Bildnisse eines Reformators

Gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde Ensheim und Mandelbachtal sowie der Union Stiftung zeigt der Verkehrsverein Mandelbachtal Bildnisse von Martin Luther. Ausgestellt werden Werke, die den Reformator auf Darstellungen aus über 600 Jahren zeigen, im Rathaus in Ormesheim.

Martin Luther, hier das berühmte Porträt von Lukas Cranach dem Älteren. Foto: akg-images Foto: akg-images

Martin Luther gehört zu den am häufigsten dargestellten Personen der deutschen Geschichte. Die Lutherhalle Wittenberg bewahrt etwa 2400 verschiedene Lutherbilder auf. Allein zu Luthers Lebzeiten entstanden rund 500 Bilder. Unter dem Titel "Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten" zeigt der Verkehrsverein Mandelbachtal derzeit im Rathaus Mandelbachtal in Ormesheim alte und neue Bildnisse des Reformators. Mitveranstalter sind die evangelische Kirchengemeinde Ensheim und Mandelbachtal und die Union Stiftung . Der Verband kirchlicher Archive der Evangelischen Kirche in Deutschland liefert mit dieser Ausstellung seinen Beitrag für die Auseinandersetzung mit dem Reformationsjubiläum. Die Federführung lag bei den Zentralarchiven der Evangelischen Kirche der Pfalz (Speyer) und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (Darmstadt). Die Archive des Verbandes und viele andere Ideen- und Bildgeber deutschlandweit lieferten repräsentative Beiträge aus ihrem Gebiet.

Martin Luther als Thema protestantischer Bilddarstellung hat das Bildbewusstsein evangelischer Kreise und seit dem 19. Jahrhundert das der Deutschen insgesamt wie kaum ein anderes Thema geprägt. Lutherdarstellungen begegnen bis heute im öffentlichen, kirchlichen und häuslichen Raum. Die Grundtypen fast aller Lutherbilder gehen auf die Reformationszeit zurück und verbinden sich mit der Werkstatt des älteren und jüngeren Lucas Cranach. Daher spannt sich der Bogen der präsentierten Lutherbilder in der Ausstellung vom 16. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Jede Zeit schafft sich ihr eigenes Lutherbild. Als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten deutscher Geistes- und Kulturgeschichte war Martin Luther dabei immer auch Verherrlichung und Instrumentalisierung ausgesetzt - je nach dem Leitbild einer gerade geltenden Denk- und Glaubensrichtung. Das Lutherbild einer Zeit ist mithin Spiegel des Geisteslebens, das sich auch in der Kunstgeschichte artikuliert. Texte des Kulturhistorikers Andreas Kuhn erläutern die aufschlussreichen Zusammenhänge von Geistes-, Kunst- und Theologiegeschichte, wie sie insbesondere in Lutherbildern zum Ausdruck kommen. Der Begleitband zur Ausstellung "Lutherbilder aus sechs Jahrhunderten" ergänzt die 40 Porträts der Ausstellung um eine weitere Auswahl von 60 Porträts aus ganz Deutschland. 500 Jahre nach der Reformation ist es an der Zeit, Martin Luther in seinem leidenschaftlichen Ringen um die christliche Wahrheit neu zu begegnen. Seine bohrenden Fragen nach dem Zustand der Welt und der Kirche, sein kritischer Umgang mit der Tradition, seine Zuversicht im Hier und Jetzt geben dem Lutherbild sehr lebendige Konturen. Die Dynamik seiner Persönlichkeit hat vergangene Zukunft mitgestaltet und kann noch heute zu gesellschaftlichem Engagement ermuntern.

Die "Lutherbilder" sind als Wanderausstellung in ganz Deutschland unterwegs. Nach Ende der Ausstellung reist sie in den nächsten Monaten weiter nach Aurich, Kassel und Darmstadt. Die Ausstellung kann bis Freitag, 22. April während der Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden: Vormittags von Montag bis Freitag jeweils von 8.30 bis 12 Uhr und nachmittags am Montag und Donnerstag von 13 bis 15.30 Uhr, sowie am Mittwoch von 13 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.