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Ein nicht ganz ungefährlicher Geldsegen

Ein nicht ganz ungefährlicher Geldsegen

Innenminister Klaus Bouillon hat in dieser Woche für viele überraschend eine Schatulle geöffnet und den Saar-Kommunen 20 Millionen Euro für Straßensanierungen spendiert. Begeisterungs-Stürme blieben bisher aus. Warum nur?

Eigentlich hätten Mitte der Woche wenigstens die Anwohner völlig ungewohnte Jubelschreie aus den Rathäusern unserer Region hören müssen. 20 Millionen Euro schüttet das Innenministerium aus nicht in Anspruch genommenen Zuschussmitteln an die Saar-Gemeinden für kurzfristige Straßensanierungen aus. Knapp 1,5 Millionen fließen je nach Zahl der Gemeindestraßen-Kilometer in die Kassen St. Ingberts und der drei Bliestal-Kommunen. Die Mittelstadt erhält 561 613, Blieskastel 419 829, Mandelbachtal 233 631 und Gersheim 263 378 Euro.

Dass Journalisten und politische Gegner des gewieften "Machers" Klaus Bouillon (CDU) ob des nahen Landtagswahl-Termines Taktik unterstellen, die einen "Endlich, haben wir schon lange gefordert" knurren, die anderen etwas über "von der linken in die rechte Tasche" murren, ist normal. Überraschend ist aber, dass sich zumindest der vernehmbare Beifall bei den Empfängern selbst in diesen ersten Tagen stark in Grenzen hält.

Wer in den vier Rathäusern Reaktionen einholen wollte und euphorisch erste Pläne schmiedende Bürgermeister und Mitarbeiter erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die einen hatten die entsprechende ministerielle Post angeblich noch gar nicht, die anderen hatten sie erst mal an die zuständigen Bauabteilungen zur Prüfung weitergeleitet, die Rathaus-Chefs selbst waren unterwegs und kaum für konkrete Statements zu haben. Defensive war offenbar angesagt.

Kein Wunder: An der finanziellen Labsal aus dem Ministerium kann man sich tatsächlich ganz schön den Mund verbrennen. 1,5 Millionen Euro sind viel Geld, aber es reicht bei weitem nicht, um das Thema Straßensanierungen mit einem Wisch von allen Prioritätenlisten zu streichen, die Stadt-, Gemeinde- und Ortsräte in den vergangenen Jahren mühsam diskutiert und verabschiedet haben. Was sich derzeit hinter den Kulissen der Rathäuser abspielt, kann man unter Umständen mit einem Gehege vergleichen, in das der Wärter einem großen Rudel Löwen einige Brocken Fleisch hingeworfen hat.

So ziemlich jeder Mandatsträger, der in den vergangenen Monaten und Jahren mit seinen Wünschen im Rathaus auf taube Ohren gestoßen ist, wird jetzt, von missmutigen weil ungeduldigen Anliegern der Straßen hochmotiviert, noch einmal vorstellig werden. Und in den Kommunalparlamenten wird es hoch hergehen, Schrammen und Wunden inbegriffen. Da kann man sich als Bürgermeister oder Bauamtsleiter eigentlich nur eine blutige Nase holen.