Abstraktionen in buntem Glas

Ommersheim. Imposant erhebt sich das Ommersheimer Gotteshaus über den Ort. Eine hohe Treppenanlage führt hinauf zum Portal, das von einem hohen Rundbogen umrahmt wird. Darüber erhebt sich der monumentale Turm, der mit seinem profilierten Giebel ganz deutlich auf den spätklassizistischen Baustil zurückweist

Ommersheim. Imposant erhebt sich das Ommersheimer Gotteshaus über den Ort. Eine hohe Treppenanlage führt hinauf zum Portal, das von einem hohen Rundbogen umrahmt wird. Darüber erhebt sich der monumentale Turm, der mit seinem profilierten Giebel ganz deutlich auf den spätklassizistischen Baustil zurückweist. Architekt aus ZweibrückenDie Kirche in dem Mandelbachtaler Ortsteil ist ein schlichter, ein wohlproportionierter Bau aus den Jahren 1828/29, errichtet nach den Plänen des Zweibrücker Architekten Paul Camille Denis. Entsprechend ist auch das Innere ausgestattet mit einfach verglasten Fenstern, deren rundbogige Einfassung in einem schmalen blauen Glasstreifen im Innern nachempfunden wird. Reizvoll aufgrund einer schönen Schlichtheit, die den gesamten Bau durchwirkt und als Basis des Erweiterungsbaus aus den Jahren 1956/57 diente - zumindest was die Architektur betrifft. Denn dieser nach Osten gerichtete Betonbau wurde zwar als einfacher, hallenartiger Baukörper errichtet, aber mit ausdrucksstarken Buntglasfenstern ausgestattet. Er dient als Langhaus für diese Pfarrkirche, deren Altbau heute die Funktion eines Chorraums hat. Durch diesen modernen Bauteil der Kirche kommt der heutige Gottesdienstbesucher und wird sogleich von einer modernen Buntverglasung in Empfang genommen. Im filigranen Linienspiel umrahmt ein lichtes Fensterband das Kirchenportal und den unteren Fassadenteil; ab und an gipfelt es in kleineren Farbfeldern, die den zackigen Linien der Bleiverglasung wie Kristalle eingeschoben sind. Mächtig überragt ein in Beton ausgeführter Giebel das deutlich abgesetzte untere Stockwerk. Es bildet einen kontrastreichen Gegenpol zu dem in zarten Grün- und Blautönen gehaltenen Lichtband mit den dunklen Linien. Doch im Innern hat sich der Schwerpunkt des künstlerischen Eindrucks verlagert: Das komplette obere Drittel der Wand besteht aus jeweils fünf abstrakten Buntglasfenstern, die wie eine Fensterwand zwischen schmale Betonrippen eingepasst wurden. Während die Fenster der linken Seite in Blau-rot-Tönen gehalten sind, dominieren auf der gegenüberliegenden Seite die Farben Blau und Grün. Stark und intensiv erstrahlen sie bei Tageslicht und sind dabei in der Art eines modernen Teppichs aus abstrakten Elementen gestaltet. Dichtes MusterIn einem breiten Mittelteil verdichtet sich das Muster, das von helleren Farbflächen oben und unten gerahmt wird. Da auch diese wieder in sich differenziert sind, entsteht im Ganzen der Eindruck, dass es sich hier in erster Linie um abstrakte Glasgemälde handelt. Gestaltet also ohne die Absicht, etwas über die biblische Geschichte erzählen zu wollen. Das passt exakt in die Zeit ihrer Erbauung. Denn in jenen Nachkriegsjahren verschrieb man sich der Abstraktion, um in unverbindlichen und ideologiefreien künstlerischen Gestaltungen ein modernes Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen. Sie sollten keine Botschaften vermitteln und den Betrachter auf seine eigene Einbildungskraft zurück verweisen. So wie eben auch diese Fenster, die nicht auf ein geplantes Verständnis hin gestaltet sind, sondern im Hinblick auf die Kraft ihrer Farben und ihrer ungegenständlichen Formen. < wird fortgesetzt

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