Mensa : Mensa-Gebäude wird zur Galerie

In der Mensa des Homburger Unversitätsklinikums zeigen gut 60 Künstler auf zwei Stockwerken ihre Kunstprojekte. Tatsächlich verbinden sich bei „Kunst in der Mensa“ manchmal auch Kunst und Medizin.

Mit erweitertem Konzept, großem Besucherandrang und viel Musik ist am Donnerstagabend die alljährliche Ausstellung „Kunst in der Mensa“ eröffnet worden. Auf zwei Stockwerken der Uniklinik-Mensa zeigen gut 60 Künstler ihre ganz unterschiedlichen Werke nach dem Motto: Alles ist dabei erlaubt, was gefällt. Seit 1999 wird „Kunst in der Mensa“ veranstaltet, einst von Studierenden ins Leben gerufen und jahrelang vom Unidozent Kurt Becker betreut. Dieser hatte letztes Jahr sein Zepter an Dorna Hogeabri weitergegeben, die die Ausstellung nun zum zweiten Mal organisiert. Die Medizinstudentin wollte die Leitung gerne übernehmen, da sie selbst sehr kunstbegeistert ist, malt, zeichnet und auch musikalisch aktiv ist.

Allerdings musste sie auch erkennen: „Die Organisation war immens viel Arbeit.“ Das Ergebnis hat sich aber in jedem Fall gelohnt: Fast das gesamte Mensa-Gebäude gleicht jetzt einer modernen Galerie. Zur Ausstellungseröffnung gab es zudem viel Live-Musik, unter anderem von der Band Times And Tales sowie vom Homburger Männerensemble. Einer der ausstellenden Künstler ist der Medizinstudent Lucas Neumayer, der die Liebe zur Malerei tatsächlich durch „Kunst in der Mensa“ erfahren hat: „2014 war ich bei der Vernissage, da habe ich das Malen für mich entdeckt.“ Seither fotografiert er Portraits, bearbeitet sie am Computer und malt sie dann ab. Warum? „Das Malen hat einen besonderen Reiz. Malen ist ein innerer Drang. Ich male, weil ich malen muss.“ Seine Bilder wirken auf den ersten Blick noch wie Ausdrucke, doch dann erkennt der Betrachter, dass sie von Menschenhand geschaffen sind.

Einen Ansatz, der Kunst und Medizin auf wundersame Weise miteinander verbindet, pflegt Anne Kerber. Die medizinisch-technische Assistentin der Hautklinik untersucht im Berufsleben die Strukturen des Gewebes, das bei Operationen herausgeschnitten wird. Zu diagnostischen Zwecken färbt sie die Gewebeschnitte an. „Die pathologischen Strukturen haben mich fasziniert, ich dachte, da könnte man mal was ausprobieren“, erzählt sie.

Also nahm sie Fotos der Schnitte mit nachhause, bearbeitete sie am Computer und druckte sie großformatig aus. Das Ergebnis sind sehr bunte, abstrakt wirkende Bilder mit interessanten Strukturen. Seit acht Jahren betreibt Kerber diese Kunst und hat damit viel Erfolg: „Das macht sonst niemand außer mir. Ich weiß gar nicht, wie mir das gelungen ist, ich muss mich jeden Tag zwicken.“

Zur Begrüßung sprachen neben Leiterin Dorna Hogeabri Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und der Dekan der Uniklinik, Michael Menger. Er bedankte sich insbesondere bei Kurt Becker für dessen jahrelanges Engagement und freute sich über die Unterstützung durch die Stadt Homburg. Der OB sagte, dass er die Atmosphäre der Ausstellung toll finde. Wie immer werde er das von Menger gemalte Bild für einen guten Zweck versteigern.

Tatsächlich gehört es schon fast zur guten alten Tradition, dass der Dekan während der Eröffnung seinem eigenen Hobby frönt und live ein Bild malt. Das konnte er in diesem Jahr zum ersten Mal in einem frisch renovierten Raum tun, dem ehemaligen Sitzungssaal der Fachschaft, der nun einen ersten neuen Zweck erfüllte. „Mir macht die Veranstaltung immer einen Riesenspaß“, sagte Menger – und war dabei sicher nicht allein. Die Ausstellung findet im Gebäude 74 der Uniklinik statt und dauert noch bis zum 8. Februar.

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