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Gräfinthaler Vierjahrenzeiten: Alles andere als die ganz alltägliche Gitarrenmusik

Gräfinthaler Vierjahrenzeiten : Alles andere als die ganz alltägliche Gitarrenmusik

Von Jörg Martin

Passender hätte man den Herbst bei den Gräfinthaler Vierjahreszeiten 2017 am Freitagabend nicht terminieren können. Die dritte Veranstaltung der Kleinkunstreihe in diesem Jahr fand im Haus Wulfinghoff nämlich genau am astronomischen Herbstanfang, soll heißen am 22. September, statt. Der Einladung der Gemeinde und des Verkehrsvereins Mandelbachtal war dieses Mal, bis auf ein paar Stammbesucher, ein völlig anderes Publikum als sonst üblich gefolgt. Und das auch nur in überschaubarer Anzahl.

Gast war der Gitarrist Ro Gebhardt. Die Interessenten für die Jazz-Musik des Neunkirchers scheinen offensichtlich speziell zu sein. Wer sich das Konzert ansah, wurde dafür mit alles andere als alltäglicher Gitarrenmusik belohnt. Gebhardt, der 1963 in der ehemaligen Hüttenstadt geboren wurde, hatte an diesem Abend die Sängerin Andrea Reichhardt dabei. Das neue Solo-Programm „Fruits of Passion“, welches bereits 2016 erschien, stand beim Konzert im Mandelbachtaler Ortsteil im Vordergrund. Was sehr schnell auffiel, war, dass Gebhardt gerne variiert. Soll heißen, er spielt im positiven Sinne mit den Stilrichtungen. Etwa, wenn er „Wave“, eigentlich als Bossanova vorgesehen, als Samba spielt. In sich versunken, fast schon mit der Musik eins zu sein scheinend, das ist Ro Gebhardt. Kein Mann der lauten Töne, sondern vielmehr einer, der aus den Saiten und dem Klangkörper das Letzte herauszuholen scheint, was das Instrument bietet.

Und doch geht er manchmal, scheinbar spontan, durch die dunklen Reihen des Zuschauerraums und nimmt auf einem freien Stuhl Platz, um dem Nachbar - quasi per Ständchen – einige Passagen des Stücks zu widmen. Fast schon lautlos geht das von sich. Da ist Andrea Reichhardt völlig anders. Klar, präzise und mit viel Liebe zum Wort und seinen Klängen, zeigte sich die aus St. Wendel kommende die Jazzsängerin als Begleiterin von Ro Gebhardt. Mit ein wenig amerikanischem Slang beim Singen, aber nie vordergründig oder gar dominant. Fein abgestimmt könnte man sagen. Ihr Vater habe sich früher die Gitarre geschnappt und ihr Beatles-Songs vorgesungen, lässt sie Besucher auf ihrer Internetseite wissen. Vielleicht ging es Ro Gebhardt ähnlich?

Der hatte nämlich am Freitagabend ein Quiz mit Titeln der Pilzköpfe in das Konzert eingebunden. Darunter „Lady Madonna“ und „Let it be“. Zwar als Beatle-Song erkennbar, jedoch völlig anders als man landläufig erwartet, interpretiert. Hier war vor allem auffällig, wie der Teufels-Gitarrist sein Instrument bewegt. Man konnte den Eindruck gewinnen, er beugt es einerseits. Andererseits scheint er ihm irgendwie den Hals herumzudrehen, was natürlich nicht zutrifft. Aber der Anschein bleibt. Die Besucher konnten erraten, um welche Band es sich handelte. Drei Hände gingen am Ende hoch und eine Frau wurde mit einer Gebhardt-CD belohnt. Im zweiten Teil des Konzertabends wurden die Zuschauer dann mit weiteren Titeln des aktuellen Tonträgers belohnt. Die Zugabe nahm er gleich vornweg, in dem er ein Stück spielte, das er noch nicht veröffentlicht hatte.