Ein Lebensnerv liegt derzeit blank

Ein Thema stellte in dieser Woche alle anderen in den Schatten: die Sperrung der Fechinger Talbrücke. Der urplötzliche Blackout auf der Autobahn sorgte für ein Tempo tagtäglicher Neuigkeiten, das Betroffenen und Beobachtern fast den Atem nahm.

Und das war kein Wunder, trifft diese Dauerpanne im Verkehr doch einen Lebensnerv. Über Nacht wurde uns vor Augen geführt, wie abhängig das Funktionieren unseres Alltags von einer tragfähigen Infrastruktur ist, die ein schnelles Hin und Her von Personen und Waren ermöglicht.

Auch auf die Gefahr, von neuen schlauen Vorschlägen überrollt zu werden, muss aber gelten: Die Politik sollte nicht lange an Provisorien herumdoktern, sondern alle Kraft darauf verwenden, dem Schrecken ohne diesen Abschnitt der A 6 mit einem Brückenneubau ein schnellstmögliches Ende zu bereiten. Das heißt: Mit der Verfahrensbeschleunigung Ernst machen, bei Planung und Ausschreibung wirklich Gas geben und das ja offenbar vorhandene Geld fürs Klotzen statt fürs Kleckern nutzen. Vor allem müssen die Fechinger Talbrücke und die ebenfalls marode Grumbachtalbrücke in einem Guss erneuert werden. Einmal Chaos genügt.

Bleibt noch eine ganz persönliche Bemerkung: In dieser Woche habe ich erlebt, wie sich der Blick auf den Umstand verändert hat, dass ich als St. Ingberter zu Fuß zur Arbeit komme. Schlagartig war ich nicht mehr der arme Tropf, der auf die Möglichkeiten der modernen Mobilität verzichtet, sondern das Glückskind, das sich keine Gedanken machen muss, wie es mit dem Auto möglichst flott über Stadtgrenzen hinweg heimkommt. Ich weiß aber auch, dies wird nicht so bleiben. Je länger die freie Fahrt über die Autobahn fehlt, wird's wohl bald heißen: "Der do brauchd kenn Audo unn hadd gudd schwäddse."