Theater in Omresheim: Disco-Fieber schüttelte Premieren-Publikum durch

Theater in Omresheim : Disco-Fieber schüttelte Premieren-Publikum durch

Kultur- und Theaterverein Ormesheim startete im Saal Niederländer mit „Für immer Disco“ einen Angriff auf die Lachmuskeln.

Ein Theaterstück aufführen können viele. Aber einen Gag nach dem andern abschießen, dass man ständig Tränen in den Augen hat und die Pointen rotzfrech ausreizen bis zum Gehtnichtmehr, das muss man erst einmal hinbekommen. So geschehen am vergangenen Wochenende, als der Kultur- und Theaterverein Ormesheim (KTV) im Saal Niederländer „Für immer Disco“, eine Komödie in drei Akten von Andras Wening, unter der Regie von Silvia Bohr aufführte. Da startet doch die KTV-Allzweckwaffe Nicole Weinrank in der Rolle der Birgit Hirschfeld mit dem Haartrocker aufm Kopf, den Pausenraum der Schreinerei saugend, und singt schrill „I got to break freeheeee“. „Birgit Hirschfeld, das singende Desaster aus Ormesum“, frotzelt da die extrem pubertierende Tochter Lena Hirschfeld (Sarah Bauer), die bedauert, dass die Eltern noch bei ihr wohnen. Derweil hat Papa Franz Hirschfeld (Mike Braun) ganz andere Sorgen. Der bekommt von seiner Frau gar Zwischenapplaus für einen unfreiwilligen Gag. Und das ist nicht sein einziges Problem: Er muss seiner Frau beibringen, was es mit dem Vertrag auf sich hat, den Regina Rautenstengel (Bianca Wiesmeier) vorlegt. Er und Bodo Käseberg (Axel Schweizer) waren nämlich vor drei Jahrzehnten die Glitterboys. Sogar die Bravo berichtete damals über die beiden. Zuerst ziert sich Franz wegen des geplanten Revivals und mit Bodo muss er sich erst wieder versöhnen. Doch das Geld lockt. So sehr, dass es die beiden blind macht. Franz lässt sich gar von Dr. Richard Wurm (Marco Santomero) mit Verjüngungsspitzen helfen, während Bodo sich seine Backen aufspritzen lässt. Doch auch sonst hält etwa die quirlige und mannstolle Fan-Club-Vorsitzende Mira Bell (Silvia Bohr) alle auf Trab. Da fliegen sogar zur Erheiterung Franz Slips ins Publikum. Da wird schnell noch von Fotograf Jens Schneckenreiter (Alexander Niederländer) ein Bild gemacht oder ein paar erzwungene Tanzstunden bei Hossa Rodriguez (Benjamin Engelbert) genommen. Der Mann ist hyper-genial. Pumps tragend, schwebt er völlig grazil über die Bühne und hat einen tuntig-südamerikanischen Slang drauf, dass man auch in der letzten Reihe vor Lachen vom Stuhl kippen könnte. Doch da ist auch der windige TV-Mann Viktor Winzel (Thomas May), der Lena die Modell-Karriere vorgaukelt. Dumm nur, dass er im Schlepptau die vermeintliche Dumpfbacke Coco Cabana (Eileen Scholtes) hat. Die ist wesentlich cleverer, als man zunächst denkt, denn sie befreit Lena geschickt aus Winzels Fängen. Das Gör ist gleich wieder frech und meint, sie sei nicht faul, sondern einfach nur im Energiesparmodus. Sie mag eben das Brettspiel für eine Person (Bügeln) nicht so. Man hätte es sich bei Regina Rautenstengels Ausspruch „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihn dressieren muss“ auch denken können: Sie führt Übles im Schilde. Und das entdeckt jemand, mit dem man am wenigsten rechnete: Mira Bell. Sie ist nämlich kein Fan des 80er-Jahre Duos, sondern Kripobeamtin Vera Blum. Weitere Mitwirkende waren Jutta Bohn (Souffleuse) und Martina Molter (Maske).

Die nächsten Aufführungstermine: Termine Samstag, 28. (20 Uhr) und Sonntag, 29. Oktober (19 Uhr)

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