Lauschtour im Saarpfalz-Kreis

Bexbacher Bergmannstour : Mit dem Smartphone auf Gipfeltour

Acht „Lauschtouren“ gibt es im Saarpfalz-Kreis. Wir stellen einige in loser Folge vor. Teil 1: Bexbacher Bergmannstour

Lauschen, entdecken, mehr erfahren“ ist das Motto der Audiotouren, die dazu einladen, die Region auf andere Art zu erleben. Aufgelegt hat das Angebot die Saarpfalz-Touristik. Die App bietet Geschichte und Geschichten, Wissenswertes, aber auch  Amüsantes, in kleinen Erzählungen, unterlegt mit Bildern und Videos, dazu gibt es eine Streckenkarte. Die Bexbacher Tour ist mit rund 30 Minuten Gehzeit und einer Streckenlänge von einem Kilometer die kürzeste der acht Touren. Sie führt vom Blumengarten aus auf den Monte Barbara, „einen menschengemachten Berg, der in der Zeit des Steinkohleabbaus entstanden ist“, so heißt es in der Einführung zur Lauschtour.  Durch den Besuch des Bergbaumuseums im Hindenburgturm und eine kleine „Weltreise“ durch die Gulliverwelt im benachbarten Blumengarten lässt sich die Tour schön  ergänzen.

Die App ist geladen, das Smartphone in der Hand, so treffen wir am Eingang des Bergbaumuseums im Bexbacher Blumengarten Doris Selzer mit ihrem Hund Elli. Die Mitarbeiterin der Abteilung Messe und Touristik der Stadt Bexbach stellt die Lauschtour vor und ist „selbst gespannt, wie das nun klappt“, sagt sie lachend. Es regnet, nun gut, aber das schreckt Hundehalter schon mal gar nicht, außerdem siegt die Neugier über den inneren Schweinehund. Nur das Smartphone muss trocken bleiben. Als schließlich Tasche/Rucksack, Handy und gegebenenfalls Schirm (wohl dem, der eine Kapuze hat) arrangiert sind, geht’s los. Einstieg in die Tour ist am Eingang des Bergbaumuseums im Blumengarten, zugleich der erste „Lauschpunkt“ .

„In Bexbach tauchen wir ein in die große Zeit der saarländischen Steinkohle“, heißt es zu Beginn. Da fallen gleich als erstes die großen Maschinen im Außenbereich auf, zum Beispiel die an eine riesige Kettensäge erinnernde Fördermaschine, mit der die Kohle herausgeschnitten wurde, wie Wolfgang Imbsweiler, Vorsitzender des Bergbaumuseumsvereins, in dem Audiomitschnitt zum Lauschpunkt 1 erklärt. Spannend auch: der versteinerte Baumstamm, der aus der Karbonzeit stammt, und rund 300 Millionen Jahre alt ist.

Schon am ersten Punkt wird die Befürchtung, dass jeder mit Kopfhörer im Ohr auf sein Handy guckend durch die Lande läuft, zerstreut. Es wird gemeinsam über Lautsprecher gelauscht. Und noch etwas führt unweigerlich zur Kommunikation unter den Mitwandernden:  Der Weg ist in der Karte eingezeichnet, die die App bereitstellt, und hin und wieder gibt es auch Hinweise wie „an der Gabelung links halten“, ein Navi, das einen durchgehend lotst, ist das Ganze allerdings nicht – man muss also schon selbst sehen, dass man richtig abbiegt. Wer GPS zuschaltet, um den eigenen Standort zu sehen und mit dem Weg abzugleichen, sollte das Handy gut aufgeladen haben – das GPS „frisst“ ziemlich viel Akkuleistung.

Dann geht es weiter durch den Blumengarten Richtung Flugplatz, durch ein Tor und weiter zum Weinberg am Fuß des Monte Barbara. Der nach der Schutzheiligen der Bergleute, der Heiligen Barbara, benannte Berg ist durch Schlackenablagerungen entstanden. Bevor es an den Aufstieg geht, lohnt ein Blick nach links: Der kleine Weinberg ist ein Experiment des Bexbacher Heimatvereins, wie Klaus Simon vom Heimatverein Bexbach in der Lauschtour verrät: Um die Bergehalde zu begrünen, wollte der Heimatverein dort einen Weinberg anlegen. Allerdings waren die Bedingungen dann wohl doch nicht so optimal, der Wein erhielt ob seines Säuregehaltes den schönen Namen „Schlackenzwicker“.

Die kleine Anekdote sorgt gleich für gute Laune. So geht es dann in den Anstieg auf den Monte Barbara. Der Weg windet sich spiralförmig um den Schlackenberg und ist ziemlich steil, loses Gestein und unebene Wege erfordern Aufmerksamkeit und gutes Schuhwerk. Dafür belohnen schöne kleine Waldwege und lauschige Plätzchen den Spaziergänger. Auch wer seitab vom Weg auf einen der kleinen Trampelpfade geht, kann sich nicht wirklich verlaufen, die Richtung ist klar: immer nach oben. Und mit etwas Glück kann man eines der Fossilien mit versteinerten Pflanzen  finden. Oben angekommen, belohnt die Aussicht über die Stadt in die Ferne.

Die rund acht Meter hohe weiße Barbara-Statue, leider immer wieder mit Graffiti verunziert, stand ursprünglich am letzten Bexbacher Bergwerk, das in den 50er Jahren dem Kohlekraftwerk weichen musste, wie in der App zu hören ist. Das beherrscht auch die Aussicht vom Gipfel des Monte Barbara aus. Dazu gibt’s kurze Info-Häppchen zur Bexbacher Grubengeschichte, zum Beispiel zum Kohlentransport per Seilbahn.

Dann verabschiedet sich die App, die Route zum Abstieg sucht man sich selbst – der Weg im Rücken der Statue ist bei nassem Untergrund ziemlich rutschig. Die unterwegs ausgeschilderte Schutzhütte gibt es inzwischen nicht mehr.

Fazit: Eine schöne, kleine Tour, mit der App kann man gut selbst auf Entdeckungstour gehen und „en passant“ Interessantes erfahren.

Abrunden kann man die Tour mit einem Besuch im Blumengarten, mit den Miniatur-Bauten der Gulliver-Welt (besonders schön: ein Picknick am Eiffelturm - Verpflegung sollte man sich selbst mitnehmen), aber auch mit einem Besuch im Bergbaumuseum, das in den Etagen des rund 40 Meter hohen Hindenburgturm untergebracht ist. In den nachgebauten Stollen unter der Erde kann man am eigenen Leib erleben, wie sich die Bergleute beim Einfahren in die Grube fühlten und „Untertage-Luft“ schnuppern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Impressionen von der Bexbacher Bergmannstour

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