Das zweite Leben der Helga Schild

Homburg. Ein eher harmloser Bluttest zur Behandlung einer Rheuma-Erkrankung konfrontierte Helga Schild vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren mit einer niederschmetternden Diagnose: Leukämie

Durch Blut-Stammzellen untrennbar verbunden: Helga Schild und ihre Retterin Theresia Birringer (links). Ein harmloser Bluttest (Archiv-Foto rechts) hatte die Spende ermöglicht. Fotos: SZ

Homburg. Ein eher harmloser Bluttest zur Behandlung einer Rheuma-Erkrankung konfrontierte Helga Schild vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren mit einer niederschmetternden Diagnose: Leukämie. "Ohne Chemotherapie hätten die Ärzte an der Uniklinik in Homburg mir gerade mal noch vier Monate Lebenserwartung eingeräumt", erinnert sich die heute 69-jährige Hausfrau, Mutter von zwei Kindern und Oma von vier Enkeln, an die wohl schlimmsten Tage ihres Lebens. Natürlich beginnt sie mit der Chemo und klammert sich an einen Strohhalm der Hoffnung. Gleichzeitig beginnt in Homburg zusammen mit der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld die Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender. Helga Schild hat Glück, eigentlich unfassbares Glück: Die Chancen, einen geeigneten Spender zu finden, sind - trotz beachtlich großer, weltweiter Spenderdateien der Stefan-Morsch-Stiftung und anderer Organisationen - mit denen auf einen großen Lottogewinn zu vergleichen. Im Dezember bringen ihr die Ärzte die überraschende, frohe Kunde: Es könnte geeignete Spender geben.Etwa zur gleichen Zeit erhält die 54-jährige Theresia Birringer aus dem Blieskasteler Stadtteil Pinningen Nachricht von der Stefan-Morsch-Stiftung. Die verheiratete Mutter zweier Kinder käme als Stammzellenspenderin in Frage. Dass sie sich 1992 im Zuge einer Rettungsaktion für ein Kind in Zweibrücken-Wattweiler in die Datei der Stefan-Morsch-Stiftung hatte eintragen lassen, hatte sie schon fast vergessen. "Meine Kinder hatten Bedenken, aber die Beratung durch die Stiftung hat mir viel Angst genommen." Theresia Birringer willigt ein, einem wildfremden Menschen, dessen Namen sie noch nicht einmal kennt, mit ihrem Blut das Leben zu retten. Im Januar 2008 finden weitere Untersuchungen statt. Birringer ist der bessere von zwei möglichen Spendern. Eine Stammzellen-Entnahme aus Knochenmark ist nicht notwendig, es reicht die Entnahme aus ihrem Blut. Sie erhält zu Hause mehrere "Wachstumsfaktor-Spritzen". Am 11. Februar 2008 legt sie sich an die Apparate der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld und lässt sich vier bis fünf Stunden regungslos Stammzellen aus ihrem Blut filtern. Noch am selben Nachmittag erhält in Homburg Helga Schild Theresia Birringers Stammzellen. Schild muss hart mit den durchaus üblichen Abstoßungs-Reaktionen bis zur Lungenentzündung kämpfen. Dann nimmt ihr Körper die fremden Blutzellen an. Nach sieben Wochen kann sie das Krankenhaus verlassen - geheilt, wie sie inzwischen weiß. "Ich hatte zwar plötzlich eine neue Blutgruppe, aber selbst das Rheuma war weg", lacht sie heute.Selbstverständlich wollte Helga Schild immer Auskunft darüber, wer ihr Leben gerettet hatte. Und auch Theresia Birringer wollte immer wissen, wem sie im Februar 2008 so geholfen hatte. Informationen darüber hatte es für beide Seiten zwei Jahre lang nur weitestgehend anonym gegeben. Im April diesen Jahres lüften die Ärzte gegenüber Helga Schild endlich das Geheimnis. Die staunt nicht schlecht, dass ihre Lebensretterin ganz in der Nähe lebte. Das Happy End entwickelt sich zur Vollkommenheit. Ein Anruf, Treffen und "jetzt wollen wir Freundinnen werden", sagen beide übereinstimmend. "Die Beratung durch die Stiftung hat mir viel Angst genommen."Theresia Birringer