Bei Wind und Wetter am Zebrastreifen

In Ormesheim sorgen Schülerlotsen für einen sicheren Schulweg und arbeiten dafür eng mit der Ortspolizei zusammen. Raser sind ein Problem.

"Ich finde das super", sagt Tanja Horn. Die Frau ist seit kurzem Mitglied des örtlichen Schülerlotsen-Teams. "Die Kinder haben ja sonst keine Chance über die Straße zu kommen", erklärt sie. Elisabeth Theis, die die Verkehrshelfer - so heißen die Lotsen offiziell - betreut, hatte die Werbetrommel gerührt. Tanja Horn und zwei weitere Frauen sind dann einem Aufruf in der Schule gefolgt. "Wir machen das schon seit 20 Jahren", blickt Theis zurück. Zum Ende des Schuljahres werden nämlich von den aktuell 13 Helfern fünf aus Altersgründen aufhören. Wenn sich nicht Freiwillige gemeldet hätten, um die Gruppe zu unterstützen, wäre das im Jubiläumsjahr das Ende der Ormesheimer Schülerlotsen gewesen. Noch ist man nicht ganz "über dem Berg" und hofft auf weitere Mithelfer.

Die Frauen mit ihren neongelben Warnwesten stehen an zwei Zebrastreifen: Zum einen zu zweit an der Straßeneinmündung Adenauer-/Mauritiusstraße. Zum anderen auch eine Helferin in der Hauptstraße des Ortsteils an der Abzweigung zur Pfarrer-Kneipp-Straße. Das Ziel der Schüler morgens zwischen 7.30 und 8 Uhr ist die Theo-Carlen-Schule. "Wir sind unheimlich froh", sagt deren Leiter Bertram Schuck. Er ist sehr stolz auf die einzige Schülerlotsengruppe in der Gemeinde. "Wir wollen, dass die Kinder alle zur Schule gehen können", beschreibt er den Pädagogen-Wunsch. Das klingt banal, bedeutet aber, dass es nicht selbstverständlich ist. Denn das Gros des Nachwuchses wird von den Eltern chauffiert. Schuck hat Respekt vor den Helfern. Stehen sie doch bei Wind und Wetter hier. Auch die Eltern wüssten diesen Dienst zu schätzen, berichtet der Rektor.

Froh ist er, wenn die Frauen das Kollegium auf Probleme hinweisen. Etwa, wenn auf dem Schulweg oder auf dem Zebrastreifen gespielt wird. Maßregeln wollen und dürfe man jedoch weder die Kinder noch die übrigen Verkehrsteilnehmer, betont Elisabeth Theis. "Wir arbeiten eng mit der Ortspolizei zusammen. Oft machen einem die Raser Angst. Die machen dann einen Bogen um uns und weichen aus, statt zu bremsen, anzuhalten und zu warten. Manche Radfahrer kommen gar nicht auf die Idee, überhaupt anzuhalten", blickt Theis zurück. Doch dann erfahren sie und ihre Kolleginnen Anerkennung durch die Eltern. Mitarbeiter vom Architekturbüro Walle nebenan bringen sogar Kaffee vorbei. Koffein ist wichtig. Denn das Ehrenamt ist insbesondere bei Nebel, Dunkelheit, Glätte und Schnee nicht ganz so einfach. 1997 habe sie als CDU-Gemeinderatsmitglied den Antrag gestellt. Über Parteigrenzen hinweg habe es Zustimmung gegeben.

Doch niemand fand sich als Mithelfer. Es sei mühsam gewesen, sich seine Kollegen nach und nach selbst suchen zu müssen. "Rentner haben nie Zeit und Frauen, deren Kinder größer sind, auch irgendwie nicht", bilanziert die Lotsen-Leiterin. Dabei sei die Taätigkeit mit kleineren Kindern schwieriger zu bewerkstelligen. Die Kameradschaft unter den Verkehrshelfern stimmt. Vor Jahren habe die Polizei zusammen mit der Verkehrswacht und der Gemeinde den Lotsen eine dreitägige Berlin-Reise teilfinanziert.

Zum Thema:

Wer das Team der Schülerlotsen verstärken möchte, kann sich gerne bei Elisabeth Theis, Tel. (0 68 93) 42 77 oder bei der Gemeindeverwaltung, Sascha Hoffknecht, Tel. (0 68 93) 809-374, melden.