1200-Jahr-Feier in Habkirchen mit tollem historischem Markt

Ein tolles Spektakel : Dudelsäcke, Falkner und edle Ritter

Ein Höhepunkt der 1200-Jahr-Feier in Habkirchen: der historische Markt mit allem, was dazugehört.

„Huld Huld! Jubel!“ hat das Volk von Habkirchen angesichts des Besuchs aus der Landeshauptstadt am Samstag gerufen. Der Marktherold hatte sie vorab bei seiner Begrüßung schon gut eingestimmt. „So begeistert bin ich noch nie empfangen worden“, freute sich der Präsident des Landtags Stephan Toscani. Auch er war zur 1200-Jahr-Feier erschienen: „Ich bin beeindruckt von der Vielfalt des Marktangebotes und vom Lagerleben. Ich gratuliere Euch zu Eurem Jubiläum, macht weiter so!“ Nach einem großen Festkommers am Freitag im Festzelt (wir berichteten) war am Samstag und Sonntag ein historischer Markt mit abwechslungsreichem Programm auf der Festmeile zwischen Anna-Kapelle und Pfarrkirche in der Prälat-Roth-Straße das Herzstück der viertägigen Feier. Mit Toscani freuten sich der Bürgermeister von Mandelbachtal, Gerd Tussing, sowie Ortsvorsteher Wieland Eckardt über das wohl größte Fest in der Jahrhunderte alten Geschichte des kleinen Dorfs im Mandelbachtal.

Vier Tage lang hieß es „Eine Reise durch die Jahrhunderte“. Mit einem feierlichen Umzug durch die Dorfmitte und das mittelalterliche Lager wurde der Markt eröffnet. Da gab es viel Dudelsackmusik und Trommeln, Falkner mit ihren gefiederten Begleitern, prächtig gewandete Damen, edle Ritter, Fahnenträger und fröhliche Gaukler. Ein Herold, der gemeinsam mit den Honoratioren den Festumzug anführte, verkündete das Geschehen lautstark für die zahlreichen Schaulustigen am Straßenrand. Da wurde viel gelacht, „Hände geklappert“, gehuldigt und gejubelt. Der Heimat- und Geschichtsverein mit seinem Vorsitzenden Martin Müller sowie ein Organisationsteam rund um den Schriftführer und Kassenwart Gilbert Schetting hatten das Fest in über zwei Jahren geplant. Das kleine Dorf zählt zwar nur etwa 600 Einwohner, aber am Wochenende war ein Vielfaches an Zugereisten zu Gast, um sich beim historischen Markttreiben zu amüsieren und das Leben in den Lagern zu bestaunen. Die bunte Vielfalt mittelalterlichen Lebens bot für jeden Geschmack etwas und ließ keine Langeweile aufkommen.

Es gab Musik mit historischen Instrumenten und handgefertigte Produkte lockten von einem Händler zum nächsten. So fühlte man sich wie in ein weit zurückliegendes Jahrhundert versetzt. Rund 50 Händler und Handwerker mit Berufen wie Kerzenzieher, Korbflechter, Töpfer, Lederer, Glasbläser und Seifensieder zeigten ihr Können und boten ihre Waren feil. Für die kleinen Gäste standen ein handbetriebenes Holzkarussell und ein handbetriebenes Riesenrad bereit. Zudem machten unter anderen der Kindergarten und weitere Marktbestücker verschiedene Bastelangebote für Amulette, Schmuck oder auch Kerzenziehen. Und was ein echter Ritter werden will, durfte auch schon einmal mit Holzschwertern kämpfen üben oder beim Armbrustschießen auf hölzerne Tafeln sein Geschick unter Beweis stellen.

Die Marktbeschicker kannten sich offensichtlich untereinander und unterhielten sich mit derben Sprüchen und liebevoll gemeinten, kleinen Frotzeleien.

Fantasiewesen und mittelalterliche Musiker unterhielten die Gäste des historischen Marktes aus nah und fern. Foto: Petra Pabst

Stefan und Kerstin Procopio sind mit ihren Söhnen Luca und Giorgio aus Bübingen gekommen. Der kleine Luca lässt sich die Armbrust erklären und trifft auch prompt die bunten Zielscheiben. Stolz nimmt er als Gewinn einen Edelstein entgegen. „Wir haben aus der Zeitung von diesem Fest erfahren und uns den Termin gleich vorgemerkt. Die Marktbeschicker und Künstler von Mittelaltermärkten haben oft besonders viel Geduld und zeigen sich immer sehr kinderlieb. Sie erklären viel und bringen uns das mittelalterliche Leben näher. Das gefällt uns und den Jungs natürlich sehr“, erzählten sie. An Speisen und Getränken mangelte es natürlich nicht auf dem Markt. Ob Deftiges vom Spanferkel und Wild, ob süß und/oder vegetarisch – es musste niemand mit knurrendem Magen nach Hause gehen. Besonders beliebt waren Met und Bier mit Honig. Das genossen auch Dagmar und Jürgen Herzer aus Schmelz, die besonders schön gewandet auffielen. „Wir stellen eine schottische Delegation dar, die Habkirchen zum Fest ihre Aufwartung macht“, erklären sie. „Wir reisen gerne mit historischen oder fantasievollen Gewandungen zu besonderen Anlässen, das ist ein großes Hobby von uns. Zu Hause haben wir ein eigenes Zimmer für unsere Kostüme. Je nach Anlass kleiden wir uns dann viktorianisch, mittelalterlich oder auch fantasievoll. So sind wir an fast jedem Wochenende unterwegs.“ Für besonderen Witz und Kurzweil sorgten derweil die Darbietungen des Gauklers Gregorius, der sowohl als Jongleur, als auch als Zauberkünstler und Feuerschlucker in Erscheinung trat und vor allem Kinder mit seinen lustigen Grimassen und Sprüchen in seinen Bann zog.

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