steuerte der Saarbrücker Diplom-Ingenieur Harald Schmeer die statische Berechnung, die Incopa-Plan (Saarbrücken) den Bauplan bei.

Nachdem die Genehmigung der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises vorlag, hob die Bauunternehmung Markus Schneider den Boden aus und stellte das Fundament her. Jörg Freude aus Bliesmengen-Bolchen fertigte die gesamte Holzkonstruktion mit Dacheindeckung. Auch diese Arbeiten sind unter der Rubrik „Eigenleistung“ einzustufen. Jetzt hoffen alle, so Lonsdorf, dass bald wieder auf dem Platz gefeiert werden kann. Bisher fanden unter anderem als Großveranstaltungen wie das „Dinner for Wittersheim“ oder auch die „Nacht des Musicals“ statt, die, neben den vielen kleineren Festivitäten, die gute Frequentierung von Halle und Platz unterstreichen. Auch der dazu gehörende Spielplatz ist ein beliebter Anziehungspunkt für Familien mit ihrem Nachwuchs.

Die dauerhafte Ausstellung der beiden historischen Landmaschinen, ergänzt von zwei durch Dorfhistoriker Heribert Ochs kreierten und von Siffrin Net (Ommersheim) hergestellten Infotafeln, überlässt den nachkommenden Generationen nachhaltig ein Stück Landwirtschaftsgeschichte des Mandelbach-Dorfes. Vorfreude herrscht darüber, dass im Juli am Umzug „100 Jahre Webenheimer Bauernfest“ teilgenommen werden kann – sofern er stattfindet. Der Platz mit Unterstand und Multifunktion wird später Start und Ziel des Kalklehrpfades sein. Auch wurden, so Lonsdorf, vergangenes Jahr sowohl das Haus des Obst- und Gartenbauverein als auch die Brennerei saniert. Demnächst soll auch ein neuer Dorfplatz an der Saargemünder Straße entstehen.