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Die Biker organisieren sich in Bebelsheim

Auf der Suche nach Fahrradspaß ohne Ärger in Bebelsheim : Jetzt wollen sich die Biker organisieren

Auf der Suche nach Fahrradspaß ohne Ärger in Bebelsheim. Da gibt es nun eine neue Idee.

Alles hat so schön begonnen. Eine Handvoll Mountainbiker aus Bebelsheim war es leid, im Wald Sprungschanzen und abenteuerliche Strecken anzulegen und anschließend den Ärger mit Wanderern und dem Forst auszutragen. Alexander Emrich hatte die Idee, auf einem Grundstück, das seinen Eltern und weiteren Verwandten gehört, Hügel aufzuschütten, Sprungschanzen zu bauen und abenteuerliche Abfahrten anzulegen. Aus der Handvoll Helfer wurden mehr. Und als man die ersten Sprünge vollführen konnte, sprach sich die Bebelsheimer Bike-Attraktion herum wie ein Lauffeuer. „Aus Blieskastel, aus Gersheim, aus dem ganzen Bliesgau kamen die Biker hierher, Mütter kamen mit ihren Kindern, Väter brachten ihre Söhne nebst Fahrrad hierher.“ Alexander Emrich und die Initiatoren des kleinen Bikeparks an der B 423 waren begeistert. Was ihnen Sorge bereitete, war die Frage, wer haftet, wenn etwas passiert. Deshalb musste jeder Biker eine Anmeldung ausfüllen, die den Grundstückseigentümer von der Haftung freistellt. „Ich bin mit den Anmeldungen fast nicht mehr nachgekommen“, erzählt Emrich.

Frühling und Sommer bescherten dem 4000 Quadratmeter großen Bikepark überregionale Bekanntheit. Eine Attraktion, die von sich reden machte. Alexander Emrich und Bebelsheims Ortsvorsteher Bertram Nagel beobachteten, dass in dieser Zeit im Wald keine neuen illegalen Sprungschanzen und Abfahrten gebaut wurden. „Die Biker haben endlich einen Platz gehabt, wo sie ihre Fahrtechnik perfektionieren konnten, und sie waren froh, nicht mehr im Wald klammheimlich zu trainieren“, erzählt der Ortsvorsteher. Unterdessen lernten sich die Biker, die allenfalls vorher in sozialen Medien von den jeweils anderen gehört hatten, persönlich kennen. Eine Gemeinschaft entstand, ganz ohne Facebook und Instagram.

Alles war gut, bis die Bauaufsicht auf den Bikepark aufmerksam wurde. Sie musste tätig werden. Die Homburger Beamten hatten vollstes Verständnis für das Projekt der Bebelsheimer Biker, doch ein Mindestmaß an Bauordnung sollte schon sein. Der Park musste geschlossen werden, die Hindernisse und Schanzen verrammelt.

Wie geht es nun weiter? Gegenüber unserer Zeitung erklärten ganz aktuell Alexander Emrich und Bertram Nagel, dass der Bikepark auf rechtlich saubere Füße gestellt werden soll. „Wir brauchen eine Baugenehmigung, und um die zu beantragen brauchen wir einen Verein. Den müssen wir gründen, oder wir müssen uns einem bestehenden Verein anschließen“, erklärt der Ortsvorsteher. „Leute genug für einen Verein sind wir, wir müssen sogar allmählich bremsen“, so Alexander Emrich. Und Dominik Linz, der ebenfalls zum Gespräch mit unserer Zeitung gekommen ist, ergänzt, dass der runde Tisch, der momentan alle Akteure aus der Biker- und Waldnutzerszene um sich versammelt, vom Wunsch nach Kooperation getragen werde.

Linz fährt seit Jahrzehnten Rad, und er träumt von einem weiteren Projekt, das bislang bei allen Beteiligten auf offene Türen stieß: „Es gibt zwei Motivationen, Mountainbike zu fahren. Gewagte Sprünge, tolle Stunts – das ist das Thema für den Bike-Park. Dann gibt es die Mountainbiker, die lange Strecken in der Natur zurücklegen. Für die wäre es ein Leichtes, eine perfekte Rundstrecke in der Biosphäre auszuweisen.“ Gemeinsam mit dem zuständigen Förster ist Linz diese Strecke abgefahren. 54 Kilometer lang, 1260 Höhenmeter. Traumhafte Aussichten. Tolle Möglichkeiten, die Fahrt für eine kleine Rast zu unterbrechen. Der Förster ist begeistert, die Biker, mit denen Linz bislang über sein Projekt sprach, nicht minder.

„Ich würde mich freuen, wenn wir uns am runden Tisch mit einer solchen Stecke, die die Region attraktiver macht, befassen könnten“, so Linz. Silvia Becker, als Beigeordnete für Wald und Naturschutz in Mandelbachtal zuständig, erklärte gegenüber unserer Zeitung, in Kürze wolle man an einem weiteren runden Tisch nach Lösungen suchen, mit denen jeder glücklich ist. Becker: „Was die Biker hier anstoßen, ist großartig.“

Alexander Emrich fasst die Pläne der Biker zusammen: „Wir wollen offiziell ausgewiesene Möglichkeiten, unseren Sport auszuüben. Wir wollen keine illegalen Bauwerke im Wald, wir wollen mit allen Waldnutzern ein gutes Klima. Der Bikepark in Bebelsheim und die ausgewiesene Rundstrecke im Bliesgau wären für alle Beteiligten eine tolle Sache. Jede illegal im Wald angelegte Sprungschanze beweist, dass es Bedarf für Einrichtungen für Biker gibt, und wir wollen diesem Bedarf legal entgegenkommen. Das kostet nicht viel Geld. Und eine Menge Biker haben viel Spaß.“

Wie der Sohn des Ortsvorstehers, der nach seinen ersten Runden auf dem damals noch offenen Bikepark „gejubelt hat, dass das ganze Dorf ihn gehört hat“, erzählt zum guten Schluss Bertram Nagel.