„Die Zeiten sind sehr schwierig“

Das alte Jahr ist Vergangenheit, 2016 ist gut zwei Wochen alt. SZ-Redakteur Joachim Schickert sprach mit Mandelbachtals Bürgermeister Gerd Tussing über seine Bilanz 2015 und die Aussichten für dieses Jahr.

Was war das wichtigste Ereignis für Sie im Jahr 2015?

Tussing: Für mich persönlich war das wichtigste Ereignis im Jahr 2015 mein 50. Geburtstag. Das ist ein echter Meilenstein im Leben, der in jungen Jahren ganz weit weg und plötzlich so schnell schon wieder Geschichte ist. Dienstlich war es die exorbitante Zunahme des Flüchtlingsstromes nach Deutschland und damit auch in unsere Gemeinde. Hier muss sich dringend was ändern. Eine kaum lösbare Aufgabe, die noch die nächsten Generationen beschäftigen und verändern wird.

Was lief 2015 in der Kommune gut, was bewerten Sie als nicht so gelungen?

Tussing: In Heckendalheim wurde im Dorfgemeinschaftshaus als Pilotprojekt eine Heizungsanlage mit Holzhackschnitzel installiert. Die ersten Erfahrungen mit diesem regenerativen Brenngut sind positiv und können bei den Planungen für weitere Heizungsanlagen genutzt werden. Hervorzuheben ist die Sicherung des Bestandes der Mandelbachtalschule in Ommersheim. Der Erhalt dieser weiterführenden Schule in Trägerschaft des Kreises ist eine Festigung der Infrastruktur für die Zukunft der Gemeinde. Durch ein vom Gemeinderat beschlossenes Zinsmanagement konnten in den letzten beiden Jahren zirka eine halbe Million Euro an Zinszahlungen eingespart werden. Die Teilnahme der Gemeindebezirke Wittersheim, Heckendalheim und Erfweiler-Ehlingen beim Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" verlief sehr erfolgreich. Erfweiler-Ehlingen wird das Saarland als Landessieger und damit "Gold-Dorf" bereits zum zweiten Mal im Bundeswettbewerb vertreten. Diese positive Werbung wirkt weit über unser Gemeindegebiet hinaus.

Leider nehmen die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen an unseren Straßen, Einrichtungen und Gebäuden immer mehr zu, jedoch können wir diese nicht in der gleichen Geschwindigkeit abarbeiten. Wir leben diesbezüglich sozusagen von der Substanz. Dadurch werden letztendlich die Sanierungen auch immer teurer. Ein echter Teufelskreis und damit eine sehr unbefriedigende Situation.

Gab es für Sie bittere Enttäuschungen im abgelaufenen Jahr?

Tussing: Für alle und damit insbesondere auch für die Bürgermeister sind die Zeiten sehr schwierig, da die finanzielle Situation jegliches Handeln auch in unserer Gemeinde bestimmt und ständig neue gewaltige Aufgaben, wie aktuell die Flüchtlingsproblematik, hinzukommen. Es wäre natürlich sehr viel schöner, Projekte der Daseinsfürsorge unserer Bevölkerung realisieren zu können. Die Frage der Enttäuschung ist letztendlich auch eine Frage der Erwartungshaltung.

Wagen wir einen Blick ins neue Jahr. Was sind wichtige Weichenstellungen im Jahr 2016? Was muss vorrangig angepackt werden?

Tussing: Als Leitinvestition beginnt der Neubau der Kindertagesstätte Ommersheim als Ersatzneubau für die Kitas Ommersheim und Erfweiler-Ehlingen im Frühjahr. Weiterhin werden die Sanierungsmaßnahmen bei den gemeindlichen Straßen fortgeführt. Die weitere Ausstattung der Friedhöfe mit Urnenwänden, sowie Erweiterung bereits bestehender Anlagen in den beiden großen Orten steht in den nächsten Jahren ebenso auf der Agenda wie die Planungen zur Einrichtung einer Waldruhestätte. In den nächsten beiden Jahren stehen Beschaffungen bei der Feuerwehr an. So sind Abgasabsauganlagen, Fortführung der Umstellung auf digitale Rufmelder sowie Digitalsirenen, Verbesserung der Ausstattung bei der Sicherheitsbekleidung und ein Löschfahrzeug als Investitionsvorhaben der Gemeinde vorgesehen. Die interkommunale Zusammenarbeit zwischen unseren Bliestalgemeinden wird derzeit begutachtet, und ich erwarte mir akzeptable und umsetzbare Vorschläge mit Synergieeffekten bei der Zusammenarbeit unserer Gemeinden.

Wenn Sie einen Wunsch für die Gemeinde Mandelbachtal frei hätten, was wäre das?

Tussing: Noch immer wünsche ich mir mehr Unterstützung durch das Land, vor allem aber den Bund, am besten einen Schuldenschnitt, um mit einem Neustart die Gemeinde weiter voranzubringen. Das wäre sozusagen ein Traumstart. Aber Zeit zum Träumen bleibt uns nicht.

Was wünschen Sie sich persönlich für 2016?

Tussing: Mit Zuversicht gehe ich das nächste halbe Jahrhundert an und wünsche uns allen Kraft und Gesundheit im neuen Jahr 2016.

mandelbachtal.de

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