Vom Rühmen und vom Rügen

Es war wohl so etwas wie eine Verzweiflungstat, diesen außergewöhnlichen Preis ins Leben zu rufen. Die "Starre Pedale" - hübsch aufbereiteter, auf Holz fixierter, verrosteter Schrott - verliehen die Landesvertreter vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) St. Ingbert.

Viele gute Ideen des Clubs prallen offenbar an den Mauern des Rathauses ab, die Kreuzung an Wendlings Eck ist zum Symbol für die Liebe zum Autofahren geworden, Radfahrer und Fußgänger fühlen sich vergessen. Die hartnäckigen Interessenvertreter braucht es weiterhin. Es ist sicherlich auch ihnen zu verdanken, dass man im Rathaus nun über ein Rückgängigmachen an besagter Kreuzung nachdenkt. Aber Hand aufs Herz: Die "Starre Pedale" hätte genauso gut andere Städte im Saarland treffen können. Es ist kein Zufall, dass man im Landesverband des VCDs St. Ingbert im Visier hat, wohnt doch der stellvertretende Vorsitzende Werner Ried hier und erlebt die verkehrspolitischen Vorgänge in der Mittelstadt selbstverständlich viel intensiver als in Saarlouis oder Völklingen. In Saarbrücken hingegen ist die Vorsitzende Andrea Schrickel Expertin. Nur: Würde sie der Stadt, in der sie für die Grünen im Bezirksrat Mitte aktiv ist, einen Flop-Preis überreichen wollen? Ein routinierter Radfahrer aus Saarbrücken musste jedenfalls erst mal trocken lachen, als er erfuhr, dass die Landeshauptstadt für ihre Verkehrspolitik gerühmt wurde. Auch Saarbrücker Radler fühlen sich nicht immer gehört. St. Ingbert will die Rüge nicht auf sich sitzen lassen. Stattdessen ruft man hier zum Stadtradeln auf, einem deutschlandweiten Wettbewerb, bei dem Mitglieder des Stadtrates und Bürger aufgefordert werden, drei Wochen lang viele Fahrradkilometer zu sammeln. Also dann: Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Anti-Rost-Spray wird das schon wieder.