Kein Wahlkampf mit G 9

In Homburg gehen 58 Prozent eines Jahrgangs vom Fünftklässlern aufs Gymnasium, nur 42 Prozent auf eine Gemeinschaftsschule. Das ist erstaunlich, zumal ja auch alle Gemeinschaftsschulen den Weg zum Abitur anbieten, also das Schulsystem komplett durchlässig geworden ist. Das Gymnasium ist längst nicht mehr der Königsweg. Dennoch scheinen viele Eltern das immer noch so zu sehen und muten Kindern mit mittelmäßigen Grundschulnoten G 8 zu. Lange wurde Deutschland im internationalen Vergleich zu Recht gerügt, eine ungerechte Regelung zu haben, die dafür sorgte, dass für zehnjährige Kinder schon die Weichen fürs Leben gestellt wurden: Die einen konnten studieren, die anderen nicht. Obwohl manche Kinder erst mit 12, 13 Jahren richtig loslegen, war ihnen früher der Weg zum Abitur so gut wie verschlossen. Das ist zum Glück heute nicht mehr so. Natürlich muss nicht jedes Kind Abitur machen, aber zumindest der Weg dahin ist nicht verbaut. Für Eltern ist es doch eine gute Wahlmöglichkeit, einem Kind, das sich beim Lernen noch schwer tut, den neunjährigen Weg in einer Gemeinschaftsschule vorzuschlagen. Warum Elterninitiativen, die Grünen und die SPD nun wieder wahlweise ein neunjähriges Gymnasium einfordern, ist unbegreiflich. Sie entwerten damit das gute Konzept der Gemeinschaftsschulen, das, wie man sieht, landesweit bei den Eltern Erfolg hat. G 9 riecht nur nach Wahlkampf auf dem Rücken der Kinder. Wie so vieles in der Schulpolitik.