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Lacher des Erkennens lodern auf

Lacher des Erkennens lodern auf

Homburg. Es sind zwei Stühle, die der Schauspielerin Margret Gampper in ihrer Rolle als Shirley Valentine an diesem Abend Platz geben auf der kleinen Bühne im Homburger Siebenpfeifferhaus. Ein Zufall? Mal sitzt sie dort, mal sitzt sie hier, in der kleinen, angedeuteten Küche. Da wird ein Leben für zwei gezeigt, aber geprägt von der Abwesenheit des anderen, mag man vermuten

Homburg. Es sind zwei Stühle, die der Schauspielerin Margret Gampper in ihrer Rolle als Shirley Valentine an diesem Abend Platz geben auf der kleinen Bühne im Homburger Siebenpfeifferhaus. Ein Zufall? Mal sitzt sie dort, mal sitzt sie hier, in der kleinen, angedeuteten Küche. Da wird ein Leben für zwei gezeigt, aber geprägt von der Abwesenheit des anderen, mag man vermuten. Gamppers Valentine kocht, auch das für zwei - und auch das in Abwesenheit des anderen, ihres Ehemanns Joe. Also alles doch kein Zufall, kein beliebiges Arrangement, um die Bühne zu füllen. Und Gamppers Valentine kocht - aber nicht nur das Essen. Emotionen kochen hoch, die Emotionen einer Frau über 50, gefangen in einer Ehe, die, und daran lässt Gamppers Valentine schon von Beginn an keinen Zweifel, ihre besten Jahre hinter sich hat, die sich verbraucht hat, die von Stereotypen geprägt ist - sie wie viele anderen Ehen auch, wenn die Jahre unter die gemeinsame Bettdecke gekrochen sind.Viele sehen den Spiegel Gamppers "Shirley Valentine oder die heilige Johanna der Einbauküche" erzählt Reales im Gewand des Komödiantischen, lässt Lacher des eigenen Erkennens beim meist weiblichen Publikum auflodern. Gleichwohl wollen nicht alle im Saal das Schicksal der Valentine im realen Leben in Gänze teilen, einen Teil-Spiegel sehen wohl viele vor sich, so wenn Gampper vom täglichen Leben einer desillusionierten Hausfrau erzählt, von den Kindern, vom Ehemann, von Träumen und Enttäuschungen. Shirley Valentines Traum: Zwei Wochen Urlaub in Griechenland mit ihrer Freundin. Da ist sie, die Tür zu einem anderen Leben, ein kleines Zeitfenster in der Zukunft, das Vergangenes beleben könnte. "Reisen wollte ich, als ich jung war. Ich wollte so etwas sein wie ein Eilbote oder eine Stewardesse." Nun ist Gamppers Valentine eine Frau über 50, eine Frau "vor einer Wand". Einer Wand, die sie nun trennt von dem, was sein könnte, wenn sie nur wollte, einer Wand, hinter der zwei Wochen Griechenland liegen, zwei symbolische Wochen Ausbruch aus dem, was nie hätte sein dürfen. Einer Wand, die aber auch Symbol ist für das erzwungene Verlernen von Ansprüchen innerhalb einer gesellschaftlichen Konventionsstarre ist. Und dann lässt Margret Gampper ihre Shirley Valentine es herausschreien: "Ich habe Angst vor einem Leben jenseits der Wand." Irgendwo zwischen Komödie und Tragik lässt Gampper ihre Shirley Valentine wandeln auf unsicherem Grund - ein Stück mit Tiefgang, Witz und Ansporn um das Ringen für die eigenen Bedürfnisse haben die Evangelische Frauenarbeit im Dekanat Homburg mit Jutta Bohn an der Spitze, Homburgs Frauenbeauftragte Ingrid Braun und die Seniorenbeauftragte Christel Steitz da am Mittwoch auf die Bühne geholt. Die Botschaft: Ja, es gibt ein Leben hinter der Wand, auch und gerade für Frauen über 50. Und für das lohnt es sich zu kämpfen.