Wahlkampf auf saarländische Art

Saarländer würden „Networking“ wohl mit „Ich kenne einen, der einen kennt“ übersetzen. Manche kritisieren diese Art der Problemlösung als unmoralisch, andere, vor allem die, die viele kennen, schätzen sie als einfach und kurz. Selbstverständlich kommt sie auch in der Politik oft zum Einsatz.

Wenige Tage vor der vermeintlich "richtungweisenden Schicksals-Landtagswahl" haben sich die konkurrierenden Parteifunktionäre so richtig warm gelaufen. Während die kleinen Parteien, weil noch nicht oder nicht mehr oder in der Opposition im Landtag, ihre Kandidaten mühsam auf Veranstaltungen präsentieren müssen, können die beiden großen gerade im Endspurt auf Schützenhilfe von Polit-Promis bauen. SPD-Landesvorsitzender und Bundes-Justizminister Heiko Maas war etwa am Donnerstag bei "Jost am Rost mit SauerPower" am Wombacher Weiher angesagt. Es galt, den in St. Ingbert ohnehin fast dauerpräsenten Saar-Umwelt- und Justizminister Reinhold Jost und vor allem dessen ebenfalls kandidierende Oberwürzbacher Lebensgefährtin Dunja Sauer zu unterstützen. Und Wirtschaftsministerin und SPD-Spitzen-Kandidatin Anke Rehlinger ist natürlich an diesem Wochenende Schirmherrin der Tourismusbörse. Die CDU "kontert" am kommenden Donnerstag mit "Auf einen Kaffee mit Annegret", "Mittagessen mit Annegret" und der anschließenden Teilnahme von Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer an der Preisverleihung zum "Martinslampen"-Wettbewerb von St. Ingberts Ortsvorsteher Ulli Meyer (CDU). Der hat als leitender Beamter in der Staatskanzlei sicher einen kurzen hausinternen Draht zu seiner Chefin. Und natürlich auch - ob mit oder ohne Vermittlung des ohnehin fast einheimischen Finanzministers Stephan Toscani - zu Innenminister Klaus Bouillon. Der versprach in dieser Woche viel Geld der Steuerzahler für St. Ingbert, das wohl auch ohne dieses "Ich kenne einen, der einen kennt" fließen würde. Zum Glück!