Als Habkirchen Weltgeschichte schrieb

Sie waren die Köpfe der 1848er Revolte gegen die absolutistisch herrschenden Adelshäuser. Da ihnen in Preußen die Verhaftung drohte, ersannen Karl Marx und Friedrich Engels einen anderen Weg, um von Paris nach Köln zu reisen.

Ein Dorf an der Blies hat 1848 Weltgeschichte geschrieben. Der Begründer des Kommunismus, und damit im 19. Jahrhundert von Fürsten und Unternehmern meistgehasste Europäer, Karl Marx sowie sein Freund Friedrich Engels überschritten am 7. April 1848 anstandslos die Grenze zwischen dem französischen Frauenberg und dem Dorf Habkirchen, das damals zum Königreich Bayern gehörte. Aus Anlass des 2018 bevorstehenden 200. Geburtstags von Marx, der vor allem in seiner Geburtsstadt Trier mit Ausstellungen gefeiert wird, haben nun die Peter-Imandt-Gesellschaft und die Rosa-Luxemburg-Stiftung im Zollmuseum in Habkirchen eine Flugschrift zu dem Ereignis präsentiert.

Dieser Grenzübertritt war zwar nur ein Zipfelchen des Mantels der Weltgeschichte . Doch wie aus der Flugschrift, die von Patric Bies geschrieben wurde, mit Hilfe von Manfred Nagel, Zollmuseums-Chef, und dem Historiker Francis Melis, hervorgeht, war die Reise der Revolutionäre von Paris nach Köln von großer Bedeutung. Marx war wegen seiner Berichte in der "Rheinischen Zeitung" in Köln von der preußischen Regierung ausgebürgert worden, Preußen hatte seine sofortige Verhaftung beim Grenzübertritt verfügt. Doch Marx und Engels bekamen der Flugschrift zufolge in Paris Pässe vom den Revoluzzern wohlgesonnenen Polizeichef. So konnten sie in Habkirchen mit der Postkutsche in die bayerische Pfalz einreisen, gelangten über Kaiserslautern ins damals hessische Mainz. Nach einer Rheinfahrt waren sie dann in Köln, wo die beiden die "Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie" mitgründeten. Dadurch konnten sie ihre Ideen während der Bürger-Revolution verbreiten, ehe Preußen 1849 die Zeitung verbot und Marx nach London floh. So war es 1848 listig von Marx und Engels, über Bayern einzureisen, das gegenüber Preußen damals seine eigene Politik verfocht. Bei einer Einreise von Forbach ins preußische Saarbrücken wären sie wohl direkt im Schloss-Gefängnis gelandet.

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